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JSL 7. Magdeburg, Juli 1882 . Jahrg. I.
Israelitische Schiilzeitnng.
" ' ^ ölnttcr für Schule und Haus.
Unter Mitwirkung jüdischer Schulmiinner
herausgegeben von
Df. M. Bahmer, unb Dr. Th. Kroner,
Rabbiner in Magdeburg Landrabbiner in Studtlengsfe ld.
Die „Israelitische SchulzeitangE erscheint als pädagogische Beilage zur „Israelitischen Wochenschrift" vorläufig in monatlichen
Zwischenräumen und fürjdie Abonnenten der »Wochenschrift" gratis. — Man kann auf dieselbe auch desonders abonniren, aber nur direct bei
der „Exped. der Jsr. Wochenschrift" in Magdeburg, oder bei Herrn Robert Friese in Leipzig. Das Abonnement beträgt pro Quartal 40 Pf.
Inserate, die gespaltene Zeile 20 Pf., für jüd. Cultusbeamte 10 Pf. — Einzelne Nummern versendet de Expedition a 10 Pfg. franco.
Protokoll
der am 29. Mai 1882 in der Aula des Schulgebäudes der
SynagogengemeiudeH i l d e s h e i.m stattgefundenenVerfamm-
lung des Vereins jüdischer Lehrerin der Provinz Hannover.
Anwesende Ehrenmitglieder:
1. Herr Landrabbiner Dr. Guttman n-Hildesheim; 2.
Herr Di-. Sopha r-Celle; 3. Herr Seminardirekter Dr.
Prag er-Hannover.
Anwesende Mitg lie der:
1. Lehrer Schlesinger-Göttingen. 2. Lehrer Fau¬
erbach-Hildesheim. 3. Lehrer C o h n-Bovenden. 4. Lehrer
Cohn-Sarstedt. 5. Lehrer Eckmann-Nienburg. 6. Leh¬
rer Selig-Gleidingen. 7. Lehrer Vogeler-Daunenberg.
8. Lehrer Löwen st ein-Celle. 9. Lehrer Kauf mann-
Einbeck. 10. Lehrer Katz-Münden. 11. Lehrer PH ili pp-
Lüneburg. 12. Lehrer Fuchs-Braunschweig. 13. Lehrer
Vogelsdorff-Dransseld. 14. Oberlehrer Baßfreund-
Hannover. 15. Lehrer Spanier-Stolzenau. 16. Lehrer
H o r w i tz - Wunstorf. 17. Lehrer Löwenstein-Neustadt
a/Rbg. 18. Lehrer Rosen bäum-Hameln. 19. Lehrer
Weinberg-Bodenfelde. 20. Lehrer W i e s e n - Osterode. 21.
Lehrer Blumenfeld-Adelebsen. 22. Lehrer Stern-
Hildesheim.
Außerdem waren anwesend mehrere Mitglieder des Vor-
ftandes und des engeren Ausschusses der Synagogenge'
meinde Hildesheim.
Der zeitige Vorsitzende, Lehrer Schlesinger- Göttin¬
gen, eröffnete Morgens 10 Uhr die Versammlung mit herz¬
lichen Begrüßungsworten und gedachte zunächst des leider so
früh und unerwartet erfolgten Heimgangs des Vorsitzenden
im Vorstande des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, Jacob
Nach o d aus Leipzig, der sich um das jüdische Gemeinde- und
Schulwesen hervorragende Verdienste erworben und welcher
für den jüdischen Lehrerstand stets das wärmste Interesse be¬
kundet habe. — Die Versammlung ehrte dessen Andenken
durch Erheben von den Sitzen. —
Hierauf bewillkommnete Herr Landrabbiner Dr. Gütt¬
in a n n in seinem Namen und in dem der Gemeinde Hildes¬
heim die Versammlung mit herzlichen Worten, versichernd,
daß er den früheren Verhandlungen des Vereins stets mit
dem regsten Interesse gefolgt und die fernere Hebung und
Belebuug desselben nach Kräften zu fördern gern bereit sei.
— Nachdem sodann die bisherigen Vorsitzenden, Schlesinger-
Göttingen und Fauerbach-Hildesheim, per Acclamation wie¬
dergewählt und Blumenfeld-Adelebsen und Stern-Hildesheim
zu Schriftführern ernannt worden waren, wurde in die Ta¬
gesordnung eingetreten. — Dieser gemäß hielt Herr Ober¬
lehrer Baßfreund-Hannover einen Vortrag über das Thema:
„Der Pentateuchunterricht und die hebräische Grammatik in
der Religionsschule." — Der längere Vortrag des Referen¬
ten gipfelte darin, daß beim Unterricht im Uebersetzen des
Pentateuchs nicht wie bei der Erlernung einer anderen frem¬
den Sprache mit Nutzen verfahren werden könne, indem bei
der knappen Zeit, welche für diesen Gegenstand in der Reli¬
gionsschule zu Gebote steht, auf diesem Wege das erwünschte
Resultat nicht zu erreichen sei. Vielmehr glaubt er, daß
dies leichter und eher geschehe bei der bislang üblichen Me¬
thode des Vor- und Nachsagens der Uebersetzung neben dem
Gebrauche eines guten Vokabulariums, und daß bei diesem
Verfahren die Anwendung der Grammatik nur in ganz be¬
schränktem Maße nöthig sei. —
Der Vortrag gab Veranlassung zu einer sehr lebhaften
und eingeheuden Debatte, an der sich namentlichjjdie Herren
Dr. Guttmann, Dr. Prager und Lehrer Fauerbach betheilig¬
ten. — Dr. Guttmann dankte dem Referenten, daß er ihm
durch seinen Vortrag Gelegenheit gegeben, auf den wichtigen
Gegenstand, über den bereits wiederholt in den Conferenzen
verhandelt worden sei, nochmals zurückkommen zu können.
Redner sprach sich in längerer auf praktische Erfahrung sich
gründender Auseinandersetzung dahin aus, daß in der Religi¬
onsschule bei zwei wöchentlichen Unterrichtsstunden im Pen¬
tateuch von einer wissenschaftlich-methodischen Behandlung
keine Rede sein könne. Die Methode, wie sie gegenwärtig
bestehe, habe sich aus den gegebenen Verhältnissen herausge¬
bildet und werde daher, so lange diese dieselben bleiben, im
wesentlichen nicht zu verändern sein. Man dürfe allerdings
in der Sache nicht stehen bleiben, müsse vielmehr unaufhalt¬
sam dahin streben, den hebräischen Unterricht zu heben und
die Methodik darin weiter auszubilden, um in der kurzen
Zeit so viel wie möglich leisten zu können. Man dürfe
ferner nicht vergessen, daß der Pentateuchunterricht kein
S p r a chunterricht, sondern Religionsunterricht sein und
bleiben müsse, uud daher sei die hebr. Grammatik, die niemals
bei dem Kinde so fest sitze, daß sie bei dem Uebersetzen in
vollem Maße zur Anwendung komme, nur insoweit zu lehren,
als sie als Hilfsmittel nothwendig sei. Ihm komme es
in erster Reihe darauf an, das Kind so früh und so rasch
als möglich in den Geist des Pentateuchs resp. der Bibel
einzuführen. —
Herr Dr. Prager schließt sich im allgemeinen den Aus¬
führungen des Herrn Dr. Guttmann an und hebt noch be¬
sonders hervor, daß nicht das Uebersetzen, sondern das Ver-
ständniß des Inhalts Hauptsache und Zweck sei. Jede
Methode sei berechtigt, die zu diesem Ziele führe. Die ver¬
schiedenen Methoden seien ganz gut zu vereinigen; ein wenig
Vocabeln, ein wenig Grammatik und auch ein wenig Mecha-