Seite
sehr einfache und leichte Sache, die sich in einigen Monaten,
ja Wochen, erzielen läßt. Fertiges Lesen ist nur durch
fortgesetzte Hebung zu erzielen, wobei die Mithülfe des
Elternhauses*) als Bedingung vorausgesetzt werden muß."
Um 7 l l 2 Uhr Abends wurden die Verhandlungen des
ersten Tages geschlossen und der Synagogen-Vorstand lud
die Tbeilnehmer der Conferenz zu einer gemüthlichen Zu¬
sammenkunft auf 8'/ a Uhr im Kühne'schen Garten ein. Bei
einem Glase prächtiger Bowle wurde viel getoastet. Mehrere
der Herren Vertreter der Dortmunder Gemeinde hatten ihre
Damen mitgebracht, durch deren Gegenwart die Gemüth-
lichkeit sehr erhöht wurde. Erst spät trennte sich die Ge¬
sellschaft in heiterster Stimmung.
Da der Vorsitzende Blumenau abzureisen genöthigt war,
so übernahm für den zweiten Conserenztag der zweite Vor¬
sitzende, Herr Vlumenfeld, den Vorsitz. Die Verhand¬
lungen begannen um 9 Uhr. Vor der Tagesordnung machte
Herr Seminarlehrer Treu auf die von ihm herausgegebene,
einem wirklich gefühlten Bedürfnisse abhelsende „Liederlust
für israelitische Elementarschulen" aufmerksam und vertheilte
eine Anzahl Exemplare, die der Verleger den Conferenzbesu-
chern gratis zur Verfügung gestellt hatte.
Herr Levy-Neuß hielt nun seinen Vortrag über das
Thema: „Nach welchen Principien ist bei der Auswahl eines
Buches für den biblischen Geschichtsunterricht zu verfahren
und welche Bücher entsprechen diesen Prinzipien?" — Um
den guten Eindruck, welcher die wohldurchdachte Arbeit auf
alle Anwesenden gemacht hatte, nicht zu verwischen, wurde
beschlossen, keine Discuffion daran zu knüpfen; vielmehr wur¬
den folgende vom Referenten aufgestellte Thesen eu bloc
angenommen:
1) Der Unterricht in der biblischen Geschichte ist der
wichtigste Religionsunterricht.
2) Das Buch enthalte nur diejenigen Erzählungen, die
des geschichtlichen Zusammenhangs wegen oder durch ihren
erziehlichen Inhalt von Bedeutung sind.
3) Die Erzählungsweise sei eine kurze, zusammenfassende,
leicht verständliche, nur da wörtlich nach tum Urtexte, wo
ein wörtliches Auswendiglernen verlangt werden muß.
4) Dem Geiste nach hat sich das Lehrbuch strengstens
nach dem Urtexte zu richten, ohne aus irgend eine religiöse
Richtung im Judenthum Rücksicht zu nehmen.
5) Lehren und Nutzanwendungen sind den Erzählungen
nicht beizudrucken; ein entsprechender Vers aus der heil.
Schrift kann beigesügt werden und zwar am Ende der Er¬
zählung.
Der Vorstand der Syuagogengemeinde Dortmund hat
sich erboten, den Vortrag drucken zu lassen; er wird demnächst
in Brochürenform erscheinen.
Für die nächstjährige Conferenz wurden außer der Re¬
vision der Statuten der' Unterstützungskasse noch folgende
Themata festgesetzt:
1) Die Freunde und Feinde der jüdischen Schule. Re¬
ferent: Oppenheimer-Mühlheim a. d. Ruhr.
2) Der Pessimismus und die Erziehung. Referent: Ost-
wald-Witten.
In den nun folgenden „freien Besprechungen" legt Herr
Ostwald-Witten den Collegen warm an's Herz, mehr noch
als bisher für die Unterstützung der in Rußland verfolgten
Glaubensgenossen zu wirken. Herr Seminarlehrer Treu
macht aus die „israelitische Lehrerzeitung" aufmerksam. Herr
L ö b -Cöln bringt die Lesebuchfrage zur Sprache und es wurde
eine Commission gewählt, bestehend aus dem Seminardirektor
Herrn i>r. Steinberg und den Seminarlehrern Herren Treu
und Feinstein in Münster, die der Conferenz im nächsten
Jahre ihre Ansicht darüber mittheilen soll, welches von den
vorhandenen Lesebüchern für jüdische Schulen sie als das
*> Diese Forderung der Schule an das Haus kann nicht eins
dringlich und oft genug mt-fterhoH werden iRed )
Beste empfehlen kann. Hieraus wurde zur Sprache gebracht
daß Herr vr. Philippson in Bonn in einer der jüngsten
Nummern der „Allgem. Zeit, des Judenthums" bei Bespre¬
chung des vom Collegen Wolfs in Rostock herausgegebenen
Buches „der jüdische Lehrer, sein Wirken und Leben" den
jüdischen Lehrern eine ungenügende Vorbildung und mangel¬
hafte Charakterbildung zum Vorwurf gemacht hat. Die Con¬
ferenz spricht ihr tiefstes Bedauern darüber aus, daß
Herr I)r. Philippson dem ganzen jüdischen Lehrerftande
diesen Vorwurf in's Gesicht geschleudert hat.
Um 12*/, Uhr schließt Herr Blumenfeld die Conferenz
mit herzlichen Dankesworten an die Mitglieder des Vorstan¬
des, des Schulvorstandes und der Repräsentation 'und der
Gemeinde überhaupt für die überaus große Gastfreundschaft,
die die Conferenzbesncher in Dortmund genossen haben, sowie
für das rege Interesse, mit welchen viele derselben den Ver¬
handlungen unausgesetzt beigewohnt haben.
„Auf frohes Wiedersehn in Essen!"
Der Schriftführer:
Joseph Gossel -Camen.
Schulnachrichten.
Frankfurt a/M. Nach dem Bericht über die isr. Reli¬
gionsschule betrug die Gesammtzahl der Schüler und Schü¬
lerinnen 220, die in 4 Knaben und 4 Mädchenklassen von
6 Lehrern und 2 Lehrerinnen unterrichtet wurden. (Die dem
Berichte separat beigegebene Schrift des die Religionsschule
leitenden Herrn Rabbiner fr. Horovitz: Frankfurter Rabbi¬
ner (1200—1614) ist im „Literaturblatt" bereits eingehend
besprochen.)
Erwähnen wollen wir hier noch den 5. Bericht des
Mädchenstiftes pro 1881, wonach dasselbe 24 Zöglinge zählt.
Das Stift hat nach § 1 der Statuten den Zweck, 'herange¬
wachsenen nur einer geeigneten Häuslichkeit entbehrenden Mäd¬
chen, welche sich einem mehr als Elementarbildung erforder¬
lichen Berufe widmen, den Schutz eines geordneten Haus¬
wesens zu gewähren und event. die Gelegenheit zur Fortbil¬
dung zu verschaffen.
Aufnahme in die Vereinsanftalt können nach § 4 nur
solche Mädchen finden, bei welchen die Voraussetzungen des
§ 1 zutreffen und welche außerdem gut beleumundet und
nicht unter 15 Jahren alt sind. Mädchen, welche das 24.
Jahr vollendet haben, sind in der Regel von der Aufnahme
und dem Verbleiben in der Anstalt ausgeschlossen.
Elternlose Waisen und nach diesen solche, welche den
Vater oder die Mutter verloren haben, sowie Töchter hiesiger
Eltern, sind bei der Aufnahme bevorzugt.
London. Die Fleischule isr. Handwerkslehrlinge in West»
minfter hat eine interessante Ausstellung von Schülerarbeiten
mit einer Preisvertheilung veranstaliet. Es ist die erste ihrer
Art in England und beweist, wie die Juden zum Handwerk
durchaus nicht ungeschickt sino.
Aus dem Spruchschatz des Talmud.
Poetisch übertragen von Max W e i n b e r g.
(Fortsetzung von Nr. 5 und 6.)
29. Vom Felde, das zu früh geschnitten,
• Hat auch das Stroh an Werth gelitten.
30. Er stieg hinab ins tiefe Meer
Und brachte als Beute — einen Scherben her.
Jüdisch deutsche Vorschriften
systemaliich geordnet,
Zum rasche» Erlernen des jüdischen Schreibens.
IO hefte ä 28 Vorschriften für 1 Mark (1 > eft l3 Pfennig- versendet
franco die Expedition der „Israelitischen Wochenschrift."_
Verantwortlicher Retzactenr Dr. Stal) me r m Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barvy. Verlag von Moberl Friese in