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Hebung der praktisch-religiösen Hebungen sei nicht erforderlich.
Mit demselben Rechte könne man eine nochmalige Betonung
der sittlichen Gesinnungen verlangen. Der von der Com-
nüssion gewählte Allsdruck: „Die Kenntnis; des Lehrinhalts
der jüdischen „Religion" wolle eben beides umfassen. Die
Erwähnung des häuslichen neben dem öffentlichen Gottes¬
dienst finde er mir Platze. Doch werde der Zweck vielleicht
noch gründlicher durch die Streichung des Wortes „öffent¬
lichen" erreicht. Rach längerer Debatte lehnte die Versamm-
lilng den ersten Antrag Cohn- Kattolvitz ab und nahm den
zweiten lnit überwiegender Majorität an. — Bei der Auf¬
zählung der einzelnen Lehrgegenstände der Religionsschnle
beantragt Di*. Cohn- Kattowitz statt „Lesen und Schreiben"
zu setzen: Lesen, Ritualien (Segenssprüche) und Schreiben"
und motivirt dies damit, daß das erste Lesematerial der
Jugend jene bekannten kurzen Segenssprüche sein müssen, die
sich schon auf der untersten Stufe dein Kinde unvergeßlich
einprügen inüffeu. Ferner wünscht er, daß am Ende des
Schema's hinzugesügt werde: „Einführung in das Verständ-
niß der religionsgesetzlichen Literatur." (Den: entsprechend
würde am Schluß des speciellen Theils eine Anleitung
für einen derartigen Unterricht hinzuzufügeir sein.) Res. ist
der Meinung, daß der letztere Antrag in den Normal-Plan
nicht hineingehöre. Er stelle eben Anforderungen, die nicht
überall, sondern nur hie und da unter besonders günstigen
Unlständen verlangt und erfüllt werden können. Der erste
Antrag specialisire innerhalb des Rahmens der Lehrgegen¬
stände den Leseunterricht bereits derartig, daß er dem spe¬
ciellen Theile des Planes vorgreife. In den letzteren habe
jedoch das Memoriren von Segenssprüchen u. s. w. Aufnahme
gefunden. Beide Anträge blieben bei der Abstimmung in
der Minorität. Bei Punkt 6 lautet der Vorschlag der Com¬
mission: „Es empfiehlt sich, daß für den Unterricht in der
hebräischen Grammatik vom vierten Jahrescursus aufwärts
besondere Lehrstunden nicht mehr angesetzt werden, sondern
daß er im Anschluß an die Lectüre ertheilt wird. Hierzu
beantragt Dr. Cohn-Kattowitz die Worte „vom vierten
Jahrescursus" aufwärts" und „mehr" zu streichen. . Es
müsse, meint der Antragsteller, möglichst viel von der geringen
Zeit, die dem hebräischen Sprachunterricht zu Gebote steht,
auf die Lectüre der hl. Schrift und auf das Uebersetzen der
Gebete verwendet werden, i >r. Samuelsohn - Breslau
und Dr. Mattersdorf-Gleiwitz sind der Meinung, daß
wenigstens in einen; Jahrescursus eine besondere Gramma¬
tikstunde zur festen Einprägnng der Grundformen angesetzt
werden müsse. Der Antrag C o h n - Kattowitz wurde schlie߬
lich angenommen. — Wegen der bedeutend vorgerückten Zeit
beantragte L. Neustadt-Breslau die Berathung des speci¬
ellen Theils des Normalplanes bis zur nächsten Generalver¬
sammlung zu vertagen, auch den Vortrag des Collegen
Schindler-Bernstadt „über die Stellung der Lehrer in
kleinen Gemeinden und die Mittel zur Abhülfe mancher
Mängel" auf die Tagesordnung der nächsten Generalver¬
sammlung zu setzen. Da die Debatte über den allgemeinen
Theil bis dahin erledigt war, wurde der letztgenannte Antrag
mit großer Majorität angenommen. Dr. Honigman n-
Breslau (als Delegirter des deutsch-israelitischen Gemeinde¬
bundes) dankt im Namen desselben für die Einladung zur
Generalversammlung. Der Gemeindebund interessire sich
lebhaft, wie überhaupt für die Stellung der Gemeinde-Be¬
amten, so insbesondere für die der Lehrer. Er habe seine Theil-
nahme für die Lehrer Schlesiens und Posens deutlich an den
Tag gelegt, dadurch, daß er nicht nur bei der Constituirung
dieses Vereins und der mit demselben in Verbindung stehen¬
den Unterstützungskasse den Männern, die ihn ins Leben ge¬
rufen, mit Rath und That beigestanden, sondern auch ihn
stets nach Kräften materiell unterstützt habe. Mit gleicher
liebevoller Gesinnung verfolge der Bund die geistigen Bestre¬
bungen innerhalb des jüdischen Lehrerstandes und nehme mit
Freuden wahr, daß die geistige Regsamkeit auf dem Gebiete
der jüdischen Pädagogik für die gedeihliche Entwickelung der
religiösen Erziehung unserer Jugend die beste Wirkung er¬
hoffen lasse. In warmen Worten gedenkt Redner der her¬
vorragenden Thätigkeit des jüngst verstorbenen Vorsitzenden
des Ausschusses des Bundes, Jacob Nachod, der seine beste
Zeit und Kraft in uneigennützigster Weise den Interessen des
Bundes zur Verfügung gestellt hat. Im Anschluß an die
beredte Schilderung des Dr. Honigmann feierte auch der Vor¬
sitzende des Vereins das Andenken des theuren Todten und
gedachte der segensreichen Wirksamkeit, die der Verklärte
jederzeit auch zu Gunsten unserer Bestrebungen entfaltet hat. Auf
seinen Vorschlag erhebt sich die Versammlung zu Ehren des
Dahingeschiedenen von den Sitzen. — Dr. Badt - Breslau
erinnert daran, daß einer der Mitbegründer des Vereins und
sein bisheriges Vorstandsmitglied Di-. Cohn- Oels in kurzer
Zeit unsere Provinz verlassen werde. Er gedenkt der auf¬
opfernden Thätigkeit des verehrten Herrn Collegen in allen
Entwickelungsstadien des Lehrervereins und der Unterstützungs¬
kasse und ersucht die Generalversammlung, demselben ihren
Dank durch Erheben von den Sitzen auszusprechen. Dies
geschieht. — I>. Brann - Breslau beantragt, eine Commission
von 7 Mitgliedern zu erwählen und dieselbe zu beauftragen,
einen Special-Lehrplan für die Schule mit einer Lehrkraft
nach den im Normalplan gegebenen Grundzügen bis zur
nächster; Generalversamn;lung auszuarbeiten. Der Antrag
wird angenommen. In die Commission werden gewählt:
Cohn-Landeshut, Steiner-Gr.-Strehlitz, Dr. Koref-Ra-
witsch, Dr. Samuelsohn und Di-. Brann-Breslau. Den
Theilnehmern an der General-Versammlung konnte ein Theil
der Reisekosten durch die Munificenz des deutsch-isr.-Gemeinde-
Bundes erstattet werden. Die nächste ordentliche Generalver¬
sammlung soll in den Pfingstferien des Jahres 1883 wie¬
derum in Breslau stattfinden.
Entwurf eines Normal-Lehrplans
für die Religions-Schule.
(Schluß.)
S c ch st e r I a h r e s c u r s u s.
a.) Biblische und n a ch b i b l i s ch e Geschichte, zwei
Stunden.
Wiederholung. Erbauung des 2. Tempels. Die Prophe¬
ten Haggai und Sacharja. Josua und Serubabel. Esra und
Nehemia. Der Prophet Maleachi. Die Perserherrschaft. Thä¬
tigkeit der großen Versammlnng. Alexander der Große. Die
Aegppterherschaft: Septuaginta. Die Sprerherrschaft: Antio-
chus Epiphanes. Die Märtyrer, die Freiheitskämpfer, das
Chanukkafest. Die Mkkabäer: Johann Hyrkan. Die Phari¬
säer, Sadducäer und Essäer. Hyrkan I I und Herodes. Hillel
und Schammai. Die römischen Landfleger: Pontius Pila¬
tus und Gessius Florus. Krieg des Vespasian und Titus.
Zerstörung des Tempels. Rabbi Jochanan ben Sakkai. Krieg
des Bar-Kochba. R. Akiba (die 10 Märtyrer). R. Möir.
R. Jehuda Ha-Nassi. Die Mischna. Rab und Samuel in
Babylon. R. Jochanan und Hillel II. in Palästina. Der
jerusalemische und babylonische Talmud. Targum. Mi¬
drasch. Massora. Sittensprüche und Gleichnisse aus Tal¬
mud und Midrasch als Proben.
d. Hebräisch, vier Stunden.
1. Grammatik (S. oben A 6.) Wiederholung des
Hauptwortes und Zeitwortes. Verba und r\"h.
2. Uebersetzen der Gebete. Wiederholung von i2iv na
bis T"in nasB', Die man yiDB für Wochentage und den
Sabbath.
Memorirstoff Psalm 19. 24. 29. 91—93. 150. Das
Lied am Schilfmeer.
3. Bibel II l. B. M. c. 1. 2. 9. JO. 11. 16. 17. 19. 23.
25 bis zu Ende. I V. B. M. ganz. Josua c. 1—11. 22—24.
Das Buch Esther ganz.
Siebenter Jahrescursus.
a. Religion, eine Stunde.
Einleitung. Eintheilung, Quellen der Religion. Quel¬
len der religiösen Erkenntniß des Judenthums, a. schrift-