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r - . ^ ^itfotion und tiefes
m l cv oU'unde und Verehrer ^-iselsten, auch in weiter
-oerauern erregt und lviich<<zu erwecken. Denn Ehrmann
rrttne die innigste ThpMst Miuf als vielseitiger und prvdnc-
r . C! ! tni ««SftflT hatte sich als Berussmnnn sowohl in
tri?' .ÄMeir als Seelsorger, wie später als Lehrer durch
I-^oHnnZsvolle Pflichttreue jederzeit ausgezeichnet, wie ihn
oenn auch der Tod inmitten der Ausführung feine«« Berufes
— er war aus dem Wege zur Schule vorn Schlage gerührt
worden — ein jähes Ende bereitete. Ehrmann ward 1817
in Muttersdorf im nordwestlichen Böhmen als Sohn des
dortigen Rabbiners geboren, bei dem er seine nächste Vor¬
bildung für den theologischen Berrrs, dcur er sich aus innerer
Neigung gewidmet, erhielt. In Prag widmete er sich dann
den elassischen, wie den jüdisch-wissenschaftlichen Studien,
die dort in den 30er und 4Oer Jahren geblüht, mit aller
Begeisterung und erhielt bald rrach seiner Ordination eine
Anstellung in der kleinen Gemeinde Kuttenplein, von wo "er
als Rabbiner nach Hohenems (Vorarlberg» berufen wurde,
das er später mit?B.-Leipa vertauschte. Mitte der 00er
Jahre übersiedelte er nach Prag, wo er sich der Herausgabe
einer Wochenschrift „Das Abendland" für allgemeine jü¬
dische und literarische Interessen widmete, bis er im Jahre
1807 hierher als Religionslehrer an den Mittelschulen be¬
rufen wurde. Hier gab er sich den anstrengenden Pflichten
seines- Lehrberufes mit aller Aufopferung hin und setzte
gleichzeitig seine literarischen Bestrebungen ununterbrochen
fort, die sich auch vermöge der Tiefe seines Gemüthes und
poetischen Veranlagung aus das schöngeistige Gebiet er¬
streckten.
Ten 17. November- Nachmittags fand das Leichen¬
begängnis des plötzlich Verstorbenen unter einer anherordent¬
lichen Betheilignng statt. Die Professoren und Schüler der
Mittelschulen, an welchen er thätig war, gingen dem Zuge
vorari. Der Sarg war vort vielen prachtvollen Kränzen mit
Erinncrungsbändern überdeckt.. Nebst den Trauernden sahen
wir in dem außerordentlich langen Zuge die Herren Ober-
landesgerichtSMth Wo l f, Gemeindeausschnßinitglied R o hr e r,
den evang. Plärrer Do. T r a n t e n b e rg e r, mehrere kath.
Geistliche rrnd sonstige Notabilitären. Rabbiner vr. Plaezek
hielt dem Verblichenen einen ergreisendeil Nachruf nnb ent¬
warf, indem er an den letzten Vortrag, den Ehr mann zwei
Tage vor seinem Tode über den Propheten Elia gehalten
(„Und Elia gürtere seine Lenden und ging von dannen.")
ein wahrheitsgetreues Lebensbild des Verewigten, dessen her¬
vorstechendste Charaeterzüge, Wohlwollen und Scelengüte,
Liebe zur Wissenschaft und Sinn für das Ideale, dessen
Berusstreue eine so hohe gewesen ist, daß ihn der Tod
mitten in seiner Berufsübung überraschte. Die Rede übte
ans die zahlreichen Anwesenden eine ergreifende Wirkung.
Mit E h r m a n n's Stellvertretung wurde Dr. Gotthard
Deut s ch, Religionslchrer der Gemeinde, betraut.
Feuilleton.
Und bcu A' 0 lM)cmt hör' ich sprechen,
Mächtig tönt es durch die Reihen:
„Ruf! Laßt uns die Ketten brechen
„lind da«? Vaterland befreien!
„Sollen denn der Syrer Horden
„Länger nnier Land verderben?
„Säuglinge und Greife morden?
„liegen lagt »ns oder — sterben t
„Soll der Väter heil'gen Glauben,
„Unsres Volke«:« höchste Güter,
„Fürder der Tyrann nn«: rauben .-'
„Auf, zum Kampfe, tapfre Brüder!
„Zollen heidnische Altäre
„Schänden unsres Tempels Hallen?
„Nein! 8» unsres Gottes Ehre
„Laßt uns siegen — oder fallen!"
Und e«: hebt sich jede Rechte,
Jubelnd wiederhallt's im Heere:
„Füht' m't«:«, Inda, zum Gefechte!
„Sieg und Tod, für Gotte«: Ehre!"
lind wie Blihstrahl von den Bergen
Sturzen sie sich löwenmnthig
Aus de«? Antiochns Schergen,
Und da«: Blachfeld färbt sich blutig.
Und vor ihren wncht'gen Streichen
Weicht die Söldnerschaar der «Syrer:
Hunderte von Feinde«:leichen
Birgt die Wahlstatt, auch den Fütsp'er.
Siegeoboten tragen Knude
Durch da«: Land in schnellem Lause,
Und e«: wächst von Stund' zu Stunde,
Inda'«: kleiner Heldenhanse.
Und er fiihrt sie mnthig iveiter,
Führet sie zu neuen Siegen,'
Und dem Grimm der Gotte«:streiter
Muß der stolze Feind erliegen.
Jubetrns hör' -ich erklüigey, -
Pank' und Harr nnd^Eymbel schallen
Und Leviteuchöre- singen'
In" des heil'gen TeiNpels Halle».
Denn Jerusalem,' 'die hehre
Gottesstadt,. hat kühn befreiet
Juda, und zu Gotte«? Ebre
Auch den Tempel neu geweihet.
Bald von' schnödem Oiötienwesen
Ward da«: .Heiiigthnm gereinigt,
Und das Gvtte«:wort verlesen,
Da«:« auf's, mm' die Briider einigt.
■ Freudeniener auf den Höheir
K-ünden'«: schnell durch alle Gauen:
„Heil und Rettung lief; erstehen
„Unser Gott, dent wir vertrauen.
„Durch die Nacht führt', er zum Lichte
„J«srael, da«:« ihn verehret:
„Feinde«:« Tiicke wckTd zu nichte,
„Seinem Uebermnth gewähret".
l'lianukali.
Chanukah, o sei willkommen!
Hoher Ahnen Ruhmeszeuge!
Helden sang werd' heut vernommen,
Und die Trauerharfe schweige.
‘ Aus des Geistes schnellen Flügeln
lieber Berge, über Meere
Führst Du uns zu Modin's Hügeln,
In de«:« Makkabäers Heere.
Und'Du zeigest unsren Blicken,
Wie die hohen Kraftgestalteu
Schwerter schlimmen, Dolche zücken,
Da ihr Banner Hie entfalten.
Heil Euch tapfren Hekdenbrüdern,
Matisjatm'«: edlen Söhnen!
Ruhmvoll wird in unseren Liedern
Euer Name stets ertönen.
Daß er Kraft und Muth verleihe.
Glaub' und Hoffnung unsrem Herzen, .
Wenn am Fest der Tempelweihe
Zünden nur die kleinen Kerzen.
Chanukah! o sei willkommen!
Hoher Ahnen Rnhmeszeuge!
Lob- und Danklied werd' vernomureu^J
Und die Trauerharse schweige. —
» &
A. P1juft — Detmold.
Pcrantwvrtlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Berlag von Robert Friese, Leipzig.