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Rabbiner vr. W. Aahmer in Magdeburg.
-o§go-~-
Magdeburg, 2. Juni.
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Inhalt:
Leitende Artikel r Die Palästinafrage — eine Unterrichtsfrage.
Berichte und Correspoudenze« rDeutschland: Magdeburg. Mag»
deburg. Berlin. Dresden. Aus der Rhcinpfalz. Aus Württemberg.
Oesterreich: Krakau. Aus Galizien.
Rußland: St. Petersburg. Odessa. Odessa. Riga. Plozk.
vermischte und neueste Nachrichten r Berlin. Berlin. Berlin.
Erfurt. Oppeln. Würzburg. Wien. Ungarn. Paris. Paris.
Lissabon. Wilna. Rumänien. VaSlui. Oran. Marocco. Jeru¬
salem.' Washington.
KeuMetou r Chajim Prostak.
Inserate.
Wochen-
Juui
Siwan
Kalender.
1880.
5640.
Mittwoch . . .
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Donnerstag . .
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Freitag ....
Sonnabend . .
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ib n^tpP«r.3. (9U.10W.)
Ntumondverkündigung.
Sonntag....
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Montag ....
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Dienstag . . .
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Die Palästinafrage — eine Unterrichtsfrage. J
Es ist gerade ein Jahr — es war in Nr. 23 des vor.
Jahrg.'s — da besprachen wir in einem Leitartikel den „g e i«
stigen Rothstand" unserer Glaubensbrüder in Palästina; wir
wiesen darin besonders auf die hochgradige Verwahrlosung der
Jugend durch den dort herrschenden Mangel an Erzie-
hungs- und Un terrichtsanstalten hin, dem nicht durch
gedankenloses Geldspenden in den bodenlosen Topf der
Chaluka, sondern nur durch zielbewußte Beiträge zur Ein¬
führung eines geordneten Erziehungs- und Unterrichts -
wesens abzuhelfen sei. Der Artikel hatte, wie vorauszusehen
war, eine erbitterte Replik aus Jerusalem in Form eines
unter der Aegide der dortigen Oberrabbinen verfaßten heftigen
offenen Sendschreibens hervorgerufen, worauf wir hier nicht
weiter zurückkommen wollen. *) Wir haben heute die Genug-
thuung, zwei Schriftstücke zu veröffentlichen, die jenem Grund¬
übel, an welchem die traurigen Palästina-Verhältniffe laboriren,
in wirksamster Weise Abhilfe verschaffen wollen. Es ist das
Central-Comits der Alliance Jsraelite Universelle
einerseits und der „Verein zur Erziehung jüd. Waisen
in Palästina" andererseits, die die Heilung jenes Uebels
in die Hand genommen und (wohl mit vereinten Kräften) an
die Lösung der jüd. Unterrichtsfrage in Palästina gehen wollen-
Möge der Erfolg beider Bestrebungen ein reich gesegneter sein.
Zahlen wir durch zahlreiche Spenden für diesen heil. Zweck an
Palästina einen Theil unserer großen Dankesschuld ab: „denn
von Zijon ging aus die Thora, das Wort Gottes
von Jerusalem!"
*) Die iochorthodoxen hebr. und deutsch geschriebenen jüd. Journale
hatten sich beeilt, jenes mit Schmähungen uns überhäufende Schreiben
im Original und in Uebersetzung mitzutheilen; wir haben in Nr. 38
vor. Jahrg. dies. Bl. replizirt.
I.
* Aufruf für die Crämieux-Stiftung!
Das CentrabComit6 der Alliance Jsraelite Universelle
hat beschloffen, zur Gründung einer Stiftung, welche das An¬
denken ihres Präsidenten Adolphe Cr6,nieux verewigen soll,
eine Subscription zu veranstalten. Ueber die nähere Bestim¬
mung dieser Stiftung erwartete es Anträge von den Subscri,
benten selbst; dieselben sind denn auch von verschiedenen Seiten
eingegangen: Man wünscht allgemein, daß die Cremieux-Stiftung
zur Gründung von Primär- und Handwerksschulen
in Palästina dienen soll. Das Central-Eomit6 hat diesen
Gedanken mit Freudigkeit ausgenommen; es würde keine
Schöpfung bester als diese das Andenken des Mannes ehren,
der im I. 1840 in Aegypten israelitische Schulen stiftete und
noch in seinem Testamente an die Erziehung der Israeliten
im Orient dachte, keine Schöpfung entspräche genauer dem
Gedanken von Adolphe Crsmieux.
Brauchen wir erst die Wichtigkeit und Nothwendigkeit der
Primär- oder Handwerksschulen in Palästina zu beweisen? Die
Roth der Israeliten daselbst ist schrecklich, und es ist für uns
Alle ein tiefer Schmerz, zu sehen, wie dieselben in dem Lande
leben, welches die Wiege des Judenthums gewesen und an das
sich für uns so große Erinnerungen knüpfen.
^Wer erkennt heutzutage nicht an, daß die Israeliten von
Palästina nur durch denSchulunterricht und durch
dar Erlernen von Handwerk und Ackerbau aus
ihrem Elend herauskommen können? In den Primärschulen,
die wir in Jerusalem, Safed, Liberias, Hebron, Jaffa, Caiffa
gründen wollen, sollen die Kinder außer dem üblichen Reli¬
gionsunterricht die in der modernen Gesellschaft unerläßlichen
Sprach- und elemertaren wissenschaftlichen Kenntniffe erhalten;
die Handwerks» und Ackerbauschulen sollen ste sodann vorbe*