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Männern in demselben Zimmer. In vielen Werkstätten befindet sich der Abort
in demselben Räume.
„Die Frauen sitzen nicEt weit davon in einer Ecke an einem riesigen
Ofen, um die Plätteisen zu erhitzen. Hier herrscht die grösste Hitze im ganzen
Zimmer. Der Anstand ist diesen Leuten ganz verloren gegangen, und kann man
sieh denken, was die Folge solcher schmutzigen Verhältnisse ist.
Soloweitschik hat in der Ohl Montague-Strasse einen Keller gesehen, in
dem die Männer bis 2 Uhr morgens arbeiteten und in dem die Frau mit ihren
drei Kindern schlief. Es herrschte eine stickige Luft in dem engen Räume, und
die Arbeiter, die auf dem Schneidertisch sassen, konnten kaum die Augen auf¬
halten ... In den grossen Geschäften arbeiten die Männer 12 Stunden täglich,
in den kleineren Werkstätten existiert eine Grenze für die Arbetszeit nicht. Es
gibt Arbeitszeiten von 18—20 Stunden. Der officielle Bericht sagt aus, da»ss
in einzelnen Fällen die Arbeiter 40 Stunden ohne jegliche Ruhepause thätig
waren. Der Bischof von Bedford, R. G. Billing besuchte Arbeiter, die er um
2 Uhr morgens hei der Arbeit fand, und er fand sie noch bei derselben Arbeit im
selben Zimmer um sieben Uhr früh am nächsten Tage.
Nun kommt noch hinzu a dass auf diese aufreibende und zerrüttende
Thätigkeit oft lange Periode» ohne irgendwelche Beschäftigung folgen.
Einmal ununterbrochene Thätigkeit, dann wieder gar keine Beschäftigung
und kein Brot . . . Kommen wir nun auf die Löhne zu sprechen. Nach dem
Berichte John Burnetts kann ein Schneider täglich 2,5—4 Shilling (Mark) ver¬
dienen. Eine Frau kann sogar sechs Sh. erwerben. Aber die Durchschnittslöhne
sind viel niedriger und es kommt vor, dass sie nur 12 Sh. wöchentliche Ein¬
nahme hat. (Ch. Booth.) Für eine Jacke oder einen Rock, für den der Arbeiter
vor einigen Jahren 2—3 Sh. erhielt, bekommt er jetzt nur noch höchstens 2 Sh.
(Fünfter Bericht.) Für einen Mantel, für den man noch vor einigen Jahren
8 Sh. Arbeitslohn bezahlte, zahlt man jetzt höchstens noch 4 Sh. Eine Frau
fertigt eine volständige Weste für 50 Pfg. an und sie kann deren nur vier täglich
fertigstellen. Für ein Paar Beinkleider bezahlt man wenig mehr als 1 Sh. Ein
geschickter Arbeiter kann 7 Sh. verdienen, wenn er 10 Stunden täglich arbeitet
(Bericht der Handelskammer). Die Knopfmachei% meistens~ sind es Frauen,
können bei zwölfstündiger Tagesarbeit 10—12 Sh. wöchentlich verdienen. A.
White zeigte einen Rock, der mit 70 Pfg. bezahlt wurde und wovon bei fünfzehn¬
stündiger täglicher Arbeit, der Sehneider vier herstellen konnte und also nicht
einmal 3 Sh. verdiente. Von diesem Verdienst muss man noch 30 Pfg. für Knöpfe
und 40 Pfg. für Plätten abziehen. (Fünfter Bericht.) Es gibt Frauen, die bei
einer Tagesarbeit von 12 Stunden nur 1,5 Sh. täglich verdienen.
4 ) Soloweitschik schreibt: Nach den von mir angestellten Erhebungen gibt
es im Ostend 100 000 Juden, von denen die meisten entweder unter dem sweating
System oder als freie Leute arbeiten.
5 ) Sobald die Auswanderer ankommen, sind sie von Agenten umgeben, die
ihnen ihre Dienste anbieten und sie nach Whitechapel führen. Man gibt ihnen
dort zu essen und nachdem sie ausgeplündert sind, erhalten sie Arbeit unter dem
sweating systein. Auf dieselbe Weise werden die Frauen ausgeplündert. Es
gibt sogar einen Specialhandel, eine Gesellschaft, die gegründet worden ist, um
jüdische Frauen aus Hamburg nach London zu verkaufen, von wo man sie nach
Buenors-Aires und anderen Orten bringt. Soloweitschik behauptet, dass dieser
Handel „fast" aufgehört hat.
°) Fünfter Bericht über das sweating System der vom Ober hause ge¬
wählten Commission.
(Fortsetzung folgt.)