Seite
Nr. 43
Allgemeine Israelitische Wochenschrift.
Seite 723.
Nr. 43.
aus _„ v>| , jvt
^wer Jüdischen^-
"tensitzung: Gottes-
^'cht abgehalten
on 29 Stimmen be-
her begründete diese
ObuÜL Hagoi) vor,
e verflossene,Indem
mde richten mir uni
r> Wir gehen bald
ten Zeit ins Gottes-
mmte, sondern nur
ilung findet bei gutem
or der „Schul" statt,
ub", die auch gleich-
lich aber hat sie ihren
öachtstnbe aus. Dort
lebhaft vor, bis mir
„Schul" ist aber auch
er eine wendet sich mit
e nach Nord. Ein
gften Falle der Chasen
! erbaut sich mit seinen,
gemacht, oder machen
r Gruppe seiner Vor-
c über die guten (?)
nd dies alles geschichi
bunte den Tischa b'm-
merket's keiner, am
sere Chasonim und ihn
ch über dieselben und
i, Da hören Sie CH»
unim aus den populär
„»»«. 3» kMn “
Ijt nd] di- R»«> "
Kann«, K-» l"‘
t und rnännlrchen 8»
<ch _ inm r-vU»
oo.b«,®*» 1 ''’* 1 '
> ob« «4 '
5 __ p. s. ® fIL
zrrespondenz
IV ****
nrft r" wird nicht an
total f .. nhtt die Korn
f m mm >»°
. «4*
«atttiS» 1 * 8
ib di- <3?*
Antisemiten erklärten, sie würden Mittler gefordert haben,
wenn er nicht Jude wäre, erklärte der Bürgermeister beschwich¬
tigend, „Gemeinderat Dr. Mittler könne überhaupt niemanden
beleidigen: Als Dr. Nechansky dann erklärte, es dürfe nicht
in der Weise fortgehen, daß jeder Schimpf, wenn er von der
Majorität ausgehe, nicht gehört werde, während das geringste
Wort der Minorität, wenn es von der Majorität übel aus¬
genommen werde, vom Präsidium gerügt werde, erwidert der
Bürgermeister gegen die Rechte gewendet wiederum: „Ich
werde nicht das thun, was Ihnen beliebt, sondern das, was
mir beliebt." — Gin Wort des früheren ungarischen Ministers,
Grafen Julius Andrassy, über die Zustände in unserer Stadt,
diirsten auch aus den oben flüchtig skizzierten Vorgang Bezug
haben: „Ich will diese bedauerliche Verirrung dem Wiener
Volke in seiner Gänze nicht auf's Kerbholz schneiden, wie man
denn auch bei uns diese Ausbrüche im Allgemeinen mit Ruhe
und Würde beurteilt und es niemandem beifällt, dieselben in
gleicher Form zu erwidern. Diese Schmach werden wir auf
den ungarischen Namen nicht laden. Uebrigens kann man
mit wahrer Freude beobachten, daß gerade diese Uebergriffe
bereits eine Reaktion herbeisühren, und es steht zu hoffen,
daß diese Elemente die volle Uebereinstimmung mit uns, deren
sie in hohem Maße bedürfen, mit größerer Beflissenheit als
bisher pflegen werden. Vermag man bei uns solche Aus¬
wüchse auch nicht wahrzunehmen, so kann doch nicht geleugnet
verden, daß die öffentliche Stimmung gegen Oesterreich selbst
zeute noch keine solche ist, wie sie sein könnte und wie sie zu
unserem Frommen auch sein müßte."
□ Prag, 18. Oktober. (Oberrabbiner - Stellver-
röter Dr. Moritz Tauber) ist am 13. d. Mts. im
»6. Lebensjahre nach kurzem Krankenlager gestorben. Diese
krauernachricht rief hier das schmerzlichste Bedauern hervor,
>enn Dr. Tauber war als Geistlicher und Mensch gleich vor-
refflich. Der Friede in seiner Gemeinde, in welcher er mehr
ls ein Vierteljahrhundert wirkte, ging ihm über alles, um
hn zu wahren und zu erhalten, verstand er es auch, oftmals
m Kampfe mit seiner Ueberzeugung, nachgiebig zu sein. Auch
:ine Schüler scharten sich um ihn in wahrer Liebe und Ver-
hrung, er besaß förmlich einen Zauber, die Herzen aller an
ch zu ziehen. Auf humanitärem Gebiete entfaltete er trotz
:iner oftmals erschütterten Gesundheit eine seltene Rührigkeit
nd Ausdauer. Wird man einst von vergangenen Tagen der
Eager Jsraelitengemeinde, von ihren verdienstvollen und
.'lehrten Männern sprechen, so wird gewiß der Name Dr.
Moritz Tauber gern genannt werden, und diese Zuversicht
^eibt der schönste und beseligendste Trost in den Tagen der
rauer um den Heimgegangenen.
Pp- Podwoloczyska (Galizien), int Oktober. Es hieße
ulen nach Athen und Wasser ins Meer tragen, wollten wir
e Wohlthaten hervorheben, die Frau Baronin Hirsch seit
m Tode ihres Gatten übt. Es ist eben die edle Frau
nes edlen Mannes, und wie vordem bei dem im Wohlthun
icrmüdlichen und unerschöpflichen Baron Hirsch, pocht jetzt
)er Hilfsbedürftige bei seiner großmütigen Witwe an, und
e früher findet er Gewährung. Unser kleines entlegenes
:ädtchen wurde von einem Brandunglück betroffen. Wohin
1 zunächst wenden? Das Rettungskomitee wußte Bescheid:
Wie selbstverständlich an Frau Baronin Klara Hirsch in Paris,
die auch nicht zögerte, uns ihre großmütige Spende von 2532
Gulden zukommen zu lassen.
$ Rom, 18. Oktober. (Das Ghetto) soll nun end-
giltig von der Bildfläche verschwinden. Mit den Demolierungs¬
arbeiten ist bereits begonnen worden. Die in der Judenstadt
befindlichen uralten Synagogen sollten ebenfalls fallen und
modernen Wohnhäusern Platz machen. Dagegen remonstrierte
unsere Gemeinde, und der oberste Gerichtshof hat jetzt erklärt,
daß alle diese heiligen Stätten ewiges, unveräußerliches Eigen¬
tum unserer Kultusgemeinde seien, und die Stadt kein Recht
habe, dieselben zu expropriieren. Die Zerstörung der Gottes¬
häuser wurde daher auf eine unabsehbare Zeit verschoben.
X London, 16. Oktober. (Ein Wort an den Zaren)
richtete die „Daily Mail" aus Anlaß der Anwesenheit des
russischen Selbstherrschers in unserem Lande zu Gunsten der
russischen Juden. „Die Leiden der russischen Juden, schreibt
das Blatt, sind nicht etwa geringer, weil sie indirekter Natur
sind. Die als Maigesetze bekannten Bestimmungen, nach
welchen die Juden auf einen Raum beschränkt sind, der früher
groß genug für sie gewesen sein mag, nun aber viel zu klein
für die bedeutend vermehrte Bevölkerung geworden ist, bringen
ihnen so sicher Hunger, Krankheit und Tod, wie die türkischen
Säbel den Armeniern. Diese Gesetze zwängen die Juden
fürchterlich ein, von der Wiege bis zum Grabe, wenn es
ihnen nicht gelingt, der Tyrannei zu entfliehen und in andere
Länder auszuwandern, wo sie wenigstens als Menschen be¬
trachtet werden. England hat ein Recht, zu verlangen, daß
die Juden des Zaren besser behandelt werden sollen. Die
Masseneinwanderung in unser Land hat, wenngleich sie mit
der Auswanderung nach Amerika nicht verglichen werden
kann, doch das Ghetto im Osten von London in den letzten
zehn Jahren ungemein vergrößert. Die Klasse von Juden,
welche hierher auswandern, zeigt schreckliche Spuren der
furchtbaren Bedrückung, wenngleich sie — wir gestehen es
offen — sich sehr rasch in ziemlich anständige Bürger ver¬
wandeln, sobald man ihnen die Freiheit dazu läßt. Fast
immer sind diese Juden leiblich und geistig zurückgeblieben,
und sehr oft bringen sie die Keime zu unheilbaren Krankheiten
mit, die ihnen einen frühen Tod bereiten. Unser Staat hat
bis jetzt glücklicherweise noch nicht wesentlich unter dieser Ein¬
wanderung gelitten, weil die besser gestellten Juden dafür
Sorge tragen, daß ihre Glaubensgenossen niemandem zur
Last fallen, außer ihnen. Wir haben aber keine Gewähr
dafür, daß diese Wohlthätigkeit nicht plötzlich einmal aus
irgend einem Grunde versiegt, und dann hätte der Staat eine
schwere Bürde zu tragen, und nur die Behandlung der
russischen Juden in ihrem Vaterlande wäre die Ursache
davon."
□ London, 18. Oktober. In dem indischen Vasallen¬
staate Janj'ira fand zum ersten Male eine Prüfung der
Mädchenschule und eine Verteilung von Preisen statt. Bei
dieser Gelegenheit wurde von der Begum (der Fürstin) die
Begründerin des Mädchenunterrichts, Mrs. Schaloam Bapriji
mit den höchsten Ehren überhäuft. Mrs. Bapriji ist die
Witwe des früheren Premierministers und eine Jüdin von
den Ben' Israel.