Page
Seite 724.
Allgemeine Israelitische Wochenschrift.
Nr. 43.
m. Petersburg, 14. Oktober. (Der Verein zur Ver¬
breitung von Bildung unter den russischen Juden)
hat, wie aus seinem Jahresbericht hervorgeht, auch im ab¬
laufenden Jahre eine sehr rege Thätigkeit entfaltet. Was
zunächst die Schüler-Unterstützungen betrifft, so sind auch
Besuchern der Elementarschulen solche gewährt worden, haupt¬
sächlich wurden Hoch- und Unterschüler berücksichtigt. Für Hoch¬
schüler wurden nahezu 25 000 Rubel ausgegeben. Die Liste
der einzelnen Universitäten, Polytechniken und Akademien
zeigt, daß die Studenten außerhalb des jüdischen Ansiedelungs¬
rayons den Verein mehr in Anspruch nahmen, als diejenigen
innerhalb desselben, was leicht daraus zu erklären ist, daß
die letzteren leichter Lektionen und anderweitige Verdienste
oder überhaupt Unterhaltsquellen erlangen, als jene. — An
Schriftsteller- und Blätter-Subventionen hat der Verein im
Bcrichtjahre ca. 1800 Rubel verausgabt. — Die historisch¬
orthographische Kommission des Vereins hat Vorträge, ein
oder zweimal des Monats veranstaltet, und sich mit der
Herausgabe eines geschichtlichen Werkes besaßt, wovon der erste
Band schon erschienen ist. — Die „Ausstellungs-Kommission"
das heißt diejenige, welche die Repräsentierung des Vereines
auf der Ausstellung von Nischnij-Nowgorod durchzuführen
hatte, entledigte sich ihrer Aufgabe, wie ja schon aus den
Ausstcllungsberichten bekannt ist, mit vielem Glück. Der
Verein wurde mit einer silbernen Medaille prämiert. — Die
Bibliothek des Vereins, an welcher seit 25 Jahren gesammelt
wird, und die drei Abteilungen hat, Hebraica, Judaica,
Russo-Judaica (letztere einschließlich der Werke allgemein¬
wissenschaftlichen Inhalts), umfaßt, — wird von einer
Bibliothek-Kommission geleitet. Im Berichts-Jahre kamen
683 Werke in 824 Bänden, die teils durch Kauf, teils durch
Schenkung erworben wurden. — Bedauerlich ist, daß, wiewohl
eine Summe von etwa 8000 Rubeln für Prämiierung von
guten der Aufklärung dienlichen Schriften vorhanden ist, in
dieser Hinsicht noch nichts geschehen ist, das speziell die lässigst
gestellten Anträge, ein Talmudlehrbuch für Anfänger mit
russischer Uebersetzung und Erklärung, und eine russische Bibel¬
übersetzung herauszugeben, nicht zur Durchführung kommen.
St. New Hork, 10. Oktober. (Der Nationalrat jü¬
discher Frauen) wird seinen ersten allgemeinen Konvent in
hiesiger Stadt im kommenden Monat abhalten. Alle Städte,
in welchen Zweigvereine sich befinden, und das ist in allen
Städten mit jüdischer Bevölkerung der Fall, werden durch
die hervorragendsten Frauen vertreten sein. Bekanntlich dankt
dieser Frauenrat seine Entstehung dem in Chicago während
der Weltausstellung stattgefundenen Kongreß der Religionen.
Sein Zweck ist ein durchweg ethisch - religiöser, daher nicht
mit der in Berlin stattgefundenen Tagung der Frauenrechtler
zu verwechseln. Der Zweck des Vereins ist klar genug in dem
Aufruf enthalten, welchen soeben die Präsidentin Frau Hannah
G. Salomon und die Schriftführerin Frau Sadie American,
beide von Chicago, erlassen. Es heißt darin, der Zweck der
Vereinigung ist, die Mitglieder zu einem tieferen Eingehen
in das Studium der Bibel zu veranlassen und sie zu er¬
muntern, Religion, Geschichte und Literatur zu studieren, so¬
wie die besten Mittel zn erwägen, den Mitmenschen hülsreich
an die Hand zu gehen. Es sollen ferner die Bande unter
den jüdischen Frauen fester geknüpft werden und durch eine
organische Union ein Medium des gegenseitigen Verständniffes
geschaffen werden, um die gemeinsamen Interessen besser zu
fördern. Vereinigte Anstrengungen im Interesse des Juden¬
tums sollen gemacht werden, und zwar durch Anschaffung der
Mittel, welche das Studium desselben befördern und durch
Hebung der sozialen Reformen durch das „Zutagesördern der
besten philosophischen Gedanken."
Chicago, Anfang Oktober. Das jüdische Lehrer¬
seminar, in Verbindung mit einer Musterschule, wurde wieder¬
eröffnet. Die Einschreibungen ergaben ein Resultat von fast
1000 Kindern.
X Johannesburg (Südafrika), Anfang Oktober. Hier
soll eine Resormsynagoge nach dem Muster der Londoner
Berkeley-Street-Synagoge errichtet werden. Die Führer der
neuen Bewegung sind die Herren Langermann und Joseph
Jakobson. _
* Aus den Gemeinden. Versetzt: HH. Blumenseld von
Rakwitz nach Unruhstadt, — Jospe von Unruhstadt nach
Krojanke, — Blaustein von Tremessen nach Gnesen. — Lehrer
Stillmann in Rakel, welcher nach 50 jähriger Dienstzeit am
1. d. M. in den Ruhestand getreten ist, wurde mit dem Haus¬
orden von Hohenzollern dekoriert.
— Vakanzen. Hameln: Zum 1. 4. 97 L., K., Sch.
Fix. (Ans.) 1000 Mk., Nbk. u. fr. W. Meld. an C. Michaelis.
— Kempen (Posen): Zum 1. 12. K., Sch., Kore. Fix.
135Q—1500 Mk. u. bei). Nebk. — Glogau: Zum 1. 1. 97
sem. u. mus. geb. L., K., Sch. Fix. 2400, Nbk. mind. 600
Mk. — Kobylagora: Sof. L., K., Sch. Fix. 900, Nbk.
ca. 500 Mk. u. sr. W. Meld. an Rabb. Dr. Bamberger,
Schildberg. — Kirf (Bz. Trier): Rl., K. Geh. (bei fr.
Station) nach Uebereink. Meld. an M. Kahn II.
Aus dem Leserkreise.
Sehr geehrte Redaktion! In der vorigen Nummer Ihrer
w. Zeitung brachten Sie die Nachricht, daß die Gemeini»
Betsche aufgelöst sei und auf der Stelle, wo die Synagoge
gestanden hat, ein Rathaus errichtet worden ist. Bitte es ge¬
fälligst dahin berichtigen zu wollen, daß nicht die Gemeinde
Betsche, sondern die Gemeinde Brätz ausgelöst ist, und nicht
ein Rathaus errichtet worden ist, sondern eine katholische
Schule.
Tirschtiegel, 18. Oktober. W. Plonski.
Da ich aus den Personalien Ihrer Wochenschrift ersehen
habe, daß ich von Landsberg in Ostpreußen nach Dt. Eylau
versetzt worden bin, so teile ich Ihnen ganz ergebenst mit,
daß es ein Irrtum ist, denn ich komme von Landsberg
O.-Schl.
Dt. Eylau. Kantor I. Galliner.
Nach meinem Dafürhalten ist das jüdische „Nebbich" aus
dem altlateinischen „Nevis“, gleichbedeutend nevult von Nolo,
abzuleiten. Es hätte dann ungefähr die gleiche Bedeutung
wie die jetzige Anwendung des biblischen rb'bri-
Saarunion. Rabbiner I. Gugenheim.
verantwortlicher «edalteur: X. Seoin, Berlin. — Verla,: Sie,fri«i» «ronbach, Berlin W. 67. - »ruck: Xrthur «ch-lem, Berlin C., «o»str. »