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Nr. 43.
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itff Berlin, 30. Oktober 1896.
Nr. 44. Jahrgang V.
Nebst einer wissenschaftlichen Beilage „Ieschurun".
Redakteur: A. Lev in.
! Verlag: Siegfried Cronbach, Serlin \Y. 57.
! Telephon:
! Redaktion VII, 4236. * Expedition VI, 796.
Bezugspreis vierteljährlich:
Cvßlt und frei! Deutschland u. Oesterreich-Uugarn Ütk. 2,00,
alle andern Länder Mk. 8,50.
Post-Zeitungsliste Rr. 108.
Die „Mochenschrift" erscheint an jedem Freitag mindestens 20
i Seiten (2'/, Bogen), der „Jeschurun" Mitte und Ende jeden Mo¬
nats mindestens 4 Seiten (V, Bogen) stark. Zu beziehen durch die
Post sZeitungsliste pro 1896 Nr. 108) oder unsere Expedition.
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Inhalt:
K Der „Judengott". Bon S. B. — Die Rundsrage. Bon Dr.
h Singer. — Alls dem Wasch- und Papierkorb. I. — Konversion.
Bon Lion Wolfs. — Eine Missionsschrift. III. — Wochen-Chronik:
i Rabbiner Dr. Bamberger. — Die böse Statistik. — Treitschke als
Bileam. — Lichtstreifen. — Feuilleton: Der „Judengott". I. —
| Der getaufte Talmud. III. — Das große Sterben. (Fortsetzung.)
Bon Wilhelm Jensen. — Die hebräische Litteratur. — Die Krym-
schaken. — Hier und dort. — Kalender. — Anzeigen.
Pft „Ziidengoll".
Anläßlich des Prozesses Sedlatzek, des Mannes, dem anti¬
semitische Niedertracht und jüdischer Unverstand ohne sein
Verschulden zu einem berühmten Namen verholfen haben, hat
der „Judengott" in dem gerichtlichen Erkenntnis eine Defini¬
tion erfahren, welche für uns Juden und unfern Gottesbegriff
nicht allzu schmeichelhaft war.
Wir wollen jenes gerichtliche Erkenntnis nicht kritisieren,
und wenn wir es schon wollten, wir dürften es nicht. Denn wir
sind uns dessen bewußt, in einem wohlgeordneten Rechtsstaate
zu leben, in dem man die Existenz Gottes in Abrede stellen
darf, sofern man dies nicht in „beleidigenden" Worten thut,
in welchem man aber das Erkenntnis eines Gerichtshofes
nicht kritisieren darf. Wir respektieren die vaterländischen
Gesetze und enthalten uns jeder Kritik, aber wir glauben,
der „Judengott", der doch nicht von so schlechter Be¬
schaffenheit ist, wie ihn Herr Sedlatzek und seine edlen
Kumpane darstellen, in Schutz nehmen und in ein besseres
Licht stellen zu dürfen. Der „Judengott" ist der Gottes¬
begriff, wie ihn das Judentum im Lause der Jahr¬
hunderte ausgebildet hat; der „Gott der Rache", nach der
Auffassung unserer Gegner, die von Judentum eine nur ober¬
flächliche Kenntnis haben — für uns aber, eine Lehre der
Menschenliebe und der sittlichen Vollkommenheit, welche die
menschliche Natur leider nicht erreichen kann, aber der nachzu-
An;rtge» werden mit 85 pfg. für die einspaltige Petitzeile oder
deren Raum berechnet. Bei Wiederholungen oder größeren Auf¬
trägen tritt eine Preisermäßigung ein. Alle Annoncen-Expeditionen
sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen für dieses Blatt entgegen.
streben auch schon einen bedeutenden Kulturfortschritt be¬
deutet.
Ter Gottesbegriff nach der jüdischen Religion ist inderthat
nicht von allzu großer Milde durchweht; nach der Lehre Israels
ist Gott nicht stets mit der Verzeihung bei der Hand, um
moralische Niedertracht und Bosheit ohne weiteres zu ver¬
zeihen. Vielmehr ist er ein „eifervoller Gott", der die Sünde
heimsucht und das Böse straft. Wir sollten jedoch meinen,
daß man nur aus der Bank der politisierenden Biertrinker den
ethischen Inhalt dieses Gottesbegriffes verkennen kann; deutsche
Richter werden unzweifelhaft wissen, daß dieser Gottesbegriff
dem ganzen Strafgesetze zugrunde liegt. Wer dem Grundsatz
huldigt: „Recht muß Recht bleiben", ein Grundsatz, ohne
welchem die staatliche und die soziale Ordnung eine Unmög¬
lichkeit wäre, wird doch zugeben müssen, daß es vor allem
Lohn und Strafe geben muß. Die Quelle aller Belohnung
für gute Thaten und aller Strafe für das Böse, ist nach
dem religiösen Begriff — Gott. Das Judentum hat sich im
Laufe der Jahrhunderte zu der moralischen Höhe emporge¬
schwungen, daß das Gute in sich selbst den Lohn birgt; „dient
nicht Gott, das heißt der moralischen Weltordnung, wie die
Sklaven, die alles nur der Entlohnung wegen thun, sondern
ohne jede Absicht auf Lohn", lehrt die Mischnah, d. h. der
Grundstock des durch antisemitische Unwissenheit in Verruf
geratenen Talmuds. Aber wenn sich die jüdische Moral auf
einer solchen Höhe der uneigennützigen Tugend emporschwingen
konnte, so konnte sie nicht die Idee eines strafenden Gottes
entbehren, wie sie überhaupt jede geoffenbarte Religion nicht
entbehren kann, ohne ihren sittlich-erziehlichen Einfluß einzu¬
büßen.
Ist aber der „Judengott" inderthat so ohne Erbarmen,
der nur an der Strafe und der Verfolgung Gefallen findet?
Nicht nur, daß der Prophet Ezechiel im Namen Gottes ver¬
kündet, er wolle nicht das Verderben der Bösen und der
Sünde, sondern daß diese sich besinnen und am Leben bleiben;
auch in den mosaischen Büchern finden wir die göttliche Aeuße-
rung, er wolle nicht der Erde fluchen, wegen der Menschen