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Nr. 44.
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Nr. 44.
Allgemeine Israelitische Wochenschrift.
Seite 727.
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daß der Verfall hauptsächlich in Westeuropa — jedoch in
den Zentren nicht allein — erschreckende Dimensionen ange¬
nommen hat.
Die Frage hat im Auslande einen lebhaften Widerhall
und gerechte Würdigung gefunden, und wird daselbst mit
großer Wärme und Begeisterung behandelt; ja selbst die von
den im Ausland lebenden befragten Herren einlausenden Ant¬
worten zeigen nreist ein positives Gepräge, welches wohlthuend
absticht von der zum großen Teil ablehnenden, zum andern Teil
zurückhaltenden Art unserer inländischen Großen in Israel.
Woher diese Erscheinung?
Die Erklärung, daß die Akklimatisationsfähigkeit der
Juden in dieser Form zum Worte gelangt und daß sie in
Deutschland ihre deutsche, vorsichtige Natur nicht ver¬
leugnen können, weshalb ihre Antworten den Stempel der
Verlegenheit und des Schwankens zivischen gefühltem Zuge¬
ständnis und pflichtschuldiger Opposition an der Stirn tragen,
reicht hier nicht aus.
Allein zu unserer deutschen gesellt sich noch die jüdische
Vorsicht, das Erbteil vergangener Jahrhunderte — diese un¬
selige Vorsicht, welche uns am Anfänge der neuesten Unkultur¬
epoche immer wieder eingeschärft wurde, und zwar so lange
und so eindringlich, bis sie zur Leisetreterei, zur Feigheit aus¬
artete. So mußte es schließlich kommen, genützt hat es uns
aber garnichts, es hat nur das alte Vorurteil gegen unseren
angeblich stets bewährten Ueberfluß an Mutmangel und
fehlender Manneswürde befestigt und leider auch bestätigt.
Wir leben doch nicht mehr im Ghetto, wir sind doch
nicht mehr durch einen gelben Fleck zum Zielpunkte für den
erlaubten Steinwurf eines jeden Gamin gesetzlich gekenn¬
zeichnet, die „krumme Nase" ist doch nicht mehr unser Stamm-
privtlegium — ja in den neuesten Romanen aus dem jüdischen
Leben haben die Heldinnen sogar ausnahmslos blonde Haare
und blaue Augen und nur der von der Ceder des Libanon
entlehnte Vergleich zu ihrem schlanken Wüchse erinnert an ihre
jüdische Abstammung — wir sind doch immer noch, Gott seis
geklagt, trotz unseres famosen Gesetzes von 1847, mit angeb¬
licher Gleichberechtigung behaftete Staatsbürger, warum be¬
geben wir uns unseres natürlichen Rechtes der Bethätigung
der schönen Lehre „Wehr dich" und des herzhaften Wieder¬
schlages nur in dem Falle nicht, wenn wir uns unterein¬
ander brüderlich zerfleischen?
Was anfangs ein leichter Fieberanfall war, ist durch
.msere Unthätigkett zu einer zehrenden Krankheit ausgewachsen
— die Nadelstiche haben sich zu Dolchstößen verdichtet — der
verächtliche Hepp-Hepp-Rus ist zu einem Feldgeschrei geworden
— aus dem mit nur mattem Widerspruche aufgenommeuen
Boykott des jüdischen Richters beim bürgerlichen Eide
ines Ehristen hat sich die heutige allgemeine justtzministerielle
Praxis entwickelt. Das sind der trüben Erfahrungen einige,
velche wir dem durch Unterschätzung der Gefahr von sogen,
«erufener Seite diktierten Stillschweigen verdanken; soll denn
äese Lehre, die wir aus unserm bisherigen Verhalten dem
ußern Feinde gegenüber gezogen haben, oder doch ziehen
onnten, ganz spurlos an uns vorübergegangen sein?
Abwarten und den Mund halten! ist die Devise. Ab-
varten und immer ruhig abwarten. Bis wann? Wir haben
mit Gewehr bei Fuß gegen unsere haß- und neiderfüllten
Gegner gestanden, bis die Ereignisse ihnen beinahe Recht ge¬
geben haben — sollen wir auch unseren inneren haltlosen Ver¬
hältnissen, unserm religiösen Niedergange gegenüber die Vogel
Strauß-Politik weiter treiben, bis die weisen Herren, wie sie
es vielleicht im Stillen erhoffen, kopfschüttelnd erklären können,
da sei weiter nichts mehr zu machen, oder bis die Herden
keinen Hirten mehr haben, der ihnen helfen und sie leiten
kann, da diese naturgemäß dem allgemeinen Vorfall sich nicht
werden entziehen können?
Nein, so weit darf es nun und nimmermehr kommen!
Sowie Erkenntnis der Sünden die unumgängliche Vorbedingung
zur Besserung ist, welche durch schöne Worte nicht erzielt
werden kann, so kann nur das Eingeständnis unseres drohenden
Verfalles die Männer aufrütteln, welche berufen sind, das
Heilmittel zu finden und es zu verabreichen. Ich will ja
nicht behaupten, daß der Bankerott schon da ist, oder daß die
Auswahl der Männer der LXX eine durchweg glückliche ge¬
wesen sei, aber das muß betont werden, daß mehr Mut dazu
gehört, offen zu erklären, es sei etwas nicht richtig, schreie
nach Aufrichtung, und sich nach werkthätigen Männern des
Rates und der Einsicht rechtzeitig umzusehen, als noch
fernerhin mit verschränkten Armen ruhig zuzuschauen, ab und
zu mal mit den Zähnen zu knirschen und im übrigen mit
dem Bewußtsein wohlerfüllter Pflicht die Schlafmütze über
Augen und Ohren sich zu ziehen und demgemäß weiter zu
schlafen.
Ja, heißt es, was werden aber unsere Feinde von außen
dazu sagen, denen wir die Waffen zu unserm Verderben liefern,
wenn wir auch noch zugesteheu, daß bei uns nicht alles stimmt
und wir sie womöglich auf Schäden aufmerksam machen, die
ihren durch den Haß geschärften Blicken sogar entgangen sind?
Zum Kuckuck! mögen sie sagen, was sie wollen, wenn durch
unser Thun nur unsere religiösen Einrichtungen gehoben wer¬
den, — um ihre Wertschätzung haben wir uns ohnedies nicht
sonderlich bemüht, und wenn wir diese durch Erfolge um
heilige Dienste uns erzwingen, desto besser, oder es muß uns
gleichgiltig bleiben — sie werden sich hüten, das religiöse und
moralische Thun und Lassen ihrer Häuptlinge als mustergiltig
hinzustellen und werden es sich zweimal überlegen, ob sie in
dem Glashause, in welchem sie sitzen, mit Steinen um sich
werfen sollen. Auch das Christentum ist Schwankungen
unterworfen, und in neuester Zeit spielten sich vor der Oeffent-
lichkeit religiöse Gegensätze bis zur haarspaltenden Genauigkeit
ab, es ist menschlich, daß wir von ihnen nicht leicht verschont
bleiben, und sie sind nicht dadurch aus der Welt zu schaffen,
daß man sie totschweigt.
Die guten, glaubenstreuen Mitbürger werden uns darum
ihre Achtung nicht versagen, weil wir unsere Schäden ehrlich
eingestehen, nach Verbesserung streben und weil unsere viel
ältere Verfassung, durch die Zeitverhältnisse bedingt, einer
kleinen Reparatur bedarf — der Kern wird doch unberührt
Reiben. Soviel zur Beruhigung derer, die bevor sie niesen,
sich erst umblicken, welche Zuhörer bei ihrem Vorhaben zu¬
gegen sind. Und unsere Gegner werden bei offener Behandlung
unserer inneren Angelegenheiten nicht schlechter von uns denken
als bis jetzt auch. Das bei gewissen zivilrechtlichen Fragen