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I—II.
Des Schofar's Ruse und die drei
Bücher des Lebens.
Mredigt für die Weujahrstage.
Von Rabbiner De. Ad. Rosenzweig.
Ewiger Gott dil bist groß und allgewaltig! Vater,
du bist erbarmungsvoll und reich an Gnade — dein ist
die Größe und die Macht und die Herrlichkeit! .Jjtiü ist
der Himmel, und was er umspannt; dein die Erde, und
was sich auf ihr regt; dein das Meer, und was es füllt!
dein bin auch ich, der Staubgeborne, der Ohnmacht Kind!
Vergib, Vater, wenn ich dir nahe! Schwach ist der
Mund, stumm die Lippe, matt die Zunge; aber mein Herz
fühlt dich, mein Geist ahnet dich, meine Nimst jubelt in
dir! ch sehe dich im unermeßlichen Sonnenball, wie im
winzigen Stäubchen; ich höre dich in dem Cedern entwur-
zelnden Sturnie, wie im sanften Säuseln des Frühlings-
Hauches; ich ahne dich im brausenden Strome des wun-
derbaren Völkerlebens, wie im geringsten Gedanken, der in
mir erwacht! So lasse mich auch fürder leben in deinem
Geiste, o Gott, laß' mich leben, daß ich dich fühle in mei-
nes Herzens Räumen! So lasse auch deine heilige Ge-
meinde leben, getragen von dem beseligenden Glauben an
dich, der du bist das Leben und die Ewigkeit, gekräftigt
durch die beglückende Liebe, die dein Wesen erfüllet, be-
glückt durch die Hoffnung auf dich, der du der Quell alles
Glückes bist! Laß sie leben, deine Menschenkinder, itt
deinem Lichte, durch deine Gnade! Oesfne die Herzen, er-
schließe den Geist, auf daß wir allesammt erkennen, was
Wahrheit und Täuschung, Ewigkeit und Nichtigkeit, Recht
und Trug, Kern und Schale ist!
R ah m er, Israelisches Predigt-Magazin. V. Jhrg. 1 Heft.
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