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Wahrheit machen das Wort, mit dem ich heute weihend mein
Amt übernommen.
״ Auf der Warte des Herrn stehe ich fortan beständig des
Tages, auf meinem Posten auch bei )Lacht!"
Ja, bei Tag und Nacht, in Freud' und Leid, bei Wohl
und Weh'.
Mitfühlend bei Eurer Freude und mitbewegt bei etwaigem
Leide will ich Eure Freudens- und Eure Leideustage ein-
schreiben mit dem demanteuen Griffel der Religion als hei-
lige Gedenkblätter in das Buch Eures Lebens, auf daß jene
Euch anregen zur freudigen Dankeserhebung, diese Euch mahnen
an die stille Ergebenheit in den Willen Gottes, daß Ihr in
Allem, was Euch begegnet, die Spuren des Gottesgeistes
erkennt, Ihr Euch immer als Kinder Gottes fühlet.
Das, meine Andächtigen, ist in kurzen Umrissen die
Ausgabe des Rabbiners unserer Zeit in Schule, Tempel und
Haus, wie ich sie erfaßt und begriffen. Ob es mir auch ge-
Ungen wird, den Wünschen und Forderungen, die ich hiermit an
mich selbstgestellt, zu genügen? Daß ich den Willen und die
redliche Absicht habe, ihnen zu genügen — das darf ich getrost
und freudig in dieser Stunde an dieser heiligen Stätte aus-
sprechen. Wenn dem redlichen Streben des Lehrenden die
liebevolle Theilnahme der Hörenden, wenn der aufrichtigen
Freude, mit der geboten wird, die Willigkeit des Empfangenden
entgegenkommt, — dann können wir mit Zuversicht hoffen,
daß Gott unser Wollen und Streben segnen, unser Sinnen
und Beginnen krönen werde mit Erfolg. Richten nur darum
unfern Blick zu ihm empor und beten wir:
Herr und Vater! Vor Dir steht eine andächtige Ge-
meinde und der Lehrer und Führer, den sie sich gesetzt, mit
den feierlichsten Gelöbnissen der Seele, Dir zu dienen in Ein-
müthigkeit und Freudigkeit des Sinnes. Aber Menschenherzen
planen viel, und das Menschenherz ist veränderlich, in Deinen
allmächtigen Händen liegt der Ausgang der Dinge, Dein ist
der Erfolg. Drum flehen wir zu Dir: עשינו מה שבידינו