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Don unserem hessischen
Landesverband.
Ter Schulausschuß hat am 23. Dezember in Gießen getagt
und folgende Beschlüsse gefaßt: Tie Herren Lehrer Rosenberg in
Mainz und Salomon in Worms werden vom 1. Januar ab als
Wanderlehrer in einer Anzahl rheinhessischer Gemeinden als An¬
gestellte des Landesverbandes beschäftigt. Tie Landgemeinden,
welche von diesen Lehrern zwecks Vorbeterdienst, Unterrichtsertei¬
lung oder Schechitah besucht werden, haben einen angemessenen
Beitrag zu dem Gehalte des Lehrers zu leisten.
Vom 1. April an sollen alle lehrerloscn Verbandsgemeinden
von Wanderlehrern betreut werden. Die Vorbereitung der not¬
wendigen Maßnahmen zu diesem Zweck wurden übertragen:
1. für Starkenburg dem Herrn Lehrer Simon; für Rheinhesscn
dem Herrn Rabbiner Tr. Levi; für Oberhessen den Herren Rabbiner
Tr. Sander und Lehrer Kahn, Alsfeld.
Herr Lehrer Kahn, Alsfeld, übernimmt ferner die Ausarbei¬
tung eines Schlüssels, nach welchem regelmäßige Beiträge aus Ver¬
bandsmitteln zu denjenigen Lehrergehältern geleistet werden kön¬
nen, welche sich unter der Gehaltsgruppe 7 bewegen.
Isrl. Landeslehrerverein im Volksstaate Hessen.
Der Vorstand des Landeslehrervereins bringt hiermit folgen¬
den Beschluß der Generalversammlung vom 31. Oktober 1920 zur
Kenntnis aller israelitischen Lehrer im Volksstaate Hessen. Um
sämtlichen Lehrern Hessens, die sich bisher noch nicht unserem
Verein angeschlossen haben, den Beitritt zu unserem Verein und
seiner Sterbekasse zu ermöglichen, haben wir eine Karrenzzeit bis
1. Februar 1927 gewährt, in welcher allen noch abseits stehenden
Kollegen die letzte Gelegenheit geboten wird — ohne Rücksicht auf
das Alter und besonderes Gintrittsgeld — Mitglied des Vereins
und der Sterbekasse zu werden. Ter Jahresbeitrag zu unserem
Verein beträgt Jl 5.—; der Beitrag zur Sterbekasse Jl 20.— für
jeden Todesfall eines Mitgliedes. Jl 20.— Reserve-Sterbegeld
müssen sofort (auch in Raten zulässig) beim Eintritt zum Verein
bezahlt werden. Wir hoffen, daß dieser Appell genügt, um alle
israelitischen Lehrer Hessens zum Beitritt zu unserem Verein zu
bewegen. Ferner werden diejenigen Mitglieder unseres Vereins,
die mit ihrem Jahresbeitrag für 1926 noch im Rückstände sind,
hiermit aufgefordert, denselben in Höhe von Jl 5.— an unseren
Rechner, Herrn H. Sulzbacher, Groß-Bieberau, Postscheckkonto 11480
Frankfurt a. M. einzusenden.
Die soziale Fürsorge in ihrer
neuzeitlichen Gestaltung.
Von Verwaltungsoberinspektor Schlösser, Mainz.
Um unsere Leser in Stadt und Land Uber diese wichtige
3eitfrage zu unterrichten, beginnen wir hiermit eine Folge
von kurzen Abhandlungen. Die Schriftleitung.
I.
In Zeiten ruhiger und steter Wirtschaftsentwicklung war der
Begriff „Fürsorge" ein Fremdwort, das für die breite Öffent¬
lichkeit kaum Bedeutung hatte. Jedenfalls gehörte es in der Vor¬
kriegszeit glücklicherweise zur Seltenheit, daß eine Person nicht in
der Lage war, sich ausreichend zu ernähren und daher öffentliche
Mittel in Anspruch nehmen mußte. Das war gut so, war es Hoch
der beste Beweis unseres Wohlstandes in Deutschland, der bekannt¬
lich viele Neider aus den Plan rief. Mit dein Ausbruch des Welt¬
kriegs änderte sich jedoch das Bild vollständig. In dem Augenblick,
als Tausende zur Fahne eilten, gewann die Frage der öffent¬
lichen Betreuung erhöhte Bedeutung. Politische, vaterländische und
soziale Gründe geboten es, daß die Zurückgebliebenen in aus¬
reichender Weise und über die engen Grundsätze der damals noch
geltenden Armengesetzgebung hinaus versorgt wurden. Damit
wurde ein Kreis von Personen in die Fürsorge einbezogen, der
niemals, bei normalem Verlauf der Dinge, mit diesem Gebiet in
Berührung gekommen wäre. Mit dem Kriegsende und dem wirt¬
schaftlichen Zusammenbruch erweiterte sich dieser Kreis erheblich,
die Not nahm einen Umfang an, wie man sie bisher nicht gekannt
hatte. Die Einstellung der Kriegs- und Rüstungsindustrie warf
Tausende Arbeitsfähige auf den Arbeitsmarkt, der selbstverständ¬
lich nicht imstande war, sie geeignet unterzubringcn. Die ein¬
setzende Geldentwertung tat noch das ihrige, brachte sie doch un¬
zählige unserer besten Bürger an den Rand des Abgrundes. Die
Kriegsnachwirkungen'führten schließlich zu einer Massennot, zu
deren Bekämpfung selbst die großzügigst angelegten behördlichen
Fürsorgemaßnahmen nicht ausreichten. Private Vereinigungen,
insbesondere Organisationen karitativer Art haben rechtzeitig er¬
kannt, daß die Behörde nicht in der Lage ist, ausreichend dem
Massenelend entgegenzuwirkcn. In dankenswerter Weise beteilig¬
ten sich dann auch bisher schon die freie Liebestätigkeit, freiwillige
Helfer und Helferinnen an der Bekämpfung der Massennot, gilt
es doch, jene hohe soziale Pflicht zu erfüllen, seinen Mitmenschen
vor weiterer Verelendung zu schützen und ihm die Wege zu einem
wirtschaftlichen Wiederaufstieg zu ebnen. Die moderne Fürsorge¬
gesetzgebung, die Reichsverordnung über die Fürsorgepsllcht vom
13. Februar 1924, verankerte die Mitwirkung der freien Liebes¬
tätigkeit bei der Durchführung der Fürsorge, indem sie engste Zu-
sammcnabeit der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege empfahl.
Darüber hinaus soll sich jedoch auch der diesem Gebiet Fern-