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Rabbiner-Seminares
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gliedern unentgeltlich zu. ♦ .Erscheinungsort Waini. III schriftleitung: Rabbiner Dr. S. Levi, Wainj
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Um den Reichsverband der
deutschen Juden.
Die Bemühungen um das Zustandekommen eines Reichs¬
verbandes der deutschen Juden haben mit dem scheitern des
ersten Versuches noch kein Ende genommen. Während man von
Berlin aus versucht, den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund
(D.J.G.B.) zu einem Reichsverband der deutschen Juden unter
entsprechender Satzungsänderung auszubauen, sind die süddeut¬
schen Landesverbände entschlossen, auf dem Wege über die be¬
stehenden Landesverbände eine Zusammenfassung der deutschen
Juden zustande zu bringen. Zwar hatte der D.J.G.B. im Jahre
1921 in einer aus sehr zahlreichen Religionsgemeindcn beschickten
Vertreterversammlung den Auftrag erhalten, die notwendige Zu-
sammenfafsung der deutschen Juden zu bewirken; diesen Auftrag
hat der D.J.G.B. aber durch sechs Jahre ruhen lassen. Inzwischen
haben sich die Zustäude und Voraussetzungen für eine Gesamt-
organifation der deutschen Juden insbesondere iutrd) Gründung
zahlreicher Landesverbände, wie z. B. auch unseres Landesverban¬
des der israelitischen Religionsgemeinden Hessens derart geändert,
daß der im Jahre 1921 gefaßte Beschluß überholt ist.
Aus diesem Gesichtspuiikt heraus haben sich die süddciltschen
Laiidesverbäiide zu einer iieueu initiativen Tat entschlossen, über
die folgende offizielle Berichterstattung Aufschluß gibt:
Gründung einer Arbeitsgemeinschaft der süddeutschen
Landesverbände.
Stuttgart, 7. Februar 1927.
Tie Vertreter der Israelitischen Religionsgemeinschasten und
Laiidesverbäiide in den Ländern Bayern, Baden, Württemberg
lind Hessen siiid am 6. Februar 1927 in Stuttgart zusammen¬
getreten und haben, vorbehaltlich der Zilstiinmuiig ihrer Organe,
die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft beschlosfcri. Die Vertreter
der Laiidesverbäiide sind nach iviedcrholter eiiigeheiider Prüfung
zil der einstimungen Auffassuiig gelangt, daß die Bildiiiig eines
Reichsverbandes erstrebenswert ist, aber nur auf dem Wege über
die Laiidesverbäiide geschaffen werden kaiiii.
lieber die Zusammensetzung dieser Arbeitsgemeinschaft und
ihre Arbeitspläne werden wir in einer unserer nächsten Nummern
nach berichten. Im Zusammenhaiig mit diesen gezeichneten Vor¬
gängen ist es aber unbedingt erforderlich, daß die Leitung unseres
hessischen Landesverbandes einen klaren Ueberblick über ver¬
schiedene Sachverhalte in den hessischen Gemeinden gewinnt und
richtet deshalb an sämtliche Gemeindevorstände den folgenden
F r a g e b o g e n , dessen baldige Beantwortung in der durch die
Nummern gegebenen Reihenfolge wir nachdrücklichst erbitten
müsseii. Wir ersuchen die verehelichen Gemeindevorstände deshalb,
ims behilflich zu sein und soweit es nicht bereits geschehen ist,
u in g e h e ii d folgende Fragen an die Adresse: „Landes¬
verband der israelitischen Religionsgemeindeii Hessens, Mainz,
Hindenburgstraße 44", zu b e a ii t w o r t e n.
1. Ist Ihre Religionsgemeinde Mitglied des Deutsch-Israeliti¬
schen Gemeinde-Bundes?
2. Wenn ja, seit wann?
Wenii nein, war sie früher Mitglied? «Wenn ja, bis
wann?)
9. Wenn ja, welche Beiträge hat sie an D.J.G.B. geleistet?
im Jahre 1924
im Jahre 1925.
im Jahre 1926 .
4. Leistet Ihre Gemeinde Zuschüsse oder Beiträge nach außer¬
halb?
Wenn ja, für welche Einrichtungen oder Vereine?
u) im Jahre 1926 .... b) im Jahre 1927 .
Das Purim-Fest. *)
Das Buch der Versuchung.
Von Rabbiner Dr. Bruno Italiener, Tarmstadt.
Daß jede Zeit die Bibel mit ihren eigenen Augen anschaut,
jedes Geschlecht daher im Grunde seine eigene Bibel hat, kommt
einem besonders deutlich zum Bewußtsein, wenn man die Er¬
klärungen liest, mit denen man früher —. etwa zu talmudischer
Zeit — das Estherbuch schmückte, und wenn man damit die Art
vergleicht, in der man heute zu den Gestalten der Esthergeschichte
Stellung nimmt. Liest man die kurzen Predigten, die uns im
Talmudtraktat Megillah (von 10 b ab) zum EstherbuclD überliefert
find, so ist das erste, was einem auffällt, der -völlig unkritische
und .ungeschichtliche Sinn, mit dem unsere Lehre» ^>rn geschilder¬
ten Ereignissen und Personen zum großen Teile gegenüberstehen.
Während für uns sämtliche Gestalten der Bibel Menschen sind,
mit bestimmten Tugenden und Fehlern, Menschen, die den Stem¬
pel einer bestimmten Kulturepoche au sich tragen, werden sie den
Lehrern des Talmud vielfach zu bloßen Typen, zu Trägern einer
bestiinmten Weltanfchauung. Das hat zwar den Vorteil, daß die
Ideen, als deren Verkünder die betreffenden Menfchen gelten, an-
*) Siehe auch „Kalendarisches".