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ivieses lSlatt erscheint monatlich und geht den
gliedern unentgeltlich ju. ^ Erscheinungsort Main;.
Luschristen: lUlainj, lhindenburgstrahe flr. 44
8christleitung: lkiabbiner vr. S. Levi, Itlami
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Umschau!
Hält man gegenwärtig Umschau bei den Organisationen,
welche die Gemeinden des deutschen Judentums nach Län¬
dern umfassen, so kann man erfreulicherweise erkennen, daß
diese Landesverbände von Sitzung zu Sitzung sich tiefer
und umfassender in ihren Aufgabenkreis einarbeiten. Daß
die alten Landes-Organisationen in Baden und Württem¬
berg der neuen Zeit in manchen Punkten Rechnung tragen
mutzten, hat ihrer straffen und alle Gebiete des jüdischen
Gemeindelebens umfassenden Arbeit Neuantriebe gegeben.
Aber auch die in den letzten Jahren erst entstandenen
Landesorganisationen in Preußen, Bayern, Sachsen und
Hessen haben in bewunderungswürdig schneller Einstellung
ihre Aufgaben erfaßt; die Ausschüsse wie die Gesamt¬
tagungen arbeiten umsichtig und erfolgreich. Die Zusam¬
menarbeit zwischen den verschiedenen religiösen Lagern
scheint hierbei reibungslos zu erfolgen. So kann man mit
besonderer Befriedigung auf die Rede, die ein Hauptver¬
treter der bayrischen Orthodoxie, HerrRabbinerDr. Wohl-
gemuth in Kitzingen, bei der letzten bayrischen Tagung ge¬
halten hat, Hinweisen. Einige markante Sätze aus dieser
Rede wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten: „Ich
muß sagen, daß im vergangenen Jahr außerordentlich gute
Arbeit geleistet worden ist, und daß wir voller Vertrauen
in die Zukunft blicken können." „Ich darf im Namen der
konservativen Fraktion der Verbandsleitung herzlichen Dank
für die geleistete Arbeit zum'Ausdruck bringen und gleich¬
zeitig ihr versichern, daß wir zu ihr volles Vertrauen
haben. Wir stehen in einer Zeit, die die Notwendigkeit der
Zusammenfassung zersplitterter Einzelkräfte erkannt hat
und den Wert der Organisation zu schätzen versteht." „Wir
anerkennen die Leistungen des Verbands auf dem Gebiete
der Wiederherstellung von Gotteshäusern, Schulgebäuden,
Ritualbädern und Friedhöfen." „Unser Verband kann stolz
auf seine Leistungen sein." „Ich befinde mich in Ueberein-
stimmung mit meinem liberalen Vorredner (Betr. Ver¬
waltungen)."
Diese Willigkeit zur Zusammenarbeit innerhalb der
jungen Organisation war ja auch von dem im vorigen Jahr
bekannten Führer der bayrischen Orthodoxie, Herrn Kom¬
merzienrat Sigmund Fränkel sel. A. in München, mit
voller Ueberzeugung gefördert worden. Dieser zu früh Ver¬
storbene hat seinem gesetzestreuen Kreise als seinen letzten
Wunsch den Rat ans Herz gelegt: „Sucht keine Trennung
herbeizuführen, sondert Euch nicht ab von Euren Glau¬
bensbrüdern, erkennt in ihnen die Brüder eines Vaters,
sucht das allgemeine Wohl zu fördern und bleibt in der
Gemeinschaft." Wo solcher Geist herrscht, werden unsere
jüdischen zeitlichen und ewigen Aufgaben aus die würdigste
und fruchtbarste Art gelöst werden. Es ist drum auch als
erfreuliche Tatsache zu melden, daß sich unter den zu einer
Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen süddeutschen
Landesverbänden eine Kommission zur Herausgabe einer
Zeitschrift für Geschichte der Juden in Süddeutschland, ge¬
bildet hat; dieser Kommission gehören an: Rabbiner
Dr. Freudenthal, Nürnberg und Dr. Rafael Strauß,
München (für Bayern); Bezirksrabbiner Dr. Pinkus, Hei¬
delberg und Prof. Dr. Stein, Karlsruhe (für Baden);
Rechtsanwalt Dr. Gunzenhauser, Stuttgart und Stadt¬
rabbiner Dr. Rieger, Stuttgart (für Württemberg);
Rechtsanwalt Dr. Goldschmidt, Worms und Rabbiner
Dr. Levi, Mainz (für Hessen). Es ist zu hoffen, daß die
ersten Veröffentlichungen dieser Kommission noch im
Herbste dieses Jahres erscheinen werden, und daß die ge¬
planten regelmäßigen Druckschriften viel geschichtliches Ma¬
terial sammeln und vor dem Untergang bewahren werden.
Wenn nun der von allen Seiten gewünschte Reichs¬
verband der deutschen Juden recht, bald ins Dasein träte,
dann wäre die für die Gesamtheit der deutschen Juden not¬
wendige Gesamtorganisation als krönender Abschluß ge¬
schaffen. Aber über den Weg zur Verwirklichung dieses
Wunsches ist man noch nicht einig, wenn auch die Erkennt¬
nis, daß der Reichsverband nur auf dem Wege über die
Landesverbände gebildet werden könne, bereits über die
süddeutschen Landesverbände hinaus gedrungen ist; so er¬
stattete bei der am 19. Juni d. I. abgehaltenen Tagung