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begiiiß seinen Geburtstag in der seinem religiösen und wohltätigen
Wirken eigenen bescheidenen Zurückgezogenheit. — Tie beiderlei
ugcit Ahnen des • Jubilars sind seit undenklicher Zeit in Rhein-
hesien seßhaft. — Die Familie Koch, die mehr als 1*4 Jahrhundert
in Mainz wohnhaft ist, gehört zu den Gründern der seit 1853 be¬
stehenden Retigionsgesellschaft und seit 1810 dahier bestehenden
Bretzenheimer-Kippe.
Ifraei. £anbeslel]rerDerein im Dolksftaat Reffen.
Anfarrgs Dezember v. Js. verließ der seitherige 1. Vorsitzende
des Israelitischen Landeslehrervereins im Voltsstaat Hessen, Herr
Lehrer Kahn-Alsfeld Deutschland, um nach Rew-'chork über-
znstedeln.
Lein Weggang bedeutet für den Verein einen großen Verlust.
Vor acht Jahren hat er mit Gleichgesinnten die jüdischen Lehrer
Hessens nacy langen Jahren der Spaltung zu eine m Verein
zusammengesugr und dessen Anschluß an den Reichsverband der
jüdischen t:ehr ervereine ermöglicht, dem bisher nur ein Teil der
hessischen jüdischen Lehrer angehört hatte.
^eit dieser Zeit war Kollege Kahn 1. Vorsitzender dieses neu¬
gebildeten Vereins; er hat sein Amt mit Treue und Gewissenhaftig-
teit,^iir Gerechtigkeit und selbstloser Hingabe verwaltet. l£üt Mann
des Friedens und der Versöhnlichkeit, ist er inuner bestrebl gewesen,
Gegensätze anszugleichen und Streitigkeiten zu schlichten.
Traditionell gesetzestreu und von einer schlichten, tief inner¬
lichen Frömmigkeit, ist er doch duldsam und ausgeschlossen auch
gegen die gewesen, die in religiöser Hinsicht auf einem anderen
Boden standen.
Er war der warnrherzige Fürsprech des jüdischen Lehrers in
allen Grenzen, in denen er seinen Stand zu vertreten hatte, und
trat mit Leidenschaft und Ueberzengungstreue und meist mit Er¬
folg für die Rechte seiner Berufsgenossen und deren soziale Besser¬
stellung ein. Ebenso nachdrücklich forderte er die geistige Fortbil¬
dung und Höherentwicklung des jüdischen Lehrerstandes. Für all
dieses dankt ihm der Israelitische Landeslehrerverein im Volksstaat
Hessen aufs herzlichste. Seine großen Verdienste um den Vereill
und die jüdischen Lehrer werden ihm unvergessen bleiben.
In Würdigung dieser großen Verdienste und als Ausdruck der
immerwährenden Verbundenheit hat der Israel. Landeslehrerver-
ein Herrn Kahn in die Reihe seiner Ehrenmitglieder auf-
genonrmen.
Die besten Wünsche seiner Kollegen und Freunde bereiten den
Scheidenden in seine neue Heiniat; möge er dort ein rhn befrie¬
digendes Arbeitsfeld finden uild auch hier wirken zum Besten seiner
Mitmenschen und der jüdischen Gemeinschaft, von ganzem Herzen
rufen sie ihm und seiner Familie für die fernere Zukunft ein
n'-s zu. *
Infolge Uebersiedlung des seitherigen 1. Vorsitzenden des Jsr.
Landeslehrervereins im Volksstaat Hessen nach Rew-Aork hat einst¬
weilen der 2. Vorsitzende des Vereins, Herr Lehrer Jakob Strauß
in Offenbach a. M., Hermann Göringstraße 23, den Vorsitz im
Verein bis zur nächsten Hauptversammlung übernommen.
vereine und verbände.
Wir deutschen Juden. Unter diesem Motto veranstaltete der
Landesverband des Centralvereins für Hessen und Hessen-Nassau
eine Werbewoche in der Zeit vom Sonntag, dem 10. bis Donners¬
tag, dem 14. Dezenlber 1033, in welcher auf die Bedeutung der
Arbeit des Centralvereins auf dem Gebiete des Rechtsschutzes und
in den Fragen der Beratung der Wirtschaftspolitik hingewiesen
wurde.
Amtsgerichtsrat i. R. Dr. Fritz G o l d s ch m i d t, Dezernent
der Berliner Geschäftsstelle des C.-V. und Dr. Wolfgang S. Matz¬
dorff, Syndikus des Landesverbandes für Hessen-Rassau und
Hessen, sprachen in Gemeindeversammlungen am Sonntag, dem 10.
Dezember in Kassel, am Montag, dem 11. Dezember in Hanau
a. M., am Dienstag, dem 12. Dezember in Friedberg, am Mitt¬
woch, den: 13. Dezember in Worms, am Donnerstag, dem 14. De¬
zember in Tarmstadt.
Tie Veranstaltungen, welche durchweg einen überaus starken
Besuch zu verzeichnen hatten und welche zum Teil wegen Ueber-
füllung wiederholt werden mußten, standen unter dem Eindruck der
von dem Centralverein in den Vordergrund seiner Bestrebungen
gerückten Bemühungen um die Erhaltung der jüdischen Menschen
m Deutschland. U. a. wurde darauf hingewiesen, daß die Rechts¬
schutzarbeit des C.-V. im besten Sinn des Wortes D i e n st an
der Gesamtheit ist, weil sie erfolgt im Auftrag der Reichs¬
vertretung der deutschen Juden. Es wurde in vielen Einzelfällen
ein Ueberblick über die juristisch-wirtschaftliche Arbeit des Central¬
vereins gegeben und darauf hingewiesen, daß es in vielen Fällen in
Verhandlungen mit Behörden gelungen sei, Existenzen zu sichern,
daß aber auf der anderen Seite diese Arbeit vom C.-V. gemacht
wird in aller Bescheidenheit und ohne daß von vornherein unerfüll¬
bare Versprechungen gemacht werden. Es wurde ferner über die
Arbeit im engeren Landesverband berichtet und hierbei besonders
betont, daß die Arbeit des Centralvereins dann von Erfolg be¬
gleitet sein wird, wenn jeder Einzelne durch genaue und schnelle
Information dem Centralverein die Möglichkeit gibt, die Schritte
zu ergreifen, welche erforderlich sind, um das Schicksal der jüdischen
Menschen nach Möglichkeit zu erleichtern.
Die juristisch-wirtschaftliche Beratungsstelle des Centralvereins
deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Landesverband Hessen
Rassan und Hessen, Sitz Frankfurt a. M., Steinweg 0, Zimmer 22
bearbeitet Kollektiv- und Einzelschritte bei Behörden, Verbänden
und Firmen, außerden: die Fragen beruflicher Fachausschüsse und
die Rechtsberatung in Einzelfällen im Einvernehmen mit der jü¬
dischen Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe.
Es wird gebeten, wegen starker Belastung des Syndikus, mög-
lichst die Sprechstunden zwischen 11—1 Uhr täglich außer Sanistag
und Sonirtag in Anspruch zu nehmen, zu einem anderen Zeitpunkt
nach vorheriger Anmeldung. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen,
daß der Centralverein sich mit seiner Rechtsschutzarbeit und Bera¬
tung in Fragen der Wirtschaftspolitik allen deutschen Juden zur
Verfügung gestellt hat.
Kadimah Mainz. Unter diesenr altbekannten und bewährten
Flamen hat sich die gesamte Mainzer jüdische Jugend (früher:
JPT. lind Hqbonim) wieder zusammengeschlossen. Damit ist die
gemeinsanie Erziehungsarbeit an mlseren Jungens und Mädels
(nufere Mitgliederzahl beträgt jetzt über 100) gewährleistet.
Den: Jüdischen Jugendverein Worms wurde kürzlich eine
Schachgruppe angegliedert, die sich in Herrn Eule, dem ehemaligen
Pfalzmeister, eine ausgezeichnete Lehrkraft sicherte. Die neugegrün¬
dete Gruppe, der viele gute Spieler angehören, würde gerne mit
benachbarten Vereinerl Frenndschaftskänipfe austragen und würde
sich freuen, wenn auch auswärtige Schachfreunde zu ihren Spiel-
abenderl kämen. Anschrift A. Katz, Worms, Karmeliterstraße J,
Telephon 5013.
Sportgruppe
bes Reid]sbunbes jüb. Frontfolbaten ITlainz.
Schon kurz nach Bestehen unserer Sportabteilung war es uns
rnöglich, dank der aufopfernden Trainingsarbeit der einzelnen
Leiter, Wettspiele gegen auswärtige Mannschaften auszutragen.
Vorerst wurde eine erste Fußball- und Handballmannschaft zu-
sammengestellt, denen im Laufe dieses Monats zweite Garntturerr
folgen werden. Eine Jugendmannfchaft wird im Januar das erste
Mal einem Gegner gegenübergestellt.
Am 3. Dez. v. Js. wurde der Reigen der Wettspiele in Frank-
flrrt nlit einem Handballspiel gegen die Erste der „Bar-Kochba"
Frankfurt eröffnet, Rach ziemlich ausgeglichenem Spiel, das durch
die anhaltende Kälte stark beeinträchtigt war, unterlag unsere
Mannschaft, in der der Tormann Metzger und der Verteidiger
Edinger die besten Leute waren, knapp mit: 2:3 (0:2) Toren.
Ter 10. Dez. v. Js. brachte das erste Fußballwettspiel gegen die
erste Mannschaft der Frankfurter „Jacosco". Unsere Mannschaft,
die aus zahlreichen früheren Ligakämpfern besteht, gewann gegen
die mit 10 Mann angetretenen Frankfurter überlegen mit 4:1 (2:0)
Toren. In die Tore teilten sich Warner und Willi Hirsch.
Um unseren Mannschafteir Gelegenheit zu geben, sich öfters
mit anderen Mannschaften unseres Gebiets zu messen, traten wir
der Arbeitsgemeinschaft südwestdeutscher jüd. Turn- und Sport¬
vereine, Sitz Frankfurt, bei, der ungefähr 20 Vereine des Rhein-
Main-Gebiets angehören.
Am 17. Dez. v. Js. fand das erste Verbandsspiel gegen R. j. F.
Darnrstadt, in Tarmstadt statt. Unsere Fußballer gewannen nach
hartem Kampf mit 3:2 (2:0) Toren, die alle drei der hervorragende
Mittelstürmer Willi Hirsch nach schönen Vorlagen der Jnnenstür-
nrer schoß. Leider wurde das Spiel von Darmstädter Seite sehr
hart dnrchgeführt, sodaß 2 Darmstädter und unser rechter Vertei¬
diger vom Platz gestellt werden mußten. Das Spiel litt sehr unter
der nachsichtigen Leitung des Unparteiischen aus Friedberg.
Die ersatzgeschwächte Handball-Elf verlor gegen eine kombi¬
nierte erste, zweite und dritte Mannschaft des R. j. F. Darmstadt
10:2 (8:1). Die Darmstädter waren jederzeit überlegen und warfen
die Tore in regelmäßigen Abständen. Die besten Spieler unserer
Mannschaft waren der Jugendspieler Max Eis, sowie der Mittel¬
läufer Ernst Simon.
Hoffen wir, daß unseren Mannschaften schöne Erfolge beschieden
sind und weiter in der Mainzer Gemeinde dasselbe rege Interesse
entgegengebracht wird wie bisher. Allen, die uns unterstützen, sei
auch an dieser Stelle nochmals unser herzlichster Dank ausge¬
sprochen.
Seit dem Erscheinen des letzten Mitteilungsblattes hat sich un-
sere Gruppe um ungefähr 50 Mitglieder vergrößert, sodaß wir
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