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DAS JÜDISCHE UENTRALBLATT.
Aus einen Briefe des Oberrabtoiners von
Sarajevo, Ehrwürden Herrirr Leon Fitizy, an
den Redacteur dieses Blattes.
Die Sephardirh. die in Sarajevo wohnet, s:ind nahe
an 200 Familien, die an 2000 Seelen bilden, und haben
2 Synagogen. Ein Theil der Israeliten lebt in .Armut ein
anderer Theil ist wolhabend und nur ein ganz geringer
Theil ist. reich
Die meisten von ihnen sind Handwerker als Schneider,
Tischler. Schuster und ähnliche Gewerbe, einige sin« Kauf-
leute; sämtlich sind gutmütig und mit ihrem Lose zufrieden,
obwol sie in dem Schweisse ihres .Angesichtes ihr Rrod
Sie verdienen. Sind in hohem Grade wolthätig und leben
treu den Satzungen der Religion und den Gesetzen der
Behörden. Auch fügen sieh die Sephardim deiB öster¬
reichischen Wehrgesetze und geben ihre. Söhne zum Heere
Hunt iriUüjrr <</.< >l>, anderen in Sarajevo wohnenden
confessionen:
Überdies* sind 100 deutsche Familien (aschekenasim ) |
die seit der Oecupation daselbst leben, eine eigene Syna¬
goge haben, bis jetzt aber ohne Rabbiner sind, und in
religiösen Angelegenheiten sich an mich wenden. Sie
sind meistens Kautieute und wohlhabend, und erfreuen
sich einer allgemeinen Beliebtheit.
Gleichzeitig fügen wir eine Berichtigung und Ergänz- j
ung zu dem aus Klaic Rosna von uns gegebenen Aufsatze: j
Über die Juden in Bosnien, hinzu n. z. Der bosnische \
liirkf wurde nach nicht umsonst vor* eitlem Jnd.cn Fleisch
nehinen, Weil er es unrein Halt.
Aber auch nicht von einem Christen; denn die Mosleraen
haben ihre eigenen Schlachtregeln, essen daher niemals Fleisch j>
von einem Thiere, das ein Jttde oder Chris' geschlachtet hat. Brülls |
populaerwissenschaftliehe Monatshefte, Fehmar 1882 in dem Auf¬
sätze. Ueber das Leben der Juden in Arabien von Dr. A. Stein
in Prag p. 20.
Autobiografia di S. D. Luzzato preceduta da
alcune notizie storico-letterarie suila famiglia
Luzzatto a datare dal secoto XVI.
Aus dem Italienischen iu's Deutsche übertragen und mit. Anmer¬
kungen versehen von Dr. M. G.
Ein Theil dieser Biographie erschien zuerst in Isidor
Busch's Jahrbuch für Israeliten desJahres 560« (1848), das Italienische
Original gieng bei Busch's Überfahrt nach Amerika verloren, und
das uns vorliegende Italienische ist eine Rückübersetzung aus dem
Deutschen aus der gelehrten Feder des Dr. D. Lolli. Wir selbst
konnteu uns das Busch'sche Jahrbuch nicht verschaffen. M. (i.
Der Herausgeber dieses Jahrbuches (Busch) bat mich,
ihm Materialien für meine Biographie zu liefein, und
stellte es mir frei, einen mir tauglich scheinenden Bear¬
beiter zu wählen. Wol hätten einige meiner theuren
Freunde sich gerne dieser Arbeit unterzogen, doch habe
ich sie selbst übernommen. Meine Eigenliebe verliert
dabei, der Leser hingegen gewinnt dadurch, denn wek
Wert kann man dem Lobe, das ein Freund uns spen
oder das ein Schüler seinem noch lebenden Lehrer gi
beilegen V
Vielen dürfte es überdies nützlich Und angenehm «
scheinen den Ursachen nachzuforschen, welche den Ge
und das Herz eines Mannes bildeten, der sei es n
Recht oder nicht — eine Berühmtheit erlangt hat, u
dessen Tätigkeit hoffentlich nicht ohne Einfiuss ä
einen Theil seiner Glaubensgenossen sein dürfte. Aue
hielt ich es für meine Pflicht mir eine so günstige Gel
genheit nicht entgehen zu lassen und öffentlich Danji
all denen abzustatten, die seien sie nun lebend oder tod
auf meine Erziehung und meine Efitwickelung einen wohl
tatigen Eiüfluss ausgeübt haben.
Die-Bescheidenheit, die mir höflicher Weise in vorigen
Jabrbuc.be beigelegt wurde, hätte mich villeicht binden
sollen Daten zu meiner Biographie zu liefern, mein*
Moral aber gründet sich mehr auf Liebe ah auf Ehre
mch- auf das Gebissen als auf Förmlichkeiten. Ich befolge
hierin den Grundsatz der Talmudisten ^v^J/^
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HWS weiss wol, dass ich kein Prister bin/
weim mir meine Genossen aber sagen: Besteige den Pult
(um den Segen zu ertheilenl so besteige ich ihn (und
ertheile den Segen).
Mendelssohn wollte bei ähnlicher Gelegenheit nicht die
Daten zu seiner Biographie geben, aber er hatte seine
guten Gründe biezu; denn dieGeschicbte seinesLebens konnte
nicht losgetrennt werden von der Darstellung des damals
üblichen/ Erziehungswesens in Norddeutschland und von
den Hindernissen, die damals überwunden werden mussten;
und dem setzte sich eben so sehr seine Bescheidenheit
wie die Anhänglichkeit an seine Glaubensgenossen entgegen.
Diess trifft aber bei mir nicht zu, weil in Italieh das
Widerstreben gegen Cultur und Wissenschaft niemals
Wurzel fasste; überdiess ebneten die weisen und gnä¬
digen Gesetze Josefs II den Weg zu den höheren Studien.
Auch in anderer Hinsicht unterscheidet sich die Zeit
Mendelssohns von der unsrigen. Damals betrieb man nicht
das Studium des Alterthums, man bekümmerte sich nicht
um alte Manuscripte und um Schriftstellernamen, um
deren Vaterland und Blüthezeit.
Ich aber beschäftige mich seit einer Reihe von Jahren
i mit solchen Untersuchungen (l )und viele meiner Freunde
(1) Einem intimen Freunde, der ihn bat, seina eigenen
Studien diesbezüglich zu veröffentliche», antwortete er de dato '.».
October 1840: Was die Teschubot Hageonim betrifft"
]H*fi* l ^£'"rT* so gebe mir Gott die Kraft, die Arbeit zu vollenden. Sie
■werden ein ewiges Montvmmt sein, von unermessliebem Nutzen
für die Nation und für die lieligicm. Es handelt sich darum Kasein
wieder aufleben zu lassen, seine Briefe lesen zu lassen und die anderer
! Manner ähnliehen Charakters, nämlich aufrichtiger Ebräer ohne
j Falsch und Trug. In diesem Jahrhundert des Betruges und der
Zweizüngigkeit könnte man kaum solche Muster der Schönheit und
der Aufrichtigkeit enstehen lassen; die Vorsehung wollte gerade dasn
jene Schätze durch so viel Jahrhunderte verborgen bleiben, damit
ihre Wirkung in unserem Jahrhundert eine desto grössere sei
Dr. J. Luzzatto.