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DAS JÜDISHE CENTKALBLATT.
wandschaft zwischen den Lauten u und l hervorgehoben.
Wenn Diez (1) gelegentlich der Notiz bemerkt, dass im
Poema de Alex, umgekehrt 1 vor d eingeschoben wird
als duldar . (dubitare, dudar) embeldar (imbibitare)
recaldar (recapitare) recandar, und dann fragend hin¬
zufügt. Soll dieses l ein aus p enstandenes u vertreten
wie in galteras : l für u besteht, so können wir nur
bejahend antworten; Denn ganz dasselbe ist bei coldo
(aus lateinischem cobitus altspan. cobdo man vgl. die
ladinoform covdo) der Fall (2). Aus cobitus wurde
cobito cobto : cobdo. coude coldo. Ein Vorgang, in den
romanischen Sprachen gar nicht ungewöhnlich. Um so
mehr als wir in der That im Ladmo die vermittelnde
Form covdo vorfinden.
(Forsetzung folgt)
J^ECENSIONEN.
Grünwald Jakob k. k. Heligionslehrer. Fest¬
rede gehalten am Namensfeste Sr. Kaiserl. Majestät
Franz Josef I. am 4. Oct. 1881 im isr. Tempel zu Ung.
Hradisch. Verlag der Redaction des Jüd. Centraiblattes.
Preis 10 Kreutzer 6. W.
Die in einfacher und würdiger Sprache abgefasste Rede
zeichnet sich von den modernen Reden dadurch aus, dass
sie der zeitgemässen Deutung der Aggadah ihren wol-
verdienten Platz einräumt, was bei den modernen Rednern
zu oft mit Unrecht vernachlässigt wird. Eine Gelegenheits¬
rede unmittelbar nach dem Versöhnungstage gehalten,
darf wol nicht zu lange sein, dem hat auch der Verf.
Rechnung getragen.
ptosm spr vob sktt nism ^eke
Pflichten des Vaters gegen seinen Sohn. Von
Jakob Reif mann.
Wer wie Reif mann sein ganzes Leben ausschliesslich
dem Studium widmet und nicht angekränkelt ist von der
alles nivellirenden Sucht unserer Zeit, ist besonders wert
gehört zu werden, wenn er von den Pflichten der Eltern
gegen ihre Kinder spricht. Denn nicht nur die Kinder
haben Pflichten gegen ihre Eitern zu erfüllen, eine viel
heiligere und ernstere Pflicht haben die Eltern gegen
ihre Kinder zu üben. So selbstverständlich diess klingen
mag, so ist es Zeit diess besonders hervorzuheben.
• • ) Diez Gr. I p. 363 in der Anmerkung.
(JjNwrtfc« I 3 .p. 98.
darf man wohl die Mitt^
Reifmann., der s»>hr häufig Gelegenheitsschriftsteller ist
hat diese Arbeit einem Schüler, der den ersten Sohn erhielt
gewidmet und legt ihm seine Pflicht dar. Trotzdem diese
Schrift pädagogischer Natur ist, sind dennoch zahlreiche
philologisch-literarische Dinge darin enthalten. So
wird auf Seite 3 der ausführliche Nachweis erbracht,
dass die Schulet im gesummten SehrifttJium des Judea-
thuins als Söhne des Lehrers betrachtet und vice
versa die Lehrer die Väter der Schüler genannt wurden.
Die klossisrhc Stelle ist die von Elis'a dem Jünger Elia s
^"""w" 22^ '2X ^-X* Seite 4, 5, 6 is t in der An¬
merkung eine erschöpfende Darstellung des Gebrauche*
hj£ und die Frage, wie so man dennoch im heutige«
Judenthume die Redensart plJDI "13 gebrauche»
dürfe, da im Talmud Sabbat 67, b ausdrücklich zu
lesen ist, dass man diese Redensart wegen Nachahmung
heidnischer Gebräuche nicht anwenden dürfe. Eine Antwort
wäre allerdings zu geben u. z. die, dass in unserer
Zeit die mythologischen Gottheiten alter Zeit nicht
mehr bestehen, also die Redensart zur blossem Phrase,
herabgesunken ist. Auch in Bezug auf das Pathenweseu
(Oevätterwesen) sind Reifmamrs Bemerkungen gegen
Zunz' Bemerkung in seiner Literaturgeschichte der
synagogalen Poesie von Bedeutung. Interessant untl
lehrreich zugleich ist die Begründung, weshalb man im
alten Judenthume mit dem Unterrichte der Opfer d.h.
mit dem Buche Leviticus begann. Der Midrasch sagt
schon sehr schön (Midrasch Wajikra rabba, Paraschah
7) Rab Assi sagt: Man fängt aus dem Grunde mit dem
Opfer an, weil die Opfer rein sind, so mögen die reinen
d.h. unschuldigen Kinder kommen und sich mit den
reinen Opfern zuerst beschäftigen. Nach Reilmann
sollte damit angedeutet werden, dass Sittenreinheit dem
Wissen vorangehen soll. Niemand wird das Heft
Reifmann's ohne Befriedigung und ohne reichliche Be¬
lehrung aus den Händen legen und diess ist wahrlich
die beste Empfehlung für eine Schrift.
Brieftasten der Reiaction
Ehrw. Bez. Rabb. S. Hahn Nr. 6 wird die Fortsetzung der
Biographie R. J. Assuds bringen. — Dr. W. Münz Breslau. Aus
Raummangel erst in Nr. 6 unserer Zeitschrift. — Ehrw. Bez. Rabb.
J Grünwald Mohacs. — Danken herzlichst erscheint in Nr. 5. —
Lic. theol. Dr. Aug. Wünsche. Wo bleibt Pesiktha? — Ehrw. Dr.
Spitzer Essek. Danken erschein in Nr. 5 Bitten um weitere Nach¬
richten. — Ehrw. Dr. Frankl-Grün Kremsier. Sep. Abdr. 200
Exempl. per Bogen H fl. — Ehrw. Oberrabbiner Leon Finzy
Sarajevo. — Bitte so weit als möglich die Namen sämtlicher Rab-
binen von Bosnien seit 200 Jahrhen Besitzen Sie vielleicht
das Buch Esralh Naschim von Masche Von Ckabih. Wenn ja so
bitte höflichst darum. — Dr. J. Luzzatto Padova. Ho scrittoal signor
Graebar et al reverendissimo signore rabbino maggiore G. E.
Levi a Corfu. Prego d'inviarmi il calendario ebraico di 20 secoli
Vukkuachal Hakkabalah ed il Catalogo du fei Mr. Joseph Almanzi et
1' Index raisonne. II prezzo: de 16 pagine dieci live. Faro il mio
possibile pella propagazione de scritte del illustrissimo signor
Vestro padre.
Schiuss r ? e Redastion am 9. Februar 131:2.
(5) Sitzungsberichte der Kaise.
Schäften zu Wien. Philos. histor. Cla^aann's Buchhandlung in Belovar.
Verantwortlicher Redacteur Dr. M. Grünwald.