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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT.
sieh niemals eines so frequentirten Besuches wie Kram¬
buden", und nennt der Talmud den ,*H)lK einen
Publizisten, der in jeder Kneipe seinenHörerkreis findet. (Sota
40 a B. Bathra 142b). So musste sich R. Meir herab¬
lassen seine Vortrage theilweise a-gadisch einzukleiden;
so wie auch von R. Jochanan ben Sakai ausgesagt wird,
dass er sich auch in Agada einliess, und so waren auch
R. Ismael, R. Josi der Galliläer u. a. m. zugleich aus¬
gezeichnete Agadisten. (Synhedr. 38' ; ; Suka 28a; M.
Katan 28 ,; ; Chulin 89 a S. auch Sifri Ekob Schlag*.
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II.
Weit entfernt ron der Agada stellen wir uns die
*H£^D vor ? von welchen Sofrim cap. 16. 2
und Jeruschalmi Sabat 16 melden; wer solche schreibt,
verwirkt sein ewigdfe. Heil, wer sie veröffentlicht, ver¬
brennt sich, und fügt letzterer — sämtlich im Namen
R. Josita hon Lewi — die Versicherung hiezu. nie mehr
als ein Mal im Leben in XTHlX"T X1EC gelesen zu
haben. Eben daselbst sprach R. Chija in ein solches Buch
blickend: Möge ihm die Hand abfallen, wer immer dieses
Buch schrieb." (*) Es scheint als hätte man unter diesem
Terminus technicus die apokrvphischen Bücher oder Saddu-
zäische Schriften verstanden, wovon wir das IV. Buch
Esra als Muster anführen, die nach dem Zeugniss Josefus
(Contra Apion I 8) kein Vertrauen genossen, und da
jedes verbotene Buch nur noch mehr Reitz erweckt, und
von Hand zu Hand gehet, so zirkulirten auch diese
Bücher ausnahmsweise mehr als jedes andere. (Schewuoth
46 a und kamen auf dem Rundwege R. Nachman,
R. Jacob, R. Jochanan zu Gesicht, und wird von lezterem
ausgesagt, dass er durch Verhältnisse gedrängt, gar am
Sabbat darin gelesen habe, (Brachot 23 a u. b; Gitin
60 a ; Synhedr. 57') übereinstimmend mit Or. Ch. § 307
16, wonach Profanbücher besonders am Sabbat nicht ge¬
lesen werden sollen.
Ist unsere Prämisse richtig, dann wäre der Wider¬
spruch zwischen obigem R. Josua ben Lewi. der die
XTlTSO **l£*D prehorreszirt, und dessen einnehmende
Collegialität für die Agada, gehoben, mit der er sprach:
„Ich kehrte bei allen Agadisten im Süden ein", und
wieder: -HS* ^JD Ü'X&. fljmß «pIT
(Br. Rabba Cap. 94; B. Bathra 9«) ohne wie dei Rossi
im Meor Enajin Cap. 15 zu zwei verschiedenen Personen
gleichen Namens Zuflucht nehmen zu müssen, da wir
Agada und Sifre Deagadta nicht identiticiren.
Löwy.
(*) Ueber diesen scheinbaren Vaterfluch s. meinen Artikel
im Kochbe Jitzchak 26. Heft Seite 17.
Nachschrift der Redaction. Die geistreiche und ge¬
lehrte Arbeit des unermüdlichen Herrn Josef Löwy gab uns An-
lass, einige Studien über die Rabbanan d' Agadta anzustellen, und
wir müssen eingestehen, dass wir von derAuseinandersetzung denn doch
nicht ganz befriedigt, weil zunächst keine erschöpfende Anführung der
Stellen, wo Xn*"?3X *Ü I ™H vorkommt zu findennud weil zweiten«
genannt werden, unzweifelhaft oft die Herren, die Xn^TX^T
das (griechische, das zufällig mit {einem hebräischen Wort auch nur
consonantisch gleichlautend war, zur Ableitung halachischer Normen
missbrauchten. Vor solchen Männern musste natürlich gewarnt
werden, und so lässt es sich begreifen, dass die Halachisten die
ganze Lauge ihres Spottes auf solche Männer gössen. Eine diess-
bezügliche interessante Stelle ist im Talmud Hierosolym. Maasserot
Caput I Halacha II wo zu den Worten EPJICPn
aus den Worten das konsonantisch dem gleich¬
kommt, eine halachische Regel deducirt wird. C*2*^'™1H
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}!2 rh J1X XTH^XI die Granatäpfel müsse«
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werden, so bald sie weich werden, R. Jehuda Leu Pasi im Namen
R. Josua ben Lewi's sagt, wenn sie sich in die Hälfte theileu.
Rabbi Jona sagte darauf, vielleicht hat er diese Deutung von den
Rabbanan d 1 Agadta gehört, die den Vers l^i'"? !Dtti""l I^HS
erklärt haben durch ♦pü'? "p^S Doppelt interessant ist di«
Stelle aus dem Grunde, weil die Rückübersetzung des griechischen
I fj\ii%) in das aramäische s ' c b weder imTargum
Onkelos noch im Targum Jeruschalmi findet. Was das Grie¬
chische betrifft, so darf man nicht vergessen dass das Griechische
zu gewissen Zeiten sehr beliebt; zu andere« wiederum sehr verhasst
war. (JoeTs Blicke in die Religionsgeschichte, das wechselnde
Verhalten der Talmudlehrer gegenüber der griechischen Sprache
p 6—42). Es mag also diese Äusserung einer Zeit der Abneigung
zur griechischen Sprache entstammen. Dass aber die p^*",
KrT™I2X1 nicht amschUesslich die Deutung der grieehb.ehen
Worte veranlassten, sondern vielmehr nach Art griechischer So¬
phisten das Für and Wider in gleicher Weise bewiesen, erhellt
aus Talmud hieros. III. Caput § 4 wo R. Seerah die XrH^X
barsch anfährt und ihre Bücher als eitel Trug bezeichnet.
( 2 ) und als diese um die Erklärung des Schriftwerses
(Psalm. 77) befragt, eine Lösung geben, findet R. Seera die
entgegengesetzte Deutung als ebenso zidässig und R. Seerah
warnt vor diesen Männern mit der bezeichnenden Worten
dv^d p *b& kvh *]rr;pH tüc bix
Er scheint also hervorzugehen dass die Xm^X""! pH
nur dann verpönt waren, weun sie entweder aus einer Laut¬
ähnlichkeit im griechischen eine halachische Nonn, die von der herr¬
schenden Halacha abweichend war, aufstellen wollten; oder aber
wenn sie den feststehenden Sinn eines ßibelwerses auf gekünstelte
Weise nach Art griechischer Sophisten zu deuten sich anschickten.
J ) Dass der Ritz, die Spalte beim Granatapfel thatsächlich
ein Zeichen völliger Reife sei, ersieht man aus Wetzstein's An¬
merkungen zu Delitzsch Hohem Liede und Koheletj; über die Ety¬
mologie des siehe Low, Aramäische Pfianzennamen p.
362-365. 1
v ) Aus Sefer Jefe Mareh gedruckt Berlin 1749 fol. 57 b