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"glo. 1 0 gMooar (jjkroatiett) 15. gfl g t _ 1882.
DAS
JÜDISCHE CENTRALBLATT.
(ZUGLEICH AR CHI? FÜR DIE GESCHICHTE OES JUDEN IM KGR. KROATIEN).
Herausgegeben von Rabbiner l)r. 31. GrünwoM.
i JAHRGAN i
Das jüdische Centralblatt erscheint alle 14Tage in bia 2 Bogen; Preis bei allen Buchhandlung (in Belovarbei J. JF^eischmnuu)
pro Jahrgang 4 fl. Inserate werden mit 10 Kreuzern die 3 gespaltene Petitzeile berechnet und au^-hliesslich entgegengenommen durch die*
Annoncen-Expedition Ton 7. Fleisehmann in Belovar. (Mantucripte werden nicht retournirt).
INHALT.
F. lieber die spanisch-portugiesischen Juden der Gegenwart von
Dr. M. Grünwald. — II. Die Ethik des Judenthums von Bez. Rabb.
A. Roth in Siklos. — III. Autobiographie Luzzatto's. — IV. Das
Altfranzösische bei Raschi von Dr. M. Griinwald. — V. Maimuni's
Leben und Wirken von Ignatz Münz in Kempen.
Miscelien. VI. Vorlesungen gehalten im Wiener Bet-hamidrasch
im Winter des Jahres 1876 von Dr. M. Grünwald — VII. Aus
einem Briefe des Herrn Rabb. S. Hessl in Agram.
Nachdruck nur mit VOLLER Quellenangabe gestattet.
Ueber die spanisch-portugiesischen Juden der
Gegenwart.
Von Dr. M. Grünwald.
Sonderbar genug hat ein Spanier der Neuzeit. Amador
de los Rios zuerst auf den wichtigen Einfluss den die Juden
Spaniens auf die Ent Wickelung der national-spanischen
Kultur ausgeübt, in seinem grossen Werke: „Estudios
historicos politicos y literarios, Madrid 1848, in 2. Auf¬
lage 1872 in Madrid erschienen, aufmerksam gemacht,
und unermüdlich zeigt sich dieser Mann in seinen Unter¬
suchungen, da nunmehr ein weiteres Werk: Historia
social, politica y religiosa de los Judios de Espana y
Portugal sich mit der vollständigen Geschichte der Juden
in Spanien und Portugal befasst. Diess der Grund, wes¬
halb auch wir gleich im Titel das Wort spanisch-portu-
giesweke Juden dem Ausdrucke Sephardim oder Espag-
nolen vorzogen.
Doch erstreckt sich die Arbeit de los Bios nicht bis
zur Gegenwart, die uns zunächst beschäftigen soll, ob¬
gleich wir oft, um die Erscheinungen der Gegenwart zu
I begreifen, einen Blick in die Vergangenheit werfen müssen,
Und dennoch ist das spanisch-jüdische als Sprache sowol
| höchst interessant, als auch die Literatur, die sie erzeugt
hat, und weil lebend, noch jetzt erzeugt, der grössten
Beachtung wert. Und wir sind überzeugt, dass wenn
das von den jüdisch-spanischen Juden geschriebene Spa¬
nisch mit lateinischen oder überhaupt mit europäischenBuch-
staben gedruckt worden wäre, es längst Gegenstand wissen¬
schaftlicher Untersuchung sowol als auch belletristischer
Be-und Umarbeitung geworden wäre. Wir haben in
Num. 4 und 5 (1) unserer Zeitschrift mehr die Wich¬
tigkeit des jüdisch-spanischen Dialektes für die ro¬
manische Sprachforschung nachzuweisen versucht, und
2 der bedeutendsten Autoritären auf diesem Gebiet, Prof.
Dr. Eduard Böhmer. Herausgeber der romanischen
Studien, gegenwärtig in Wien, und Prof. Dr. Hugo
Sehuchardt in Graz haben sich über die hohe Wichtigkeit
dieser meiner Arbeit ausgesprochen ( 2 )
Prof. Sehuchardt schreibt mir ferner in seinem Briefe
vom 2. April 1. J.: „Ich habe mich in Wien spanisch mit
Juden unterhalten und dabei interessante Beobachtungen
gemacht. Hingegen war es mir, trotz meines Besuches
im Hause des Herrn Semo, unmöglich ein Exemplar der
(') Ueber den jüdisch-spanischen Dialekt als Beitrag zur
Aufhellung der Aussprache im Altspanischen; als Separatabdruck
erschienen unter dem Titel: Zur romanischen Dialektologie, Heft
1. 1882. Druck Verlag von J. Fleiscbmann Belovar; siehe ferner
Dr. A. Jellinek's: Der jüdische Stamm in nichtjüdischen Sprich-
wöriern, II. Serie p. 7. Annmerkung 1.
(-') Brief vom 1. März 1882, wovon wir einen Theil
in Nr. 6 des Jüdischen Centralblattes veröffentlicht; Brief vom
2. April 1882 (Prof. Dr. Sehuchardt). Unser ehrwürdiger
Collega, Rabbiner Dr. M. Lattes aus Mailand, schreibt uns in
seinem Briefe vom 17. März 1882: Nel Nr. 4 vidi ll prineipio del
Suo interessante lavoro sul dialetto giudeo-spanuolo e ne
attendo la continuazione: esso merita tutta l'attenzione degli
Studiosi anche pel metodo rigorosaniente scientifico quäle si richiede
per tali ricerche.
MF* Dieser Nummer liegt ein Prospekt der Herausgabe der Correspon
denz S. B. Luzzatto's s. A. bei.