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DAS
JUDISCHE CENTRALBLATT
(ZUGLEICH ARCHI7 FÜR DIE GESCHICHTE DER JUDEN IM KGR. KROATIEN).
Herausgegeben von Rabbiner 2>r. M. Grünwalä.
1. JAHR GAN ( «
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Das Jüdische Centraiblatt erscheint alle 14 Tage in l 1 /, Ws 2 Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Belovar bei J. Fteischmanu)
pro Jahrgang 4 fl. Inserate werden mit 10 Kreuzern die 8 gespaltene Petitzeile berechnet und au schliesslich entgegengenommen durch die
Annoncen-Expedition Tön J. Fleischmann in Belovar, (Manuscripte werden nicht retournirt).
INHALT.
I. Ein hebräisch englisches Alphabet aus dem XIV. Jahrhundert
von Dr. M. Grünwald in Belovar. — II. Biographie EzechiaLuz-
zatto's (Schluss) — III. Rede gehalten am Geburtstage seiner
' Majestaet des Kaisers und Königs Franz Joseph I. — IY. Alt¬
französisches bei Raschi. — ¥>. Notiz.
Misoellen. — VI Vortrag gehalten im Bet - hammidrasch zu
Wien.
Recensionen. IL Liebermann's Deutscher Volkskalendei*. — A.
^Petöti's Liebesperlen. — Aug. Wünsche Lic. theol. Bibliotheca rab.
binica. — An open letter addressed to Sir Moses Montefiore. —
Leon J. Finzi, Rede und Gebet. — Münz Ignatz, Maimuni's Leben
und Wirken. — DH*l!2^ J^DVl Vajjossef Abraham von Ab¬
raham und Josef Palagi. — Schück Sah Der Schutzengel. — idem
Christen über Juden. — idem. Siddur Hamminhadm.
Nachdruck nur mit VÖLLER Quellenangabe gestattet.
Ein hebräisch-englisches Alphabet
14. Jahrhunderts.
des
Randbemerkungen zu dem Aufsatze: Un aiphabet hebreux an-
glais in der Revue des etudes juives Nr. 8. p. 255 — 268.
Von
Dr. M. Grünwald in Belovar.
Wir haben in der ersten Nummer unseres Centrai¬
blattes p. 2 und 3, in dem Capitel: Das ABC der talmu¬
dischen Ethik darauf hingewiesen, dass schon die Talmu-
dibten den einzelnen Buchstaben des jüdischen Alphabets
eine Deutung beigelegt, die der etymologischen Erklärung
nicht ganz entspricht; die aber von den Talmudisten zu
ethischen Zwecken verwendet wurde. In der durch ihre
gediegenen Aufsätze bekannten Revue des etudes juives
ist nun ein Alphabet aus dem 14. Jahrhunderten von J.
Bonnard mitgetheilt und von dem Romanisten Arsme
Darmstetter erläutert worden. So manches der Deutung
Bedürftige zu deuten, sei Aufgabe dieser Zeilen.
Dass aleph die Bedeutung Lehre habe, lässt sich ganz
einfach daraus erklären, dass in der That im Hebräischen
SflH^ auch lehren bedeutet. Gott ist ja die Lehre, und
so konnte man der Lehre selbst den Lehrer, das ist Gott
an die Seite setzen; ein christlicher Gelehrter konnte
diess noch um so eher, da im Anfange der Xoyo; des
Wort äieLehre war.Auch in dem von uns bereits angeführ¬
ten Aufsatze: Das ABC der talmudischen Ethik haben
wir gezeigt, dass schon der Talmud loco citato das aleph
mit lehren wieder gibt, und das beth nicht von bajith
Haus, sondern von binah die Einsicht, das Wissen her¬
leitet. Aus HJ*— aDer ( imt hebräischen Buchstaben
konnte ein christlicher Mystiker leicht p Sohn machen.
Die 3 ersten Buchstaben des Alphabets dienten aho gleich¬
sam zur Verherrlichung der Dreieinigkeit, aleph wäre der
Gott Vater, Beth der Sohn, und gimel als vox wäre der
heilige Geist, das bath kol ^IJ^ m Dona parte. Auf
diese Weise wird es uns leicht verständlich, dass beth in
diesem hebräisch - englischem Alphabet das Leben be¬
deutet; wenn die Lehre das Leben, den Kern des Lebens
ausmacht, so darf man wol beide identißeiren. Nach dem
Neuen Testamente ist das Wort, der Aoyoc das Leben,
und so braucht man nicht, wie A. Darmstetter diess thut,
das beth in heth umwandeln.
Die Bedeutung des gimel als plenitudo lässt sich leicht
aus der sämtlichen semitischen Sprachen gemeinsamen
Wurzel gam häufen, vermehren erklären, dzamia
Versammlung ist ja durch die mohamedanische Liturgie
bekannt, und daraus dürfte dann die Bedeutung öffentlich
verkünden, also vox entstanden sein.
Auch das Daleth lässt sich durch die Methode des
Anagrammatisirens, die im Mittelalter sehr im Schwünge
war, leicht als nativitas Geburt erklären; nH^ (ledeth)
heisst ja das Gebären, ein substantivisch gebrauchter
Infinitiv; die Bedeutung iimar Furcht kann sehr leicht
aus dal schioach, arm, furchtsam abgeleitet werden.