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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT.
Auch des Waio als signum Zeichen ist nicht schwer
zu erklären, wenn man an das Wort thav Zeichen
denkt, dass man in falscher Etymologie wol von waw ab¬
leiten konnte.,.
Übrigens ist zur Erklärung dieses ganzen Alphabetes die
Stelle im babylonischen Talmud, Tractat Sabbat fol. 104 ä
unentbehrlich. He und vav werden daselbst als Zeichen
Gottes ^ gebraucht, so dass var ganz gut als signum er¬
klärt werden kann, Raschi (H. Salomo Jizchaki de Troyes)
fügt erklärend die stehende Formel v ( "jv ^ hinzu.
Auch die Bedeutung des Zain als doctrtna teehing Lehre
ist nicht so unbegreiflich; man braucht nur auf die Be¬
deutung des Verbum's aufmerksam zuhören zu denken,
um den Sinn Lehre zu erhalten. Die Bedeutung Leben
hängt jedenfalls, worauf übrigens schon ( x ) Bonnard hin¬
gewiesen mit dem griechischen 3,v „leben" zusammen.
Dass thet bönüs gut bedeutet stimmt wörtlich mit der
von uns angeführten Stelle, wo wir zu thet lesen nSpi""!
ib wozu Raschi ausdrücklich bemerkt n*E5
das heisst, dass das thet der Anfangsbuchstabe Anlass
gegeben zur Deutung tob gut.
Auch die Bedeutung des caph als operacio, werching
Arbeit iässt sich &ehr leicht aus Tier hebräischen Redens¬
art "pT TW$fo wo oei der Begriff der Hand als als
zur Arbeit am geeignetsten erscheint, ableiten. Caph
ist ja mit Jod die Hand synonym. Man vgl. übrigens
die interessante Analogie, die zwischen dem deutschen
Hand und Handlung besteht, und beide Worte sind ja
auch in der That etymologisch verwandt.
Awra sensus „Sinn" könnte mit dem griehischen voO: erklärt
werden (siehe: zain mit griechischen w'?)v verbunden,) ( 2 )
Biographie Ezechia Luzzatto
(Schluss.)
Nun erschien ihm in der Nacht eine Vision, die ihm
sagte, dass er ein Engel sei, dem sein Commmetar ge¬
falle, und ihn mit dem priesteiiichen Segen
■"p-Q^ und nicht mit ^ Glück Zufall: deshalb betitelte er
seinen Commentar mit H THp IpT^b 0)
(') Dass solche Deutungen übrigens durchaus nicht auf man¬
gelhaften Sprachkenntnissen beruhen, sondern bloss ein Spiel mit
den Worten bedeutet, habe ich ausführlich in meiner Schrift: Das
Unterrichtswesen zur Zeit Karls des Grossen (Separatabdrnck aus
der paedagogischen Wochenschrift: Die Deutsche Schule von Christi¬
an Notitz) nachgewiesen.
( 2 ) Die Literatur dieser Deutungen behandeln: Jellinek in
seinem Beth hammidrasch p. XIV. - XVII, Graetz' Monatsschrift II
429 und Zunz Gottesdienstliche Vorträge p. 168.
Q) Er hatte ein Buch unter dem Titel [-QHK
D^jfcJ? \1HH H'p'H^ als Commentar zur Bibel begonnen, aber
mit cabbalistisch-philosophischer Tendenz, mit Betrachtung über
ilHtOTlÜ un d ein sonderbare Berechnung der Jahre der ersten Patri¬
archen und über deren Alter. Von diesem Commentare bestehen nur ei¬
nige Blätter,die bis zur Parascha Noah reichen.
Dieser Bibelcommmentar verdient ein ernstes Studium
von Seiten der Philologen. Es unterliegt keinem Zweifel,
dass dieser Commentar von Ezechia Luzzatto herrührt,
denn ''m Commentar zur Stelle QrpDX *TH spricht er
von denen die schlechtes befürchteten und denen Gutes
zu Thetl wird, wie z. B. Josef mch Ägypten gebracht
wurde und die H3DX beirathete, Mose nach Midjan
kam die Zippora heirathete, und später sogar der
König seines Volkes wurde, ebenso, sagt Ezechias, er-
gieng es meinem Vater Benetto dem Sohne David's der
aus San Daniel vertrieben, nach Triest gieng und daselbst
nicht nur seinen Unterhalt, sondern auch Ehemänner
für seine Töchter fand, und auch ich gieng, um einem
Ebräer zu dienen, blieb nur einen Tag daselbst, wurde
ohne Grund entlassen und fand dort Mariam Regina,
mein Weib und mein Glück; denn Gott fehlt es nie an
Mittel zum Heile.
Dieses Manuscript, wie die übrigen, voll von gram¬
matischen und orthographischen Fehlern, wurde von dem
Sohne (S. D. L.) sorgfältig abgeschrieben, verbessert und
vervollkommnet. Noch ein anderes ist in dem corrigirten
Manuscript zu bemerken: Zur Stelle: Siehe ich habe
1000 Silbersekel deinen Bruder gegeben (Gen. XX, 16)
ist der handschriftliche Commentar Luzzatto's fast wörtlich
übereinstimmend mit dem des berühmten Isac Reggio.
Von diesem interessanten Commentar besteht ein un-
corrigirtes Manuscript das bis zum 31. Capitel des IV.
Buches Mosis reicht; der Commentar aber mit ver¬
besserten Texte reicht nur bis zum 16. Capitel des
Exodus.
Commentar zu den Psalm.
Der handschriftliche Commentar zu den Psalmen zeigt
uns den Drechsler und Maschinenfabrikanten Ezechia
weit vorgeschritten in den Wissenschaften, die damals
bekannt zu werden anfingen. Die Stelle □'Hm
Db'p w * rü \ w * e folgt von Ezechia erklärt:
Keine Rede, kein Wort (kommt von ihnen,) auch hört
man ihre Stimme nicht, aber obwohl stumm, machen
sie es bekannt, dass die Sonne fest steht, und sich
nicht bewegt, und dennoch verbreiten sich die Sonnen
strahlen über die ganze Erde (£?E'£TH "Ip-Sonnen-
| strahl), weil wenn die Sonne nicht feststünde, könnte
\ sie nicht die ganze Erde beleuchten, und davon spre-
| chen die Menschen an allen Enden der Erde □,—1 ^£
| Die Sonne steht fest in ihrem Zelte im Himmel und be-
I wegtsich von Osten nach Westen. Und so sind die Reden der
; Menschen: TIBiriS K¥V ]ni"D KW DHHD1 T\bw
denn wenn sie sich drehen würde, könnte man nicht sagen
| HIETO nnD5 | S NT Dieser Gedanke, dass die Sonne fest steht
und die Erde sich dreht, erscheint wieder in Ezechia's
| Commentar zu Kobeleth u. z. zur Stelle 'ßfölVtl !"Hm
! wozu er bemerkt: Einige glauben, dass die Sonne sich um