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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT.
es heisst: ich will, geheiligt sein in der Mitte der Kinder
Israels und es ist strengstens gewarnt, ihn nicht zu
entweihen, denn es heisst: ihr sollt nicht entweihen nieinen
heiligen Namen ( 3 ).
Unsere Rabbinen haben wegen der Heiligung des gött¬
lichen Namens die Ausübung der Sittengesetze gegen
Nichtjuden mit besonderen Nachdrucke angeordnet und
sagten, dass die Bestrafung bei der Nichtbefolgung der¬
selben gegen Nichtjuden eine grössere ist als gegen
Juden, weil die strenge Möralität gegen Nichtjuden eine
pflichtgemässe Heiligung des göttlichen Namens ist, wie
die entgegengesetzte Handlungsweise, welche das Juden¬
thum in den Augen Andersglaubender herabsetzt, eine
Entweihung des göttlichen Namens
Die Beraubung eines Nichtjuden ist nach der Tosefta
Baba kama Cap. 10 nicht blos in gleicher Weise, wie
die eines Israeliten, sondern noch stärker verpönt, insofern
sie eine Entweihung des göttlichen Namens involvirt,
welcher als der schändlichste Frevel gilt; schwerer, weit
schwerer zu sühnen als irgend eine andere Missethat, denn
hat Jemand, heisst es in der Mischnah. Joma 86, sonst ein
Verbot übertreten und Busse gethan, so bringt der Ver¬
söhnungstag ihm die Sühne; wer sieh aber der Entweihung
des göttlichen Namens schuldig gemacht, hat an der Bus¬
se am Versöhnungstage, ja selbst an den Leiden noch
nicht der Sühnemittel genug, der Tod erst tilgt sein
Vergehen.
Folgende Erzählung kennzeichnet die Ethik im Juden-
thume gegen Nichtjuden: In Jeruschalmi wird erzählt:
Simon b. Schetach ernährte sich kümmerlich mit Flecht¬
arbeit. Ais ihm seine Jünger einst von einem heidnischen
Araber zu seiner Erleichterung einen Esel kauften, fan¬
den sie an dessen Halsband einen Edelstein und riefen
hocherfreut: Der Segen Gottes macht reich. Er aber
fragte, ob der Verkäufer davon gewusst habe. Als die
Jünger das verneinten, rief er mit Entrüstung: Ist Simon
ben Schetach etwa ein Barbar V Den Esel kaufte ich, nicht
aber den Edelstein, traget diesen wieder dem Araber zu¬
rück! In seiner Erwartung, dem Heiden dadurch Hoch¬
achtung gegen das Judenthum einzuflössen, hatte er sich
nicht getäuscht; denn der Araber rief, als man ihm den
Edelstein zurückbrachte. Gebenedeit sei der Gott des
Simon ben Schetach dir gepriesen sei die Religion,
welche zu solcher Gewissenhaftigkeit anleitet wie Simon
sie kundgegeben.
(Fortsetzung folgt.)
( 8 ) Maimonides Jesode Hathora 5. a
( 4 ) Bab. Meziah 11. 5. Debarim rabba cap. 3.
Biographie von S D. Luzzalto.
(Fortsetzung)
-
VI. Anhang.
Bemessungen der Durchmesser und Krüm¬
mungen des Kopfes von S. 0. Luzzatto,
vorgenommen von Prot. Ludwig Brunetti und vom Dr. Marcus
Osimo.
Umfange und Krümmungen.
I 1. Der Umfang der sich an dem Gypsabdruck an der
Basis findet, und welcher die Protuberantia oeci-
pitalis, die stark hervortretend ist, durchstreift, und
längs den oberen Rändern der beiden Orbita läuft,
d.h. längs der Augenbrauen auf dem mit der Haut
versehenen Kopfe betrug 57 Centimeter. Die Hälfte
dieses Umfanges. d.h. von der Hälfte der Protu¬
berantia occipitalis bis zur Hälfte desRaumes zwischen
den Augenbrauen, beträgt 28Vi? Cm. folglich ist
der Kopf ein symmetrischer.
Der Umfang m Gyps, der die Schödelwölbung dar-
! stellt, beträgt 55 Cm.
2. Der Umfang, von dem vom 1. Umfange 4 l/ , Cm.
früher, und 4 Centimeter später genommen wurden,
u. z. auf dem mit der Haut bedeckten Kopftheile
beträgt 58*5 Cm., auf dem blossen Kopfe (ohne
Haut) 55'5 Cm.
| 3. Der Umfang von der Protuberantia occipitalis bis
Glabella längs der Pieilnaht, dh. die Schädelwölbung
von rückwärts nach vorne auf dem mit der Haut
bedecktem Kopfe beträgt 37 Cm. Der entblößte
Schädel allein hat 319 Cm, während der in Gyps
nur 33'8 Cm. hat. weil in diesem jener Zug der
von dem intersuperciliarem Centrum und der
Nasenglabella geht, welches die Vertiefung der
Nasenwurzel ist, sich.nicht findet.
4. Umfang, bemessen von dem einen äusseren Gehör¬
gang zum anderen, parallel mit der Kranznaht,
durch einen Punkt zum Scheitel gehen, vom inter¬
superciliarem Centrum 20 Cm. entfernt und um¬
fassend die Dicke der Ohrmuscheln zusammenge¬
druckt und ausgedehnt, betrug auf der Leiche
38 Cm. Wenn man die Dicke der Ohrmuscheln,
die auf 1 Centimeter berechnet wurden, abzieht,
bleiben 37 Cm. — Am entblössten Kopfe sind 35
Cm. auf dem Gypsabdruck sind nur beinahe 34, weil
die beiden Gehörgänge sich unter dem Gypse be¬
finden, also nicht darauf dargestellt sind.
5. Umfang, bemessen von einem Gehörgang zum anderen,
ausgehend vom Scheitel um 11 Millimeter von und
später correspondirend den 2 vorderen und hin¬
teren stark ausgeprägten Theilen zusammengenom¬
men die Dicke der beiden Ohrmuscheln beträgt 39
Cm. ohne ohne diese Dicke 37*9 Cm. Auf dem
entblössten Schädel sind 35'4 Cm. in Gyps finden
sich nur fast 35, aus dem angeführten Grunde des
Mangels eines dargestellten Gehörganges.