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Gruppenverband, der Palästina-Zentrale
und der Jugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland.
Inhaltsübersicht
1. Zur Tagang des Schweizerischen Gruppenvorstandes.
— 2. Agudas Jisroel und Zionistische Organisation.
— 3. Erez Jisroel — Palästina: Rabbiner I. Horovkcz-
Jerusalem. — 4. Auch eine Registratur: Markus
Seckbach-Halberstadt. — 5 Aus unserer Bewegung:
Frankfurt a. M. — Frankfurt a. M. — Krakau. —
Bratislava. — Tirnau. — Wien. — Wien. — London.
— 6. Spendenliste. —
Zur Tagung des Schweizerischen
Gruppenvorstandes.
Zu dem in der vorigen Nummer der „Blätter"
veröffentlichtenBericht desSchweizerischenGruppen-
vorstandes der „Agudas Jisroel" über deren
Sitzung am 2. Januar sind uns eine Reihe von
Zuschriften zugegangen, die im Wesentlichen über¬
einstimmend der Verwunderung Ausdruck darüber
verleihen, daß von den Leistungen der Schweize¬
rischen Landesorgantsatlon selber im abgelaufenen
Kalenderjahr nichts berichtet wird, wir hoffen,
noch eine Ergänzung in diesem Sinne unseren
Lesern bieten^u können. So schweigsam der
Bericht über die Leistungen ter schweizerischen
Organisation hinwegblickt, so beredt ist er in der
Würdigung und in der Kritik der allgemeinen
Agudatätigkett, insbesondere der Preßburger
Beschlüsse, nur scheinen die Kritiker nicht in
Preßburg gewesen zu fein, sonst hätten sie sich
davon überzeugt, daß die Majorität der dort
anwesenden Rabbiner nicht westeuropäisch war,
und daß ferner der Preßburger die talmudische
Ausbildung bezügliche Beschluß fich lediglich auf
Jeschiwaus, nicht aufChadorim bezieht. Daß
es aber — soll die Thora nicht, Gott behüte, in
Israel verlöscht werden — solcher Anstalten
bedarf, die lediglich dem Thorastudtum gewidmet
sind, ist bis zum heutigen Tage durch die Art
oes westeuropäischen Lamdonus — nicht widerlegt,
sondern nur bekräftigt worden. In Bezug auf
die Stellungnahme zum Misracht hat Herr
Botschko das nämliche gewünscht, was die Leitung
der Aguda bereits erfolglos versucht hat,
nämlich den Misrachi aufzufordern, gemeinsam mit
der Aguda einen neutralen — weder zionistischen noch
agudisttschen — orthodoxen Block zu bilden, dessen
Aufgabe die Förderung des orthodoxen Schul¬
werks in Palästina sei. Noch vor der Preßburger-
Konferenz hat der M isrächt diese Aufforderung
ebenso ab gelehnt wie er dieses neuerlich in
London tat. Als unabweisbare Konsequenz davon
wurde in Preßburg der Beschluß gefaßt, selbständig
vorzugehen. Wir stnd überzeugt, daß unsere
Schweizer Freunde prinzipiell, wie sie dieses auch
aussprechen, im Zionismus eine Förderung des
dem Thorageiste feindlich gesinnten Schulwerks
erblicken, und darum ihrerseits den Zionismus
zu fördern — auch sud nomins Misrachi —
selbst auf die Gefahr hin für unrecht erachten,
daß die gute Zensur der „Jüdischen Presse" für
die „freien Schweizer" sich verschlechtern würde.
AgubaS Ziöroel
und Zionlfilsche Organisation.
Wir finden im Amsterdamer „N i e u w Js-
raelitsche Weekblaad" folgende beachtenswerte
Ausführungen:
Wie wir vernehmen, hat der Aguoovcrtreter in
Niederland, Tr. Jonas Simon, Kenntnis genommen
von der Konferenz zwischen Herrn Oberrabbiner
A. S. Onderwyzer und Prof. Weizmann. Tr Simoi
hat sich nach der Konferenz nach Frankfurt begeben,
um mit den leitenden Perfonen zu beraten über die.
durch die Agudo einzunehmende Haltung in dieser
Sache. Tr. Simon selbst ist, nach unserem Wisten, nicht
ablehnend gegen eine Besprechung zwischen den zio¬
nistischen und agudistischen Führern.
Tas Hauptorgan der Agudo, der Mainzer
Israelit, ist dagegen weniger zugänglich. Noch in der
jüngsten Nummer war konstatiert, daß ..die zionisti¬
schen Leiter in den letzten Wochen scheinbar ohne
durch die Umstände gezwungen zu sein, ein b'solideres
Verlangen nach Uebereinstimmnng mit der Orthodoxie
zeigten," meldet das Blatt den ofsizrellen Verlauf
von der Zusammenkunft zwischen unserm Oberrabbiner
und oem Herrn Weizmann, sowie das auck in
unserer Nummer vom 14. Januar ds. Is. ausge¬
nommen war. Wie man weiß, hat Herr W'iz-
mann erklärt, daß er versuchen will, mit oer organi¬
sierten nichtzionistischen Orthodoie zur Nebereinftim-
muug zu kommen, vorausgesetzt, daß von der Agudas
Jisroel der Wunsch hierzu an die zionistische Or¬
ganisation bekannt gemacht wird.
Tas sehr geehrte Frankfurter Organ bemerkt
hierzu: „Wir glauben nicht, daß die Agudas Jisroel
sich beeilen wird, oen Andeutungen von Pros. W.
Folge zu leisten. Mehr als ein Jahr hat das zio¬
nistische Zentralbüro alle Bemühungen der Orthodoxie,
zu einer Verständigung in Emigranten- und Paßange--
legenheitcn zu kommen, mit konsequenter Nichtachtung
oder mit nichtigen Ausflüchte r vereitelt. Tie
Agudas Jisroel hat dieses Verhalten der Zionistischen
Organisation mit dem Beschlüsse beantwortet daß
die Agudas Jisroel Leitung selbständig ihre Wege
gehen wird und sich in ihrer positiven Arbeit, nicht
länger durch ewige Unterhandlungen lähmen lassen
wird. Man wird nun dieserseits abzuwarten haben,
welche Wünsche der Zionismus aus dem .Herzen hat."
Aufmerksamkeit verdient ebenso, daß das agu-
diftlsche Hauptorgan auch nach den vielen schlechter
Erfahrungen sich prinzipiell nicht ablehiend zü einer
Aussprache mit der Zionistischen Organisation zeigt,
obgleich, im Gegensatz zu Weizmann, \k sieb nicht zun:
Zionismus wenden wird, aber abwartet, welche
Vorschläge man von zionistischer Seite machen wird.
Wir wollen jedoch unsererseits erklären, daß wir
betreffs Aussicht aus Zusammenarbeiten zwischen der
zionistischen und orthodoxen Organisation etwas skep¬
tisch gestimmt sind.
Wenn dieses bereits von der Zufannn, narbeit
zwischn dem Zionismus und einer Organisation wie
die Alliance gilt, so ist das besonders der Fall bei
einer eventuellen Zusammenarbeit mit der Agudo,
welche umfassend abgrenzt das Wewi des Juden¬
tums, die Heiligkeit der Thora, die Sendung vor
Israel und das Auftreten von Israel in der Welt¬
geschichte, die von der zionistischen Organisation so
himmelweit abweicht. Tarnm wird man bei der
Zusammenarbeit, falls sie zustande kommen soll, aus
fast unüberwindlich' Schwierigkeiten stoßen. Will
die Agudo doch das Risiko auf sich nehmen, so trägt
sie selbst hierfür die Verantwortung.
Wenn dennoch eine gemeinschaitliche Aktion für
den jept Zionistischen AnfbausvndS —, denn darum
handelt es sich doch —, zustande kommen sollte,
dann wird der Teil der nichrzionisttschen Welt, der
hierzu bereit ist, tu jedem Fall gut festgesetzte Be¬
dingungen stellen müssen, woraus zu ersehen sein
muß, daß „jüdische Volk" mit dieser Aktion sich nicht
von seiner Tradition entfernt, die ihm die Pflicht
auierlegt, gute Staatsbürger und gute Juden zu
sein. Weiches die Bedingungen sein müssen, hoffen
wir in einem folgenden Aussatz aizugeben.
Wir zweifeln nicht daran, daß die Londoner
Zentrale der „Agudas Jisroel" an die vom
Amsterdamer Oberrabbinat angeregte Frage nicht
ohne engste Fühlungnahme mit den Landes--
Organisationen herantreten wird, und wir
hoffen, daß auch unser Gruppenverband eben¬
sowohl wie die großen Agudaverbände im Osten
Gelegenheit haben werden, ihre Meinung in die
Wagschale zu werfen. Sehr wünschenswert wäre
die rasche Konstituiernng des „Zentralrates".
Man begreift wohl, daß die neue Londoner
Leitung etwas Zeit haben muß, um sich in die
Geschäfte klnzuarbeiten, aber wir fürchten eine
schwere Schädigung der Aguda Interessen, wenn
das Provisorium einer Weltorganisation ohne
legales Beschlußorgan länger andauert.
Aez Zisroel - Palästina.
Im palästinensischen Staaisrat Hot Tr. Sa lim
vom Standpunkte der Araber dagegen protestiert,
daß auf den Palästina-Briefmarken neben der Be¬
nennung v n:i in jüdischer Ouartschrist auch noch
die hebräischen Anfangsbuchsten als Abreviatur
für die Bezeichnung StnP' pK figurieren. Wenn vor
zwei Tausend Jahren Palästina so genannt wurde,
war es doch auch als „Land Kanaan" und als das
„Heilige Land" bekannt. Tavid I e l i n von jü¬
discher Seite protestierte gegen den Namen „Palästina"
als offizielle hebräische Bezeichnung unter Anführung
von Beweisen aus dem neuen Testament, aus der
Talmudifchen Konkordanz von Kassovsky und aus
nichtjüdischen geographischen Schriften, daß seit mehr
als 2000 Jahren nur „Erez Jisroel" der Name
dieses Landes war. Ter .High Kommissioner, Sir
Herbert Samuel, führte aus, daß ihm bei Fest¬
stellung dieser Bezeichnung bekannt war, daß in der
hebräischen Sprache nur Erez Jisroel als
Hauptnamen gelte. Aus praktischen Gründen
jedoch,' weil dieser Name in der großen Welt nicht
geläufig ist, habe er den bekannteren Namen „Pa¬
lästina" in hebräischen Schriftzeichen aufdrucken lassen,
dabei aber die Anfangsbuchstaben *'-'x htnzugefügt,
von denen jeder Schristkundige lveiß, daß. hier Erez
Jisroel gemeint sei. Ter High Kommissioner ist
noch immer der Meinung, daß diese os,izielte Doppel¬
bezeichnung gut gewählt fvi.
In der nächsten Sitzung soll oer Staatsrat die
Diskussion über diese Frage fortfetzen.
Daß der Name „Palästina" von „Pelischtim"
(Philistäervolk') abzuleiten ist, unterliegt wohl keinem
Zweifel. In den einschlägigen Forschungen wird die
Ansicht vertreten, daß dieser Name auf Kaiser Hadrian
zurückzuführen fei. Tiefe Annahme ist nicht stich¬
haltig. Im Propheten Zephania 2,5 aeißt es aus¬
drücklich : p# sprb oa'Sy 'n nan dtto 'U San wv
etspSb „Bewvhner des Landstrichs am Meere,
Volk der Kreter! Des Ewigen Wort über Euch
K a n a a n, Land der P h i l r st ä e r". In dieser
Weissagung find auch die Städte der Pe lisch tim
namentlich aufgeführt. Tie Benennuig „Palästina"
oder „Land der Philistüer" erfährt also hier eine
geographische Einschränkung und kann in dieser
Betonung aus das jüdische Erez Jisroel, also auf
das damalige und heutige Gesamtvalästina, keine
Anwendung finden, lieber den Ursprung der P>
lischlim und deren Stammsitz sind die "Meinungen
nichtjüdischer Forscher sehr verschieden. Tie zerstreuten
Angaben des jüdischen Schrifttmus geben darüber
recht interessante Ausschlüfse. Die Insel Kreta
war wohl der Stamnrort der Pelischtim, bezw. der mit
ihnen verwandten K a p h t o r i m. In den ersten
biblischen Aufzeichnungen wird berichtet, daß Mizraim
(Egypten) und Kanaan (Palästina) von den Nach¬
kommen der gleichnamigen Entelsöhno Noas bevölkert
waren. Tie Pelischtim bezw. Kaphtorim lverden hier
zum Völkerstamm der Egypter gezählt. Bon diesen
rvird irr Teuteremvnium 2, 23, folgendes berichtet:
„Tie Awim (nach Nachmanides ist hier von dem
Volksstamm Ehiwi die Rede), welche in Gehöften
bis Asah wohnten, haben die aus Kaphtvr ausge-
zogenen Kaphtorim vernichtet und sich an ihre Stelle
niedergelassen." Auf dieses Ereignis weist hin der
Prophet Amoö 9 . 7 : „Habe ich doch Israel aus dem
Lande Egypten geführt, wie oie Vechchtim aus
Kaphtor."
Tie kriegerischen Beziehungen der Philistäer zum
jüdischen Volke setzten jedoch erst gegcn Ende der
Richterzeit ctu und das hat fttn» historisch* B*-
gritndun-,