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Ukraine:
Mraham I. Hornstein, Kiew.
In Bezug auf O r g a n i s a t i o n wurde zu¬
rrächst folgende Verteilung der Kompetenzen und
Geschäfte innerhalb der Agudah beschlossen:
I. Exekutiv-Komitee London und
Central Office 0 f A g u d a s Jisroel.
a) Vertretung der Gesamtorganisation nach
außen, sowohl in der Presse wie vor Be¬
hörden.
b) Schaffung und Ueberw-achung der Agudah-
Landesorganisationen
1. in organisatorischer,
2. in finanzieller 5)insicht.
A. In o r g a n i s a t o r i s ch c t Hinsicht übt
das Londoner Exekutiv-Komitee seine Befugnisse
durch Vermittlung des Zentralbüros Ost in Wien
aus, soweit es sich um die östlich vorr Deutsch¬
land bezw. Oesterreich liegenden Länder Europas
und um Erez Jisroel handelt.
8. In sinanzie l l e r Hinsicht ubt das
Londoner Exekutiv-Komitee in allen Ländern
seine Befugnisse direkt aus. Es ist also ins¬
besondere dafür verantwortlich, daß die Orts¬
gruppen die ihnen obliegenden finanziellen
Leistungen den Landesorganisationen gegenüber
und die Landesorganisationen der Gesamtorgani¬
sation gegenüber nach den Beschlüssen des Zen¬
tralrates pünktlich erfüllen.
C. Die Bearbeitung der politischen Erez
Iisroel-Angelegenheiten. >
D. Die Initiative zur Veranstaltung
von Sammlungen für Thorazwecke oder soziale
Zwecke, sowie von Hilfsaktionen politischer und
sozialer Art. -
Das dem Exekutiv-Komitee der Agudas Jis-
roel unterstehende Büro führt den Namen „Cen¬
tral Office of Agudas Jisroel". Das Budget
des Central Office ist in den Gesamt-Voran¬
schlag der Agudas Jisroel einzustellen. Das Exe¬
kutiv-Komitee in London ist hinsichtlich der all¬
gemeinen. Prinzipien seiner Tätigkeit an die Be¬
schlüsse des Zentralrates gebunden und soll sich,
so weit wie technisch nur irgend durchführbar, auf
dem Wege der Korrespondenz und häufiger per¬
sönlicher Aussprachen in steter Fühlung mit dem
Geschäfts - Ausschuß iG.-A.) des Zentralrates
halten.
II. Zentralrat u u b Zentralbüro O st.
Der Zentralrat ist die oberste Beschlußbe¬
hörde der Agudas Jisroel, tritt jedoch nach außen
lediglich durch Vermittlung des Exekutiv-Komi-
Stimmungsbilder
aus den Zenlralratssihmigen.
Wien, 31. März.
Ein Teilnehmer an der Sitzung schreibt uns:
Dem westeuropäischen Teilnehmer an der
denkwürdigen Sitzung des Zentralrates der Agu¬
das Jisroel, insbesondere dem deutschen, werden
seine ursprünglich vorhandenen Bedenken, sich den
Mühen einer Reise nach Wien zu unterziehen,
nachträglich fast unbegreiflich erscheinen. Jedem
einzelnen von uns ist es ein inniges Herzens¬
bedürfnis, laut vor alter Welt zu bekennen,
welch unauslöschlich tiefen Eindruck er von dieser
Tagung erhalten und welch befriedigendes Ge¬
fühl der Zusammengehörigkeit aller Jereim im
Osten und Westen uns erfüllt hat.
Schon am-Montag, den 28. März, ver¬
sammelten sich die Vertreter der Palästinazen¬
tralen, soweit diese schon in Wien eingetroffen
waren, im großen Sitzungssaal des Ägudoh-
büros in der Malzgasse, um zu den Erez Jis-
roelfragen im engeren Kreise Stellung zu ireh-
men. Es galt hier nicht bereits bindende Be¬
schlüsse zu fassen, vielmehr in Form einer Vor¬
beratung schwierige Fragen zu klären und die
verschiedenen Standpunkte klarzulegen.
Am späten Abend folgten die Delegierten
einer Einladung der Wiener Jugendgruppe in
ihr geräumiges Vorsammlungslokal, von dessen
Wändsn hie Bilder berühmter Tälmidei Chacho-
„Glätte r."
tees in London in die Erscheinung. Der Zen¬
tralrat soll jährlich einmal zu einer ordent¬
lichen Tagung zusammenbernfen werden.
Die Aufgaben des Zentralrates sind:
a)Die .Vorzeichnung der Richtlinien für die
gesamte Tätigkeit der Agudas Jisroel.
d) Die Aufstellung des Finanz-Voranschlages
für die Gesamtorganisation und die von
ihr betriebenen Büros und Sonderinsti¬
tutionen.
(?) Die Beschlußfassung über die Deckung des
Finanzbedarfes.
Der Zentralrat wählt:
a) ein Präsidium aus mehreren Mitgliedern,
b) einen geschästsführenden Ausschuß (G.-A.),
c?) eine Finanzkommission von 3—5 Mit¬
gliedern.
Von den Mitgliedern des G.-A. sollen je
4 und je 3 womöglich an einem und oemselben
Orte wohnen und alle 7 sollen in stetiger enger
Fühlung mit. einander arbeiten. Es ist die Aus¬
gabe. jeder der beibeu Gruppen des G.-A. mit
den ihnen erreichbaren Mitgliedern des Zen-
tralrates bei wichtigen Angelegenheiten in Be¬
ratung zu treten.
Die Verteilung der einzelnen Ressorts (Or¬
ganisation, Propaganda, Finanzen, Politik,
Chinnuch, Erez Jisroel, Presse) an geeignete
Fachleute innerhalb des Zentralrates wird durch
eine Zuwahl von 7 Mitgliedern des Zentral¬
rates in den Ausschuß ermöglicht, welche an allen
Sitzungen des G.-A. beiwohnen, aber als Ersatz¬
männer an Abstimmungen nur als Vertreter
eines Mitgliedes teilnehmen können.
Die Mitglieder des Präsidiums können an
den Sitzungen des G.-A. stimmberechtigt teil¬
nehmen.
Dem G.-A. des Zentralrates untersteht dis
Zentralbüro Ost in Wien.
Tie Aufgaben des Z e n t r a l b ü r o s Ost
sind folgende:
1. Tie organisatorische Ueberwachung Amt¬
licher östlicher Landesorganisationen gemäß
Ziffer I A in Vertretung des Londoner
Exekutiv-Komitees;
2. die Herausgabe des „Haderech";
3. der Betrieb der Emigrationszentrale der
Agudas Jisroel;
4. die Ausführung der vorbereitenden Arbei¬
ten zur Einberufung der Kennessio ge-
dauloh;
5. die Ausführung der vorbereitenden Arbei-
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mim herabblicken. Nach den Begrüßungsreden des
Vorsitzenden der Jugendgruppe und des Vor¬
standes der Adas Jisroel hielten fast alle 'Dele¬
gierten Ansprachen au die in erdrückender Zahl
Erschienenen, um zu versichern, welche Gefühle
der herzliche Ernpfang durch die Wiener Jugend
in jedem einzelnen, von uns auslöse und wie sehr
die Leitung der Agudas Jisroel auf die Un¬
terstützung der Jugend als Träger der Zukunft
in den schweren Zeiten rechne.
Am nächsten Morgen fand zunächst die Be.'
ratung der Palästinazentralen ihren Fortgang
und zeitigte das erfreuliche Resultat, oaß sie
sehr wichtige Frage der Organisierung unserer
Palästinaarbeit in prägnanter Form sestgelegt
und zur Vorlage in der Plenarversammlung
des Zentralrates formuliert werden konnte. Nach¬
dem nunmehr fast alle Delegierten mit Aus¬
nahme der polnischen, die erst am Dienstag
Abend erwartet werden konnten, erngetroffen
waren, wurde die Tagung des Zentralrates am
Dienstag Mittag durch den zum Leiter der Ver¬
sammlung erwählten unermüdlichen Führer des
Wiener Zentralbüros Rabbiner I)r. Pinchas
Kohn eröffnet. Neben der Regelung der Finanz-
fragen und der Erez Jisroel-Angelegenheiteu
stand vor allem zur Beratung, wie die Ueberlei-
tung der Geschäfte vom Provisorischen Komitee
auf den Zentralrat und die Verteilung der Kom¬
petenzen auf die einzelnen Organe erfolgen soll¬
ten. Es kann heute, wo die Verhandlungen
ihren Abschluß noch nicht erreicht haben, nicht
unsere Aufgabe jein 4 über die Einzelheitel! und
7. April 1631.
ten zur Bildung des räbbinischen Rates;
6. der Betrieb der österreichischen Palästina-
Zentrale der Agudas Jisroel;
7. die Errichtung und der Betrieb eines Ju¬
gend-Amtes der Agudas Jisroel.
Die Finanz-Kornmission ist dem
Zentralrate für die Einhaltung des Voranschla¬
ges und die Verwaltung der Finanzen nerant-
wörtlich.
Die Pal äst ina tätig feit der Gesamt¬
organisation erstreckt sich aus vier Gebiete.
a) Politische Angelegenheiten.
b) Organisatorische. Angelegenheiten.
c) Uebersiedlungsangelegenheiten.
d) Wirtschaftliche und kulturelle Arbeiten im
Lande und Beschaffung und Verwaltung
der hierzu notwendigen Geldmittel.
Die Abteilung a) untersteht dem Exe-
ku tiv-Komitee in London, d) und c)
ber Palästina-Zentrale in Wien, d)
derjenigen in F r a n k f u r t a. M
Hierbei ist selbstverständlich vorausgesetzt,
daß jede der drei Stellen lediglich die Initiative
auf den ihr übertragenen Gebieten in Anspruch
nimmt, daß aber die Verwirklichung irgend
welcher Pläne namens der Gesamt-Agu-
dah nur im Einverständnis aller Zentralen be¬
schlossen werden kann. Die Durchführung selbst
obliegt dann wiederum derjenigen der Zentralen,
die für das betreffende Arbeitsgebiet verant¬
wortlich ist. Für das Zusammenwirken der drei
Zentralen ist der G.-A. des Zentralrates ver¬
antwortlich.
Jede Palästina-Zentrale ist verpflichtet, dem
G.-A. spätestens am Ende jedes Kalenderviertel-
jahres über die Tätigkeit, ihre Pläne und die
Höhe der von ihr gesammelten und verwalteten
Fonds einen genauen Bericht zu erstatten.
Die Palästina-Zentrale jedes Landes ist be¬
rechtigt, für ihre Landesorganisation
aus deren Mitteln und in deren Namen beson¬
dere Erez Jisroel-Arbeit zu leisten, soweit der
Zentralrat nicht im Hinblick auf die Interessen
der Gesamtorganisation gegen die Aussührrmg
Widerspruch erhebt.
Es wird dem geschästsführenden
Aus sch u ß aufgetragen, die Verteilung der
Ressorts im Laufe der nächsten zwei Wochen
vorzunehmen.
Der rabbinische Rat soll nach den
Weisungen der anwesenden räbbinischen Größen
in folgender Weise konstituiert werden. Jede
die Ergebnisse der Tagung zu berichten. Es
liegt uns vielmehr am Herzen, ein allgemeines
Stimmungsbild dem Leser unserer ,,Blätter" zu
vermitteln.
Während bel den Vorberatungen noch der
Westen bezüglich der Zahl der anwesenden Dele¬
gierten hauptsächlich vertreten war, füllte sich
im Laufe des Dienstags allmählich der Saal
mit den Persönlichkeiten, welche unserer, das
Prinzip der Tauroh verkörpernden Organisation
ihr Gepräge verliehen. Der Westen, Deutsch¬
land, Holland, Schweiz, England, traten in den
Hintergrund und der Osten dominierte. Und
nicht nur äußerlich. Allmählich erschienen die
Thoragrößen der östlichen Länder, von denen
wir meist nur von Hörensagen Kenntnis hatten.
Neben dem ehrwürdigen Raw der Wiener Schifss-
schul Rabbi Jeschajah Fürst und dem allver
ehrten Dajen und Leiter der Wiener Palästina-
zentrale Rabbis Joseph Baumgarten bemerkte
nmn die allein schon äußerlich imponierende Ge¬
stalt des Präsidenten der tschechoslowakischen
Landeskanzlei Rabbi Koloman Weber den ehr¬
würdigen Rabbi Jeruchem-Altstadt, den Bro-
dyer Raw und den Rabbi Maier Arak aus
Buczacz, den Preßburger Oberrabbiner R. Akiba
Schreiber, den Tyrnauer Oberrabbiner Unger,
Rabbiner Horowicz-Jerusalem, Oberrabbiner M.
S. Herzog-Stampfen und viele andere.
Wer aber geglaubt hatte, daß die Gegen¬
wart dieser Talmidei Chachomim hauptsächlich
eine Dekoration sei und die „weltfremden" Rab¬
biner des Ostens nur als Zuhörer fungieren