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9. Juni 1Ü21.
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große geistige Aufgabe der Aguda wird in der
Herausstellung des wahren und echten jüdischen
Nationalismus, wird in der Erziehung ihrer Glie
der zu diesen: wahrer: und echten Nationalisinns
'bestehen, der vielleicht das letzte und schwerste Sta¬
dium bedeutet, durch das die jüdische Nation
im Galuth zu schreiten hat. Das von der
Frankfurter Ortsgruppe veröffentlichte P r o -
gramm will den Anstoß hierzu geben. Die
Wirkungen dieses Programms bleiben abzu¬
warten.
Agudist ist, wer die Lötliche Gefahr erkannt
hat, in der gegenwärtig die jüdische Nation
schwebt, wer aus dieser Erkenntnis heraus den
festen Entschluß in sich hat reifen lasser:, die
jüdische Nation seines Teiles zu retten, und wer
zn dieser Rettung mit Gleichgesinnten sich zu
Ortsgruppen vereinigt. Kain: die finanzielle Ge¬
sundung einem berechtigten Zrveifel unterliegen,
rvenr: die Ortsgruppen rvirklich Bereinigungen
Sogesinnter darstellen?-- —
2 .
D a s e r: g l i s ch e M a r: d a t.
In dem von der englischen Regierung ver¬
öffentlichten Mandatsentwurf wird' die jüdische
Nation zur Mitarbeit am Aufbau Palästinas
anfgerufeu. Gleichzeitig wird eine „jüdische Agen¬
tur" bei der englischen Regierung gebildet und
die Wahrnehmung dieser Agentur vorläufig der
— zionistischen Organisation übertragen. Zwei
Tatsachen von erschütternder Bedeutung.
Die Motive der englischen Regierung sind
gleichgültig. Gleichgültig ist im Grunde genom-
n:en auch — wenigstens im historischen Sinne
— das mehr oder weniger karg zugebilligte Maß
von Vorrechten der jüdischen Nation beim Auf¬
bau Palästinas. Entscheidend ist zunächst das
Faktum Edieses an die jüdische Nation ergehen¬
den Aufrufs au sich. Das zweitausendjährige
Inkognito der jüdischen Nation ist durchbrochen.
Die Frage des jüdischen Nationalismus ist keine
Theorie mehr. Die führende Weltmacht aner-
Mnut — ihre Motive sind gleichgültig — die
Ddische Nation als existierend. Die Kunde hier¬
von dringt bis in die letzte jüdische Hütte. 'Den
letzten Juden in: letzten Dorf zwingt sie zur
Stellungnahme.
Hat die Judeuheit eine politische Sendung?
Ja oder Nein! Ein Drittes gibt es nicht!
Nicht um den leeren Wortstreit des Begriffs
der Nation geht es. Nennt die Judenheit wie
ihr wollt. Wer fragt darnach? Aber ob diese,
Der Sokelower Rabbi «b’S® über
die hebräische Literatur.
In: zweiten Hefte der von der Aguda-
Jugendgruppe Warschau heransgegebenen hebrä¬
ischen Zeitschrift „Diglenu" richtet der So-
kolower Rabbi in einem in brillantein hebräischen
Stile verfaßten Schreiben ein inahnendes Wort
an. die Jugend. Zuerst zeichnet er den Stand¬
punkt der alten Führer, die keine höhere und keine
andere Literatur der hebräischen Sprache kennen
wollten, als die göttliche Literatur. Er verweist
auf die von allen Völkern gewürdigte Eigen¬
art des jüdischen Volkes. Von ewiger Geltung
fei das Prophetenwort: „Und was Eueren Geist
befällt, daß das .Haus Israels fein soll wie
alle anderen Völker -- das wird nie und nimmer
fein!" Das war immer die Antwort unseres
Volkes gegen Reformer und Neologen. Das tra¬
ditionelle Judentum spann und wob sich selbst
seinen Lebensfaden, wandelte seine eigenen Wege,
den Weg der Heiligkeit, auf Bahnen, die von
den wahren Größen und Kapazitäten unseres
Volkes vorgezeichnet und ausgebaut wurden.
Nachdem der Sokolower Rabbi den Unter¬
schied zwischen der Bedeutung der Literatur für
alle anderen Völker und der sittlichen Macht der
göttlichen Literatur der Juden klarlegt, schließt
er mit folgenden Worten:
„Ich beabsichtige mit u:einen: Artikel nicht
die Hände der an diesen: heiligen Werke Arbei¬
tenden erschlaffen zu machen. Ich erkenne, liebe,
so oder so genannte Judeneinheit eine politische
Sendung hat: darum gehts!
Wer den Mut hat, die Frage zu nernetnen,
de: spreche es aus.
Und wer den Acut hat, die Frage zu be¬
jahen, der spreche es aus.
Aber Schweigen, aber Verhüllen, aber Kon:-
promittieren: das ist vorbei!
Denkt an die Jugend! Ihr werdet ihr das
englische Mandat, ob es Gesetz wird oder ::icht,
niemals verheimlichen können. Sie wird euch
hinstellen vor dieses Mandat und wird von euch
Zeugenschaft heischen: Bekennt!
Denkt an die Verfolgten, an die Gemarter¬
ten unseres Volkes! Sie werden die Hüllen reißen
von ihren gestriemten Leibern, sie werden ihren
Jannner euch ins Antlitz speien, so ihr ihnen
nicht Rechenschaft geben werdet für all das, was
ihr :u:ternon:men habt auf Englands Ruf, was
ihr unterlasse:: habt auf Englands Ruf: Bekennet!
Denkt an Israels Heileszukunft! So furcht¬
bar ist das Galuth, daß auch nur eine Stunde
es frevelhaft verlängern, niemals sühnbares Ver¬
brechen wäre. Vor euch erhebt sie sich, unser aller
Mutter, die zweitausend Jahre um ihre Kinver
weint: Ihr hättet vielleicht ihre Tränen lin¬
dern können, wenn ihr Erbarmen mit :hr ge¬
kannt hättet: Bekenner! — Mit der Abwehr des
Zionismus ist es nicht getan.
Die jüdische Nation ist aufgerufen.
Die falsche hat sich gemeldet.
Darf die echte schweigen?
Darf sie es, weit die falsche vor den Tore::
Wache steht?
Noch kennt Englands Regierung nur die
falsche.' Will vielleicht sie allein nur kennen.
Darf es die echte dulden?
Wie rätselhaft, wie qualvoll rätselhaft sind
Gottes Ratschlüsse. Wie schweres gibt Er uns
zu tragen. Die falsche Nation läßt Gott wie
eine Brücke sich zu Israels Land legen. Die
Brücke lockt. Wer sie betritt, ist verloren. —
Auf, Agudas Jisroel! Deine Stunde hat
geschlagen! Sei Du der Ml:nd der echten Na¬
tion! Sprich!-
Palästina-Arbeit der Agudas Zisroel.
I.
Der Gerer Rebbe in der Sitzung des
g e s ch ä f t s f ü h re n d e n Ausschusses des
Z en t r a l r a t der A. I. in Wien.
Die Agudadepütation unter Führung des
junge Leute, Eure gute Absicht und das gott¬
gefällige Werk, ich kenne und schätze die Not
Eures verwundeten, blutenden Herzens, ob der
von Frevlerhand entweihten Schönheit unseres
Schrifttumes; mein Herz leidet mit den: Eurigen
ob dieser Erniedrigung wegen der Schechina,
die auch in: Golus ist; ich kenne Eure brennende
Begierde, sich in die Bresche zu werfen, für den
Herrn Zewoot zu eifern, die Herzen zu erheben
und zu entflammen, nn: die heilige Wacht zu
halten; ich weiß Euren edlen Willen und starkes
Können zu schätzen, Eure treue Hingebung für
das heilige Werk, das uns Allen gemeinsam ist.
Wie teuer ist mir Euer Verband, der in: .Heilig¬
tun: fußt. Seit jeher war es der Wunsch und
die Sehnsucht n:einer Seele, daß sich die Jugend
organisiere, .Hand in Hand mit den Aelteren
gehe, auf daß wir n:it vereinten Kräften die
Ehre der Thora heben und sie in die frühere
Würde einfetzen können! Große Hoffnungen fetze
ich in Euch Bluten der Priesterschast! Ihr sollt
uns die Jugend zurückbringen, die in jugendlicher
Betörung sich verleiten ließ, aus den schlechten
Brunnen der uwdernen Literatur zu schöpfen.
Ich achte die Macht und die Wirkung einer
zu schaffenden thoratreuen Literatur; sie kann
ein Heilmittel für diejenigen werden, die der
Literatur der Ausgelassenheit nachhängen. Ich
weiß die Kraft zu schätzen, derer wir uns bedienen
könnten, als wirksames Mittel zu unserer großen
und erhabenen Bestimmung.
Ich Null auch nichts Anderes fein, als ein
Ansporn, Euch anzufeuern; Möge die Litera-
gefeierten Rabbi von Gora nach dem heiligen
Laude ruft die geschichtliche Erinnerung an jene
Größen der Thora wach, die mit ihrem Zuge
nach Erez Jisroel Epochen der Wüte wahren
jüdischen Lebens geschaffen haben, wie Ramban:,
Schelo und Arij, Die unsterbliche Liebe zur Erez
ha-kedoscha findet ihren wärmsten Ausdruck in
den der höchsten Empfindsamkeit befähigten, aus¬
schließlich dem Thoraleben geweihten Geistern.
Viele Hunderttausende haben den großen Rabbi
mit heißen Segenswünschen für fein Werk auf
seinem Wege 'begleitet und harren mit dem
klassischen nasso we-nischma mit Spannung auf
die Parole des großen Meisters. Aber nicht
allein der innere Kreis seiner in ganz außer¬
ordentlicher Verehrung ergebenen Anhänger be-
grüßt den Rebbe auf der Heimkehr ans Jeru
scholajim. Auch weitere Kreise haben diese be¬
deutungsvolle Reise mit Sympathie und Erwar¬
tung verfolgt. Es entsprach einer weithin empfun¬
denen Sehnsucht, wieder einmal etwas mehr
Größe, mehr Reinheit, mehr Innigkeit in dem
chaotischen Getriebe der Palästinabewegung er¬
leben zu können.
* * *
Anläßlich der Rückkehr der Agudadelegation
aus Palästina sind die hier weilenden Mitglie¬
der des geschäftsführenden Ausschusses und des
rabbinischen Rates zu einer gemeinsamen Kon¬
ferenz einberufen worden, in welcher der Gerer
Rebbe als Führer der Delegation und
Rabbiner Horovicz aus Jerusalem, Mitglied der
Palästinazentrale der Agudas Jisroel, eingehend
über ihre Mission referiert haben. Der Gerer
Rebbe betonte seine große Zufriedenheit über
seine Wahrnehmungen in Erez Jisroel und er¬
klärt: es fei die Stunde gekommen, daß Agudas
Jisroel in feiner Gesamtheit und in feinen ein¬
zelnen Gliedern an dem Aufbau Erez Jisroels
effektiven Anteil nehmen müsse. 'Der High Com-
mifsioner habe ihn und Rabbiner Horovicz ge¬
beten, die Orthodoxie zu versichern, daß sich die
gesetzestreuen Juden, die nach Erez Jisroel kom¬
men werden, in absoluter Freiheit und Unab¬
hängigkeit ausleben können. Auf Wunsch des
Gerer Rebbe erteilte Rabbiner Horovicz über
verschiedene wichtige Einzelfragen Aufklärungen,
die von den Anwesenden mit großer Befriedi¬
gung entgegengenommen wurden. Der Gerer
Rebbe erklärte noch, daß er seine Erfahrungen
in ausführlicherer Weise nach seiner Rückkehr
tur in Eueren Händen zun: Cherubim^Schwerte
werden, wie jene Pfeile in der Hand des Hel¬
den den gottgefälligen Kampf zu führen gegen
die Lästerer, die, wie es die Bibel rügt, sich dreist
rühn:eu: „Wir siegen mit der Zunge, die Sprache
ist unser, wer ist uns noch Herr?!"
Aber . . . irrt nicht ab von der goldenen
Mittelstraße, macht ja nicht das Nebensächliche
zun: Hauptding und' das Hauptsächliche zum Ne¬
bending, G. b.! Ich bin eines Sinnes mit Euch,
wenn die durch Euch zu schaffende Literatur als
Mittel und nicht als Zweck dienen soll. . . ."
Der schöne Maamar schließt noch mit der
Mahnung, auch dem halachffchen Gebiete einen
Platz in: „Diglenu" einzuräumen.
Rotizen.
Tie in den letzten Wochen veröffentlichte Ar¬
tikel jene „Die Idee des Agudismus" von Rechts¬
anwalt Tr. I. Breuer, wird auf Veranlagung der
„Blätter"--Redaktion in eitler Brofchüre im Kom--
iitifsivnsverlage von L. Sänger Verlag, Frankfurt
(Main) erf ch,einen. Uni die Höhe der Auflage be¬
weisen zu können, bitten wir alle Orts- und Ju¬
gendgruppen der „Blätter"-Redaktion oder der Firma
L. Sänger bereits jetzt die Anzahl der gewünschten
Exemplare aufzugeben.