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= Nummer 21
I ^ A* JL aa
= VII.. Jahrgang =
4. August 1921
. * i, ft . Bw .
29. Jammus 5681
h e r a u s g e^g e b e n v o in
Gruppenverband, der Palästina-Zentrale
und der Jugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland.
3 u nt Führertag in Fulda,
2.-4. August 1921.
In diesen Tagen treten wiederuur nach Jah¬
resfrist Führer und Führerinnen des „Esra"-
Jugendbundes zusammen, um ttt gemeinschaft¬
licher Beratung durch Rückschau aus das Ge¬
leistete und Ausblick aus die Arbeit der Zukunft
ihren Bund zu befestiget: und seine Tätigkeit
erfolgreicher zu gestalten.
Da entspricht es dem Gefühl der Verant¬
wortung, die ein Jeder in Jisroel für die Taten
seines Bruders zu tragen hat, daß itt Freund¬
schaft und gerade aus Freundschaft eine Or¬
ganisation der anderen ihre Fehler zeigt, ihre
Blößen aufdeckt und ihr in Rat und Tat zur
Seite steht, die Mängel zu beseitigen. Denn die
Glieder einer Vereinigung selber sehen oft in
idealer Begeisterung die Schwächen ihrer Ge¬
meinschaft nicht, bis sie von außen her ihnen
aufgezeigt werden.
Aber Agudas Jisroel hat noch aus einem
ganz anderen Grunde das Recht und soutit die
Pflicht, in ihren Blättern einmal Stellung zu
uehmen zum „Esra"-Jugendbund, denn ihre Ju¬
gendorganisation war es, die — vor nunmehr
drei Jahren — „Esra" ins Leben rief. Und
wenn inzwischen auch auf einem völlig unparla-
mentarisch und wahllos zusammengesetzten
„Delegierten"tag Führer und Führerinnen be¬
schlossen haben „Esra" von „Agudoh" zu trennen
und nur einen losen Zusammenhang noch auf¬
rechtzuerhalten, und wenn auch ein kleiner Kreis
von Führern nur mit Scham daran denkt: „Agu¬
doh" Gründerin des „Esra", und mit pein¬
licher Sorgfalt es den Kinder:: verschweigt, die
Tatsache läßt sich nicht aus der Welt schaffen
und bleibt für uns bestehett. Und kraft dieser
geschichtlichen Tatsache sind wir berechtigt, zu
mahnen und zu warnen, zu tadeln uttb zu loben.
Die Frage der „politischen Neutralität" des
Esra soll hier nur kurz gestreift werden, denn
sie zeigt uns nur, daß mau in den Kreisen
von Führern und Führerinnet: sich iticht ver¬
tieft hat in den „Agudoh"gedanken, daß sie in
der Agudoh nur eben eine „Partei", eine „Rich¬
tung" sehen und nicht die Organisation derer,
die in jedem und allem die Thauroh als Herrsche¬
rin ansehet:. Gewiß würdet: wir es aufs äußerste
begrüßen, wenn der Führertag in kraftvollem,
offenem und konfessionellem Bekenntnis den Wie¬
deranschluß an die „Agudoh" beschließt. Aber
wir können uns gedulden, und wein: nicht auf
diesem, so auf dem nächsten, uttb wenn nicht
auf dem nächsten, so wird auf dem übernächsten
Führertag der „Esra" zur „Agudoh" zurück¬
finden.
Jedoch es scheint uns, als ob die gattze Frage
der Politik in den Hintergrund treten muß vor
einer anderen, als ob man im Esra unter dem
Deckmantel der Neutralität nur für eilte gewisse
„jugendliche Freiheit", für eine geistige Unab-
hängigkeit kämpft, denn es gibt in Assimilation
an die Umwelt seit einiget: Jahren leider auch
in unseren Kreisen eine Geistesrichtung, die in
der Revolution, in der Ungebundenheit ihr Ideal
sieht. Gewiß, wir können glücklich sein, daß sich
*) Aus technischen Gründen konnte diese Nummer
nicht am 28. Juli erscheinen. Wir haben aber dennoch
Vorsorge getroffen, das der Artikel „Esra" am Führer-
ag in Fulda vorlag. Die Redaktion. nätääm
diese Strömung itt: Rahmen der min austobt-
aber doch katn: es nicht oft genug betout wer-
deu, daß diese — in Wahrheit doch uttjüdischeu —
Gedanken gefährlich seit: können. In der Uttter-
werfung unter den Willen Gottes, darit: liegt
die Freiheit des Judentums, und in der Unter¬
werfung unter den Willen der Vertreter der
Lehre Gottes, der Führer des Volkes, nicht nur
in Fragen der Halacha, sondern in allen Fraget:
unseres Tuns und Lassens, darit: liegt die Frei¬
heit der jüdischen Jugend.
Es ist der Sinn des „Esra", daß Jugend
zu Jugend besser sprechen kann, als das Alter
zur Jugend. Dies kann und darf nicht bestritten
werden. Aber bestrittet: werden muß, daß Esra-
führer und Esraführerinnen mehr sein wollen
als nur Vermittler, als der Kanal, der in die
Herzen der Kinder die fruchtbringenden Wasser
des Judentums führen soll, sondert: daß sie auch
Quelle sein wollen, aus der das Wasser ettt-
springt. Es ist da üblich getvordet:, daß man
in durchaus edlem und jüdischem Wollet: auf
das jüdische Fühlen eines Jeden pocht. Aber
was man vergißt, ist, daß jüdisches Fühlet: er¬
worben werden muß, erworben durch jahrelanges
An die verehelichen Ortsgruppen der
„Agudas Jisroel" in Deutschland.
Betrifft: Delegiertentag.
Die Einladungen sind versandt. Wir
bitten, die Mitglieder - Versammlungen
zur Wahl der Delegierten gemäß den mit¬
geteilten Vorschriften baldigst zu veran¬
stalten und die Wahlergebnisse uns mög¬
lichst frühzeitig mitzuteilen. — Empfoh¬
len wird, in den Mitglieder-Bersamm-
lnngen die Punkte der Tagesordnung zu
besprechen und insbesondere zu dem Ent¬
wurf des Ortsgruppen - Programmes
Stellung zu nehmen.
Halberstadt, am 17. Thammus 3681.
Gruppenverband der „Agudas Jisroel"
in Deutschland.
Mandate zum D e l e g i e r t e n t a g
ü b e r u e h m e n:
Rabbiner Dr. Auerbach, Dr. med. Hirsch Auer¬
bach, Hermanu Schwab uttb Gottfried Golo-
schmidt, Halberstabt, Hugo I. Cahn Mainz,
Rabbiner Dr. Kohn-Ansbach, Leo Munk-Köln,
Enget: Neuberger-Köln, Joel Säuger-Frankfurt.
jüdisches Denken, jüdisches Wissen und jüdisches
Tun. Und die erste Vorbedingung zum Erzieher¬
beruf ist es, die eigene Unvollkommenheit, die
eigette Erziehungsbedürftigkeit zu erkennen.
Was wir damit meinen?
Wir meinen damit, daß die Esraführerschaft
— durchweg in einem Alter, itt dem noch feilt
Einziger sich jüdisches Fühlen angeeignet habet:
kann — selber all die Fragen entscheiden will,
vor die sie die Erziehung von Kiuderseeleu stellt
und sich uicht bewußt wird der ungeheuerlichen
Verantwortung, die sie damit auf sich lädt.
Wir meiuen damit, daß Führerschaft und
Bundesleitung autonom sind uttb nichts habet:,
das über ihnen steht, das — wenn es schon
nicht die Agudoh sein soll — ihnet: nicht als
Zensur, sondert: als ratgebende, unentbehrliche
Körperschaft zur Seite steht, die Führer und
Führerinnen auf ihre Eignung zum Jugeuder-
zieher prüft. Denn viel zu sehr ist es „Mode¬
sache" geworden, Esraführer und Esraführerin zu
sein. Und selbst da wo pädagogische Fähigkeiten
nicht abzuleugnen sind, fehlt oft als Inhalt der
Vermittlung das gediegene jüdische Wissen.
Wir meinen damit, daß man in „Führer¬
schaftsblättern" in Erzeugnissen eines jüdisch noch
nicht durchgebildeten Geistes über Weltprobleute
debattiert, statt nutzloses, halbreifes Gerede zu
lassen, daß man Augenblickslaunen seines Ge¬
fühls, die man „jüdisch" nennt, in Wort und
Schrift und Tat Raum gibt, statt mit eiserner
Energie jeden Gedanken im Lichte der Ewigkeit
zu prüfen.
Soll all das so bleiben? Darauf
fordert: wir klare, unzweideutige Antwort vom
Führertag.
Wohl wissen wir, daß in einzelnen Gruppen
mau ganz anders gehandelt hat, aber es geht
hier um das Prinzip des Ganzen. Wohl wissen
wir ferner, daß der „Esra" Großes und Schönes
geleistet hat, daß er Kinder der “nm erhalten
und zugeführt hat, die ihr sonst verlöret: ge¬
gangen wären, daß er in einzelnen Heften seiner
„Jugendblätter" wahrhaft jüdische Lektüre ge-
gebet: hat, und mehr noch. Aber gerade des¬
halb muß er im Prinzip seiner Organisatiou
jüdischer werden, als bisher.
Ob das geschehet: wird — der Fuldaer Füh¬
rertag wird es uns lehren! HJV-
UFinanzbericht
des deutschen Gruppenverbandes.
Auf mehrfache Anfrage geben wir im Fol¬
genden einet: Auszug aus dem Finattzbericht des
deutschen Gruppenverbaudes.
I. Die Einnahmen des Grnppenverbands be¬
liefen sich
a) von seiner Gründung (1. 1. 1914) bis
31. 12. 1918 auf 181.289,97 M.,
b) vom 1. 1. 19 bis 31. 3.
21 auf 537.715,74 „
719.005,71 Jk
II. Davon entfallet: aus Jahresbeiträge
a) von: 1. 1. 14 bis 31.
12. 18. 46.049,98 Jk,
b) vom 1. 1. 19 bis 31.
3. 21. 46.869,93 „
und auf Spendet:
a) vom 1. 1. 14 bis 31.
12. 18 135.238,99 „.
b) von: 1. 1. 19 bis 31.
3. 21 490.845,81 „
III. Von vorsteheudeu Betrüget: wurden ver¬
ausgabt
1. für die Agudo Zeitschrift, für Sammel-
büchsen, Gehälter der Sekretäre, Saal- und
Büromieten, Reifen, Telegramme, Porti,
Telephon, Bürontensilien, Drucksachen,
Inserate und andere Spesen innerhalb
Deutschlauds
a) vom 1. 1. 14 bis 31.
12. 18 11.155,93
b) vom 1. 1. 19 bis 31.
3. 21 90.484,12 „
101.640,05 Jk
und zwar ganz at:s Spendet: