Seite
= Kummer 22 =
11. August 1921
Blätter
= VII.. Jahrgang =
7. A v 5881
Gruppenverband, der Palästina-Zentrale
und der Jugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland.
Sin die Mitglieder der
-jßgudas Jisroel Ortsgruppe
Frankfurt am Main
Wir machen die verehrl. Mitglieder darauf
aufmerksam, daß in diesen Tagen der Beitrag
5681 erhöhen wird. Gemäß dem Beschlüsse
der Generalversammlung ist er auf das
Dreifache des im Frieden gezeichneten Grund¬
beitrages erhöht worden.
Wir bitten ferner diejenigen Mitglieder, die
bereit sind, für den am 22. August 1921 hur
stattfindenden Delegiertentag des Gruppen =-
Verbandes Mandate zu übernehmen, dies
unserem Schriftführer f Herrn Rüben Lange,
Hansahaus f gef . mitzuteilen. »
<Der Vorhand der Ä. J. O.-Qruppe
Frankfurt am fflain
Postscheckkonto 533 15
„ESra?
Zur Steuer der W a h r h e i t.
(Auf die Ausführungen unseres ^^"-Mitar¬
beiters erhalten wir folgende Zuschrift des Bun¬
desvorstandes der Esra. Die Redaktion.)
Die „Blätter" brachten in der vorigen Num¬
mer einen Artikel, betitelt „Esra".
Aus Freundschaft, so erklärt der Verfasser,
hat eine Organisation die andere auf ihre Feh¬
ler hinzuweisen. Ich weiß nicht, ob es einen
Satz gibt: miirn n^pbpD nanx- Denn nur mit
diesem ließe es sich erklären, daß uns der Ver¬
fasser Dinge vorwirft, die durchaus keine Berech¬
tigung Haben.
Zunächst bezeichnet der Verfasser den Dele¬
giertentag in Halberstadt als „unparlamentarisch
und wahllos" zusammengesetzt. Zu jener Tagung
hat jede Esragruppe die Delegierten entsandt,
die sie gewählt hatte. Eines weiteren bedarf?,
es wohl nicht.
Es wird behauptet: Der „Esra" verschweigt
mit peinlicher Sorgfalt seinen Kindern, daß die
Agudo die Gründerin des „Esra" ist. Tatsache
ist, daß es keinem Estaführer jemals eingefallen
ist, zu verheimlichen, daß Esra von der Agudo
mitbegründet wurde; daß vielmehr jedem von
uns bewußt ist, was die Agudo für uns getan
hat. Selbst den Gegnern gegenüber wurde aus
dieser geschichtlichen Tatsache kein Hehl gemacht.
Ja, in den Statuten des Esra wird die Agudo
ausdrücklich als Mitbegründerin des Esra be¬
zeichnet.
Es wird weiter behauptet, „man habe sich
in den Kreisen unserer Führer nicht vertieft
in den Gedanken der Agudo und sehe in ihr nicht
die Organisation derer, die in jedem und allem
die Thauro als Herrscherin ansehen". Es ent¬
zieht sich meiner Kenntnis, ob sich jeder Esra-
führer in diese Idee genügend vertieft hat. Es
entzieht sich ebenso meiner Kenntnis, ob sich
jedes Mitglied der Agudo in diesen Ge¬
danken-vertieft hat. Aber daraus kommt es wohl
nicht an. Tatsache ist, daß auf dem Fürther
Führertag der Beschluß gefaßt wurde: „Zwischen
Esra .... und Agudo . . . besteht . . . völlige
ideelle Uebereinstimmung"?) Mir scheint, ich
Delegiertentag
des Gruppenverbandes der
Agudas ASroel in Deutschland.
Montag, den 18. Aw 5681 (22. August
1921) 9 Ahr vormittags IlranksnrL-Loge,
Lfchersljeimer Landstraße 22, Arankfurt a. W.
Genaue Fagesorduung:
1. Kröstnung durch den Worsthenden.
2. Aüro-Waht.
3. Berichte:
a) des Zeutratrates. Referenten: die
Kerren Kaööiner Dr Wnchas Kohn
und Jacoö UosenHeim,^
d) des Werbandsvorstandes. Referenten:
die Kerren Raööiner Dr. Jsaac
Aneröach und Gottfried Gotdschmidt,
e) der Ralastinazeutrate. Referent: Kerr
Ar- Siegfried Oppenheim,
d) der Jugendorganisation Referent:
Kerr Leo Munk,
s) des Kriegswaiseufonds. Referent:
Kerr Kerman Schwaö,
4. Allgemeine Aussprache üöer die Berichte.
5. Aufgaben der Ortsgruppen an Kand
des frankfurter Rrogramms. Referat
und Aussprache. Referent: Kerr Rechts¬
anwalt Ar. Jsaac Breuer.
6. Arbeitsteilung innerhalb Deutschlands.
Referat und Aussprache. Referent:
Kerr Dr. Salomon Ghrmann.
7. Straffere Organisation der Ortsgruppen.
Referat und Aussprachen. Referent:
Kerr Dr. Segaü.
8 Wahl des Worortes und des Werbands-
vorstandes.
Wünsche betreffend Quartier sind an Die
Aguda Jisroel-Jugendgruppe Frankfurt a. M.,
Hanauer Landstraße 17, zu richten.
Dortselbst sind auch Gastkarten ä 5 Mk.
zu erhalten.
Versammlung der Vertrauensmänner der
. Palästina-Zentrale.
Sonntag, den 21. August, 10 Uhr vorm.,
findet in den Räumen der Agudas Jisroel-Ju-
gendgruppe Frankfurt a. M., eine Zusammenkunft
der Vertrauensmänner der Palästinazentrale der
Agudas Jisroel statt.
kann nur dann behaupten, mit jemandem völlig
übereinzustimmen, wenn ich dessen Ideen erfaßt
habe.
Darum ist es mir auch nicht klar, wieso nach
den Worten des Verfassers der Esra zur Agudo
0 Es liegt mir im Augenblick der Beschluß
nicht vor. Doch weiß ich, daß die ausgelassenen
Worte den Sinn nicht ändern, sondern verstärken.
z u r ü ck f i n d e näolle. Agudoidee ----- Thauroioee,
so lautete meines Wissens die Gleichung. Der
(unabänderliche) Paragraph 2 des Esrastatnts
aber lautet:
„Der Esra bezweckt die Erziehung seiner
Mitglieder zu solchen Jehudim, die sich in ihrem
Einzel- und Gemeinschaftsleben unbedingt dem
göttlichen Gesetz unterwerfen." Eines weiteren,
glaube ich, bedarf es nicht?)
Es wird weiter gesagt: „Es gibt seit einigen
Jahren leider auch in unseren Kreisen eine
Geistesrichtung, die in der Ungebundenheit ihr
Ideal sieht. Gewiß, wir können glücklich sein,
daß sich diese Strömung im Rahmen der Thauro
austobt". Ich verstehe das leider nicht. Diese
Ungebundenheit im Rahmen der Thauro ist doch
offenbar ganz wörtlich die Forderung S. R.
Hirschs (Ges. Schr. Bd. 3, Mizwaus Miloh und
Zizzis).
Wozu uns der Verfasser in seiner unvoll¬
kommenen Kenntnis der Dinge erziehen will,
weiß ich nicht; weiß auch unter diesen Umständen
nicht, wo er sich die Berechtigung dazu herleitet.
Er sagt doch selbst: „Erste Vorbedingung .HjN
Erzieherberuf ist es, die eigene Unvollkommerch^t
zu erkennen!"
Als unkritisierbar muß ich die w.^^-
ren Aeußerungen des Verfassers hinstellen Q
Esraführer wollen nicht nur Kanal (!) seir^
der in die Herzen der Kinder die fruchtbringenden'
Wasser des Judentums führen soll, sie wollen
auch Quelle sein, aus der das Wasser entspringt.
Die Esraführerschaft will selber all die Fra¬
gen entscheiden', vor die sie die Erziehung von
Kinderseelen stellt und wird sich der ungeheuer¬
lichen (!) Verantwortung nicht bewußt, die sie
damit auf sich lädt.
Die Bundesleitung 3 ) ist autonom und hat
nichts, das über ihr steht.
Zur Charakterisierung dieser Anschauung des
Verfassers sei nur nebenbei bemerkt, daß sich der
Bundesvorstand nicht mit dem ursprünglichen Be¬
schluß begnügt hat: „Der Esra unterstellt sich
dem Wad Horabbonim", sondern daß in Fulda
noch d r Zusatz angenommen wurde: „In ent¬
scheide lden Fragen berät sich der Bundesvorstand
mit " abbinischen Autoritäten."
Wenn in dem Satz: „In einzelnen seiner
Jugendblätter hat der Esra wahrhaft jüdische
Lektüre gegeben", ein Nachdruck auf dem Wort
einzeln liegt, so ersuche ich den Verfasser, mir
das Heft einzusenden, das diese Bedingung nicht
erfüllt.
Ich bin am Ende.
Der Esra hat sich heute das allgemeine
Vertrauen der Eltern erworben. Man weiß heute,
was der Esra geleistet hat. Es' ist allgemein be¬
kannt, daß der Esra vielen hunderten jüdischen
Kinder Gelegenheit, gar häufig die einzige Ge¬
legenheit gibt, Thauro zu lernen. Tausenden
hat er die Möglichkeit geschenkt, in Thaurokreisen
die Gesellschaft zu finden, die sie sonst anderswo
gesucht hätten.
Glaubt der Verfasser dem Thaurogedanken
zu nützen, wenn er den Eltern nun Bedenken ein¬
flößt, ob der Esra, dessen grundlegendste An-
2) Ich habe hier nicht die Aufgabe, den Ban
der Organisation des Esra auseinanderzusetzen.
Ich habe bloß die Anschuldigungen des Vers. * zn
widerlegen.
3 ) Tie Bundesleitung hat nur die Führung der
Geschäfte, es muß heißen: Ter Bundesvorstand.