"re beiden großen Gegensätze Wandertrieb und Heimatliebe sind von jeher in eigentümlicher Weise ^ im Gemüte der Deutschen vereinigt gewesen. Schon zu den Zeiten der Völkerwanderung sehen wir die Germanen in stetem Drängennach dem schönen Süden" begriffen. Ihre unwirtliche nordische Heimat verlassend, strebten sie danach, sich im Süden und Südwesten in fruchtbaren Flußthälern und an sonnigen Bergen ein neues Heim zu gründen. Den Ozean freilich überschritten sie auf ihren Zügen meistens nicht. Nur zwei von allen deutschen Völker­schaften, die damals ausgewandert sind, haben dies gewagt. Die Vandalen gingen vom südlichen Spanien aus über das Mittelmeer nach Afrika, und die Angelsachsen gründeten sich jenseit der Nordsee ein neues Reich auf britischem Boden. Es scheint fast, als hätten die Deutschen eine Scheu vor dem Meere, eine Scheu, die sich deutlich genug in den Sprichwörtern ausspricht.Das Meer hat keine Balken", sagt der Bolksmund, und in Norddeutschland heißt es:Wer sein Geld schnell verlieren will, der handele zur See." Das Wort aberBleibe im Lande und nähre dich redlich" ist vielleicht nirgendwo so allgemein beachtet als gerade bei uns Deutschen.

Emin Pascha.

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