s20. Mai 1904. Hamburgs
Endlich, endlich alles bereit! In zwei Stunden soll die „Eleonore Woermann" in See stechen. ?ro konore et xmtriu!
Gestern abend nach einem Abschiedsschoppen mit guten Freunden Abfahrt nach Hamburg. Der Trubel auf dem Lehrter Bahnhof war unbeschreiblich. Ganz gefährlich wurde das Gedränge, als der Kronprinz erschien, um uns im Aufträge des Kaisers zu verabschieden. Er ging die einzelnen Wagen entlang und reichte jedem von uns die Hand. Freudiger Stolz durchdrang mir die Brust, als mir der junge Hohen- zollernprinz mit festem Händedruck glückliche Reise und gesunde Heimkehr wünschte.
Mit froher Siegeszuversicht fuhren wir davon unter brausendem Hurra der Menge und den schmetternden Klängen der Musik des 2. Garderegiments, unter dessen Fahnen ich einst gedient Hatte. „Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus" klang uns noch lange in den Ohren und manch schöne Erinnerung, manch liebe Menschen und glückliche Stunden wurden lebendig bei diesen Klängen, die uns an das erinnerten, was wir jetzt lassen und meiden sollten.
Die Nacht war nicht sehr erquicklich. Viele gedrängte Menschen in engen Wagen, wenig Schlaf. Heute morgen hielt der Zug direkt am Quai und vor uns lag die mit
Ortenberg, Erinnerungen. 1
