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während im Sommer eine Südostbrise die Hitze mildert. Wohnstätten müssen also so angelegt werden, daß sie gegen Norden geschützt, gegen Süden dem Seewinde geöffnet sind. Die Chinesen führen das scharf durch. Ihre Dörfer find fast immer gegen Norden durch Höhen gedeckt. Sie sind ferner absolut symmetrisch gebaut, und zwar stets so, daß die Hausreihen von Südwest nach Nordost laufen. Die Nordfeiten der Häuser haben weder Fenster noch Thürerr. Diese Erfahrungen der Bewohner mußten natürlich bei Anlage der Neustadt voll ansgenutzt werden. Wäre die Stadt nun beim Hafen, an der Jnnenbncht, angelegt worden, so hätte sie die der richtigen entgegengesetzte Lage gehabt. Sie wäre gegen Norden offen, gegen Süden gedeckt gewesen. Noch eine Reihe anderer Gesichtspunkte mußte in Betracht gezogen werden. Die Stadt durfte natürlich nicht zu weit vom Hafen entfernt liegen, der ja ihr Lebenselement bildet, und es mußte eine bequeme Verbindung mit demselben möglich fein. Das für die Stadt zur Verfügung stehende Gebiet mußte so groß fein, daß selbst eine sehr optimistische Auffassung der Entwicklungsmöglichkeit keinen Raummangel befürchten ließ, auch mußte das Stadtgebiet möglichst geschloffen sein, die Stadtlage war so zu wählen, daß die natürlichen Schönheiten der felsigen Höhenzüge zur Verschönerung des Stadtbildes beitragen konnten, endlich mußte die Stadt gegen einer: Angriff von der Landfeite und gegen ein Bombardement von See ans möglichst geschützt fein. Zog man alle diese Gesichtspunkte reiflich in Betracht, so mußte man zu der Ueberzeugung kornmen, daß die Lage des Chinesendorfes Tsingtau und das Gelände westlich davor: für die neue Stadt allein inbetrachtkamen.
Von vorn herein hatte man in der: maßgebenden Kreisen den festen Willen, Tsingtau rächt allein zu einer praktischen und gefunden, sondern auch zu einer schönen Stadt zu machen. Es sollte eine Gartenstadt Werder:, wie der obere Teil Hongkongs. Die vorhandener: Verhältnisse begünstigen diesen Gedanken sehr. Zwar steht rächt ein Pik zur Verfügung, aber der 100 m hohe, felsige Signalberg bildet einer: recht wirkungsvoller: Abschluß des Städtebildes, und die von ihm ausgehenden niedrigeren Höhenzüge laden zur Anlage von Parks und Promenaden förmlich ein. Vor allem aber sollte Tsingtau dadurch zu einem für Europäer besonders angenehmen Wohnsitz werden, daß eine ganz scharfe Trennung der Enropäerstadt vor: der Chinesenstadt durchgeführt wurde.
Das ist bisher noch nirgendwo irr: Osten der Fall. In Kanton wohnen zwar die wenigen ansässiger: Europäer auf einer Insel irr: Weftfluß, die zur Nachtzeit vor: aller: Chinesen geräumt wird; doch sind hier ausschließlich Sicherheitsgründe dafür maßgebend. Ir: allen andern Häfen, in Hongkong, Schanghai, Tschifu, Tientsin, von Singapore gar rächt zu reden, wohnen Chinesen und Europäer untereinander. Abgesehen davon, daß

