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und diese in Umlauf zu setzen, haben nur sehr geringen Erfolg gehabt. An: verbreitetsten sind noch die im Norden gangbaren Peyang Dollars, die aber in den südlichen Häfen nur mit einem Abschläge von etwa 5°/o genommen werden. Der Mexikaner hat bisher siegreich das Feld behauptet. Neuerdings trägt sich die chinesische Regierung wieder mit dem Gedanken der Errichtung einer Münze in Peking, die den Dollarbedarf für das gesamte Reich decken soll; aber selbst wenn dieser Gedanke in absehbarer Zeit zur Ausführung kommen sollte, was kaum zu erwarten ist, wird die Unehrlichkeit des chinesischen Beamtentums und die Schwerfälligkeit der Regierung die allgemeine Verbreitung des Geldes sehr erschweren.
Die Schwankungen des Silberkurses, unter denen besonders die Wareneinfuhr leidet, nötigen die großen Firmen, ein Deckgeschäft vorzunehmen, indem sie den Kurs bei einer Bank, die das Risiko übernimmt, decken oder indem sie die Zahlungen in Gold vereinbaren, sodaß tatsächlich ein Goldgeschäft vorgenommen wird. Ein noch weiteres Fallen des Silberpreises würde die in Deutschland ansässigen, auf Goldwährung basierten Geschäfte nötigen, ihre Tarife von Zeit zu Zeit zu erhöhen.
An Scheidemünzen sind 5, 10 und 20 Centslücke im Umlauf. Sie stammen von den Straits Settlements, von Hongkong und aus den Münzen der chinesischen Vizekönige. Sie spielen indes nur an der Küste und in den Handelsplätzen der großen Ströme eine Rolle. Im Landinnern des Reiches werden sie wenig gebraucht.
Das Geldbedürfnis der großen Bolksmassen und des täglichen Verkehrs wird durch Kupfergeld befriedigt, das in staatlichen Münzstätten gegossen wird. Das heute gangbare Geld sind runde Münzen mit einem viereckigen Loch in der Mitte, das das Aufziehen auf eine Schnur gestattet. Die Fremden nennen die Münze „Käsch". Der Normalwert eines Käsch ist Viooo eines Tael Silber. Nach dem heutigen Silberkurfe würden also etwa 330 Käsch gleich einer deutschen Mark sein. Der Käschwert, der von der Legierung der Münzen abhängt, ist ebensolchen Schwankungen unterworfen wie der Silberpreis. Die Legierung besteht bei neuen Münzen aus etwa 56 Teilen Kupfer, 41 Teilen Zink und 3 Teilen Eisen. In früheren Zeiten war der Kupfergehalt ein größerer. Er fiel mit dem Steigen des Kupferpreises und dem Fallen des Silberpreises. Auch das Gewicht der Münzen ist erheblich heruntergegangen. Während ein Käsch um die Mitte des 18. Jahrhunderts 12 chinesische Unzen wog, wiegen die neuesten Käsch nur uoch etwa 7 Unzen. Die älteren großen Käsch haben daher auch einen bedeutend höheren Kurswert als die neuen kleinen Käsch. Trotzdem ist ihr Kupferwert noch größer als ihr Kurswert, und das hat zur Folge, daß viele alte Käsch von den Handwerkern als Kupfer verbraucht werden, und daß große Mengen Käsch in das Ausland ausgesührt wurden, bis ein Ausfuhrverbot der Regierung dem ein Ziel setzte.
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