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Im Kiautschongebiet erhielt man 1900 für einer: mexikanischen Dollar 2 KI) zwischen 750 und 900 kleine Kasch, je nach dem Kurse. 750 Käsch wiegen 2700 A. 10 Kl in Kupfer- Wiegen also die Kleinigkeit vor: 28—32 Pfd. Da meine Tätigkeit im Kiautschongebiet auf dem Lande lag, wo die Bauern und Fischer sich nur schwer dazu verstanden, Silbergeld in Zahlung zu nehmen, so war ich genötigt, mich zum Unterhalt meiner Soldaten und Arbeiter und für meine persönlichen Bedürfnisse mit großen Gewichtsmengen dieses entsetzlichen Geldes zu versehen und stets eine oder mehrere Eselladungen Geld mit mir zu führen.
Die durch den Fall des Silberwertes hervorgerusene Verteuerung des Kupferkäsch hat eine Erhöhung der Arbeitslöhne zur Folge gehabt, die für den Handel und die Industrie, die hauptsächlich mit sremdem Kapital arbeiten, sehr ins Gewicht fällt. Uns interessiert nun vor allem die Frage, wie unser Schutzgebiet sich zu diesen trostlosen Währungsverhältnissen verhalten soll, d. h. ob es sich damit recht und schlecht absurden soll, oder ob der Versuch zu machen ist, im deutschen Gebiet eine Währungsänderung herbeizuführen. Diese Frage hat bereits die Lübecker Vorstandssitzung unserer Gesellschaft am 7. Juni 1901 beschäftigt. Es war damals vor: der Abteilung Nordhansen ein Antrag eingebracht worden, der die Einführung der Reichswührung im Kiautschongebiet bezweckte. In der Diskussion war der Antrag von Herrn Major Schlagintweit- München bekämpft worden, der daraus hinwies, daß die Kleinheit unseres Besitzes der: Gebrauch einer anderen Münze, als sie im übrigen chinesischen Reiche vorhanden wäre, unmöglich wache, und daß auch der konservative Sinn der Chinesen hierein noli ms tangere geböte. Diesen Ausführungen ist unbedingt zuzustimmen. Das Kiautschougebiet muß sich, soll, es nicht wirtschaftlich isoliert werden^ bei seinem kleinen Umfange den Verhältnissen der nächsten Handelsplätze, besonders Shanghais, anpassen. Die wirtschaftliche Isolierung würde besonders durch die Einführung der Goldwährung geschehen. Gold ist in China unbekannt, seine Einführung hat auch keine Aussicht, da wirtschaftliche Verhältnisse dem entgegenstehen und der fremde Handel Einspruch erheben würde. Die Grundlage der Währung wird in China auf lange hinaus das Silber bleiben, das den Markt beherrscht. (Die gegenwärtige Billigkeit dieses Metalles ist übrigens für Schantung von ganz besonderer Wichtigkeit, da für die Arbeiten am gelben Fluß stets ungeheure Mengen vor: Kupsergeld gebraucht werden.)
Man könnte nun an die Prägung von deutscher: Dollars denken. Dieselben müßten nach der Zollkonvention von der Zollbehörde in Zahlung genommen werden. Es ist wohl denkbar, daß eine solche Münze durch die Schantungbahn, sowie durch die Arbeiter beim Hafen und beim Stadtbau eine rasche Verbreitung finden würde, es ist auch denkbar, daß ihre Einfuhr den deutschen Einfluß in Schantung stärken würde. Aber
