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Zwölftes Kapitel.
Familienangelegenheiten.
Stellung der Frau. Erziehung der Kinder. Eheschliessung. Geburt. Tod und Bestattung. Eigennamen.
Die Stellung der Frau im allgemeinen ist im elften Kapitel geschildert worden. Sie ist es, die alle häuslichen Arbeiten verrichtet. Auf ihr liegt auch die Pflege des Bananenhaines und die Feldarbeit. Es bleibt für den Mann nichts weiter übrig, als das Haus auszubessern und für die Kleidung zu sorgen. Die Frau führt auch, wenn keine erwachsenen weiblichen Kinder vorhanden sind, den eigentlichen Hausstand und besorgt die Küche. Über die Stellung der Witwen ist ebenfalls im elften Kapitel das Nähere gesagt worden.
Erziehung der Kinder.
Nachdem das Kind geboren ist, die Geburtsfeiern beendigt sind und die Mutter das Bett verlassen hat, ist das Neugeborene lediglich der Fürsorge der Mutter überlassen. Sie trägt es, wenn sie aus der Hütte geht, auf dem Rücken mit sich. Im Hause sitzt die Mutter mit halbuntergeschlagenen Beinen und hält das Kind meistens an den Brüsten liegend.
Ausser nach der Geburt wird das Kind später nur in ärmeren Familien gewaschen. Frauen, die es sich leisten können, pflegen die Kinder mit Butter einzureiben.
Die Mutter schaukelt ihr Kind und küsst es. Wenn es weint, wird es durch Schaukeln und Laute, wie choi, choi, choi!, beschwichtigt. Eine künstliche Ernährung (Kuhmilch, Tiereuter usw.) kennt man nicht. Der Muziba sieht einen ungläubig an, wenn man ihm erzählt, europäische Säuglinge genössen auch Kuhmilch. — Nur wenn die Mutter stirbt, gibt man das Kind einer Amme. ■— Das Stillen des Kindes dauert bis ins dritte Lebensjahr.
Einen spasshaften Anblick gewährt es, wenn der kleine, schon sprechende und laufende Junge zu der am Feuer sitzenden Mutter geht, eine Brust packt und wohlgemut zu trinken beginnt.
Nachdem das Kind entwöhnt ist, übernimmt seine Erziehung ■— wenn von einer solchen überhaupt noch die Rede sein kann ■— ausschliesslich der Vater. Die Mutter darf das Kind nicht schlagen und ihm auch keine Zurechtweisung erteilen.
Achtung vor den Eltern und Achtung vor dem Alter werden dem Kinde durch eine entsprechende Erziehung selbstverständlich. Uber Familienangelegenheiten jeder Art sowie über geschlechtliche Vorgänge ist es in frühester Jugend vollkommen unterrichtet. Letztere sind nicht Gegenstand der Scham, sondern werden als etwas Natürliches betrachtet.
So wächst das Kind auf und entwickelt sich viel schneller zu geistigen Fähigkeiten als unsere Durchschnittskinder. Fünfjährige Jungen haben mir die inhaltreichsten Märchen geschrieben —- leider folgt auf diese vorzeitige Entwicklung im zwölften oder dreizehnten Lebensjahre ein vollkommener Stillstand, herbeigeführt durch Genuss geistiger Getränke und frühe Ausübung geschlechtlichen Verkehres.
