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Diese Namen sind ein für allemal feststehend. Ishengoma bzw. Nyangoma heissen auch Kinder, die bei der Geburt mit den Füssen nach vorne liegen, siehe Abschnitt Geburt.

Dreizehntes Kapitel.

Keligion. Gfeisterwelt. Zaubermittel. Priester.

Gott. Erschaffung des Menschen. Die Geister und ihr Oberhaupt Wamara. Erschaffung der Welt. Mütter der Geister. Göttin NyaringL Tempel. Opfer. Der Erdgeist Irungu. Der Seegeist Mugasha. Der Sonnengeist Kazoba. Dorfgeister. Schlangenkult. Ahnenkult. Zauberei. Die Priester. Die Seele nach dem Tode. Religiöse Feste. Gebetsproben.

Als höchstes Wesen wird ein unserem Gott ähnliches Wesen verehrt, welches man Rugaba, Gnadenspender, nennt. Genauere Angaben über ihn ver­mögen weder die Gelehrten im Lande, nämlich die Priester und die Altesten, noch die gewöhnlichen Landesbewohner zu machen. Rugaba bringt man keine Opfer. Man nimmt ihn als Schöpfer des Menschen und des Rindes an. Die Schöpfungs­geschichte stellt man sich folgendermassen vor: Es gab früher ein Weltall, als die Erde noch nicht geschaffen war und die Sonne, Mond und Sterne noch nicht existierten. Da gab Wamara seinen Geistern den Befehl, die Erde zu schaffen und sie mit Pflanzen, Buschwerk usw. zu versehen. Als dieses alles fertig dastand, setzte Rugaba zwei weibliche Wesen auf die Erde, die nach kurzer Zeit je ein Zwillingspaar hervorbrachten. Die Kinder des ersten Wesens waren Menschen, und zwar ein Knabe und ein Mädchen. Die anderen Zwillinge waren ein männliches und ein weibliches Rind. Diese Paare wurden die Stammeltern von Menschen und Rindern.

Uberlieferungen von einer Sintflut sind im Volke nicht vorhanden. Es wurde mir zwar von einem Priester des Wamara eine Erzählung vorgetragen, die derselbe von seinem Yater erhalten haben wollte, nach welcher der Nyanza einstmals höher und höher gestiegen, schliesslich über seine Ufer getreten sei und die ganze Um­gebung überschwemmt habe. Als ich den Priester fragte, ob er an diese Erzählung glaube, oder weshalb er mir das erzählt habe, antwortete er, ich könne diese Tat­sache selbst beobachten, wenn ich mit einem Boot auf den Nyanza hinausfahren und mir die Ufer ansehen wollte. Man könne an den Ufern treppenförmige Ab­stufungen wahrnehmen, diese wären nach Beendigung der Sintflut durch das allmähliche Zurückgehen des Wassers und durch die Auswaschung, welche die Wellen am Ufer verursacht hätten, entstanden. Diese Erklärung erhebt sich so bedeutend über die gewöhnliche Denkungsart des Negers dass ich vermute, der betreffende Priester hat von Missionszöglingen sich die Sintflutgeschichte erzählen lassen und sie mir wiedererzählt, um sich als einen weisen Mann auszugeben. Jeden­falls habe ich von keinem anderen Muziba jemals über eine Sintflut etwas Näheres erfahren können.

Der Gott Rugaba ist der Schöpfer des Menschen und des Rindes. Der Mensch steht, solange er lebt, in der Gewalt Gottes. Nach dem Tode kehrt aber die Seele nicht zu Gott zurück, sondern sie geht zu dem Geist der Seelen, zu Wamara. Gebete