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tata Kazoba, tata Kazoba! oruo mushana guakube guguire! Mein Vater Kazoba, mein Vater Kazoba! Dass die Sonne sie möge sein sie fiel! Vater Sonnengeist, sende deine Sonne auf uns nieder!
2. Ein Gebet an den Meergeist Mugasha. Wie 1., das Gesicht einem Gewässer zugekehrt.
tata Mugasha, tata Mugasha! — oruo enjura yakube Mein Vater Mugasha, mein Vater Mugasha! — Dass der Regen er möge sein
eguir'emiaka yange, ekakira!
er fiel auf die Saaten meine, sie mögen genesen!
Vierzehntes Kapitel.
Medizin.
Allgemeines. Ärzte. Medizin oder Opfer. Wahrsagemittel zur Stellung der Diagnose. Abzeichen für Arzt und Arztin. Operation. Medizin. Anwendung ärztlicher Instrumente. Wunden. Kopfschmerz. Geschlechtskrankheiten. Erhöhung der Manneskraft. Zahnziehen. Knochenbrüche. Ausschlag. Entfernen von Splittern. Gifte. Zahnpflege. Pocken. Pest. Die Seuche 1891/92. mubiamo
Sandflöhe.
Die Medizinwissenschaft ruht nicht allein in Händen der Arzte und Arztinnen, auch der gemeine Mann weiss die angeblich heilsamen Pflanzen zu sammeln und allerlei Mittel zuzubereiten. Weit mehr ist z. B. die Medizinwissenschaft im Volke verbreitet als die Kenntnis der Geisterlehre. — In der Praxis grenzen beide so nahe aneinander, dass sie schwer zu unterscheiden sind. Und es scheint der eigentliche Beruf der Arzte zu sein, dass sie auch in Fällen helfen können, in denen die Krankheit angeblich von einem erzürnten Geiste herrührt. Ebenso berührt sich der Beruf der Arzte mit dem der Priester.
Die Arzte bemühen sich kaum, die eigentliche Krankheitsursache kennen zu lernen. Sie verordnen vielmehr ohne weiteres eine Medizin. Der Arzt bekommt in vielen Fällen den Kranken gar nicht einmal zu sehen. Der Kranke sendet zum Arzt und lässt ihm sagen, ihm fehle dieses oder jenes. Darauf entscheidet der Arzt, ob eine Medizin helfen kann, oder ob ein Geist durch Opfer ausgesöhnt werden muss. Von Geistern kommt in der Regel nur Wamara in Betracht, dem man weisse Schafe opfert. Dieses Opfer konnte ich beobachten bei länger (d. h. vier bis fünf Tage) dauerndem Fieber, bei anhaltendem Kopfschmerz, bei übermässigen Men- struationsblutungen, bei Lungen- und Rückenschmerzen und allen Krankheiten, deren Wesen nicht direkt zu erkennen ist. Auch Schwindsüchtige opfern Wamara. Ein medizinisches Mittel gegen Schwindsucht gibt es nicht. — Das Opfer wird dem Priester des Wamara überbracht. — Derselbe weissagt auch, ebenso wie jeder Arzt, ob der Kranke wieder gesund werden oder sterben wird. Der Spruch wird nach Vornahme der verschiedensten Handlungen gefällt. Einen Arzt sah ich einmal ein herzförmiges Eisen mit Stiel rotglühend machen und sich damit über die Innenfläche der Hand und über das Schienbein fahren. Die bezeichneten Stellen hatte er vorher mit dem grünen Safte einer Pflanze bestrichen. — Er behauptete, der Kranke müsse sterben, sowie das Eisen ihn (den Arzt) verbrenne. — Alle Umstehenden
