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Umfang , von besonderer Bedeutung zu machen . Mit um so mehr Genugthuung
kann ich Ihnen einige Gegenstände vorlegen , wie sie das Museum für Völker¬
kunde bisher noch nicht, , oder wenigstens nicht in solcher/iWeiÄe besitzt . Ein
achtmonatlicher Aufenthalt auf einer Inselgruppe der Südsee sollte allerdings eine
andere Ausbeute vermuthen lassen , als ich sie von dieser aufweisen kann , aber
der Aufenthalt auf dieser Inselgruppe — auf den Samoa - Inseln — fiel in die
Wirren , welche das Einschreiten unseres Kreuzergeschwaders im Sommer 188 ^ f
notwendiger Weise herbeiführen musste . Die genannten Inseln sind ferner be¬
kanntlich schon seit dem ersten Drittel dieses Jahrhunderts in den Bereich der
Thätigkeit von Missionaren gezogen und seit geraumer Zeit sind die Eingebornen
durch den Handel und den Plantagenbau , der von den Fremden auf Samoa be¬
trieben wird , der Civilisation nahe gerückt ; sie stehen , im Verhältniss zu den Be¬
wohnern mancher anderer Inselgruppen , auf einer hohen Culturstufe . So findet
sich z . B . — abgesehen von zu geringem Lebensalter — kein Individuum auf
Samoa , welches nicht lesen und schreiben kann ; der Samoaner ist ausserdem ein
vorzüglicher , wenn auch etwas langathmiger Redner .
Diese Verhältnisse haben in ganz natürlicher Folge einen grossen Theil der
Ursprünglichkeit verschwinden gemacht , namentlich findet sich von jetzt so ge¬
suchten älteren Ethnographica offen nichts mehr vor und nur glücklichen Um¬
ständen habe ich einige Erwerbungen dieser Art zu danken .
Es soll damit nicht gesagt sein , dass der Samoaner sich etwa alles Ursprüng¬
lichen , entledigt hat , nein , er hat sich — im Gegensatz zu den Eingeborenen
anderer , erst seit sehr viel kürzerer Zeit bekannter Inseln — davon sogar recht
viel bewahrt . Der herrschende Communismus lässt das Anstreben von Wohl¬
habenheit , den Erwerb eines Vermögens und die damit verbundene Möglichkeit
der Beschaffung grösserer Annehmlichkeiten der Civilisation nicht zu ; so lebt der
Samoaner noch in Hütten von der gleichen Form , Beschaffenheit und Ausstattung ,
wie sie seine Vorfahren bewohnten ; theilweise sind eiserne Kessel und irdene
Gefässe , Teller und dergl . in Gebrauch, , sie haben aber nicht die bekannten
„ Kawa - Bowlen " und die anderen Holzschüsseln verdrängt und wenn diese nicht
mehr so vollendet ausgeführt werden , wie ehedem , so liegt der Grund darin , dass
vornehmlich die „ Kawa - Bowlen " in grosser Zahl in den Besitz von Curiositäten -
Jägern übergehen und durch neu angefertigte immer wieder ersetzt werden . Als
Trinkgefäss dient noch allgemein die Kokusnussschale , die Fächer sind in Form
und Machart , wie die früher gebrauchten , ebenso die f ^ schnetze und Fischreusen , ja
selbst der Angelhaken von Stahl wird vielfach verschmäht und solcher von
Muschel benutzt . Boote europäischer Bauart sind vielfach in Gebrauch , Boots¬
bauer — fast immer Mischlinge — wandern von Dorf zu Dorf , um den Bau aus¬
zuführen , die ursprünglichen Canoes überwiegen jedoch noch . Für die Be¬
kleidung haben allerdings baumwollene Stoffe — in Gestalt von sogen . Christen¬
hemden ( für Frauen besonders ) und von Lendenschürzen ( für männliche Individuen ) —
grosse Verbreitung gefunden , daneben steht aber noch immer die Bereitung des
siapo ( Tapa ) in Blüthe , Lendenschürzen von diesem Stoffe sind noch heute
ziemlich verbreitet , und jeder Häuptling ist stolz auf die Berechtigung , ein be¬
sonderes Muster tragen zu dürfen . Der verstorbene „ König " Tamasese hielt es
unter seiner Würde , ein anderes Kleidungsstück , als einen Lendenschurz aus siapo
zu tragen .
Die Anfertigung von Matten steht zwar nicht mehr allgemein auf der hohen
Stufe , wie früher , einfache Matten bilden aber noch heute die Lagerstätte der Ein¬
gebornen , in den sogen , „ feinen Matten " besteht der grösste Familienreichthum .