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abtun. Will man es aber bekämpfen, so mutz man zuerst
wissen, um welche Art es sich im einzelnen Fall handelt.
2. wie sich dem Mwasu die übersinnliche Welt offenbart.
Träume und Visionen. Die ursprüngliche Form,
in der sich die übersinnliche Welt dem Bewohner des Pare-
gebirges offenbart, ist wahrscheinlich der Traum. Im Traum ist
der Mensch scheinbar den Schranken der Leiblichkeit enthoben,
der Geist stellt den Zusammenhang her mit den Weiten der
Erde, mit Vergangenheit und Zukunft. Einen Traum läßt der
Mwasu nicht unbeachtet. Träumt ihm vor einer Reise, er
werde mit Masaikriegern, mit einem Löwen oder Nashorn zu¬
sammentreffen, so unterläßt er die Reise. Sein Vorfahr hat
ihn gewarnt. Wenn ihm der Schädel seines Vaters, der im
Kamps mit den Waring/a (Masai) verloren ging, im Traum
erscheint und ihm die Stelle in der Wildnis beschreibt, wo
er liegt, so wird er in die Steppe hinuntergehen, um den
Schädel heraufzuholen und der Ahnenreihe einzuverleiben.
Sieht im Traum ein nach Usambara ausgewanderter Mwasu
sich im alten Geisterwald von Mbaga das Opfer darbringen,
damit die alte entschwundene Glückseligkeit wiederkehre, so
wird er das Opfer darbringen, wie sein Ahnherr ihm befahl.
Es scheint, als ob im Traum mehr als sonst die Ahnung
an das gute Arwesen lebendig werde, als ob die Decke, die
die animistische Weltanschauung dem Heiden durch Aber¬
lieferung und Erziehung über die Augen gebreitet hat, sich
im Traum lüfte. Träume und Visionen haben von jeher eine
Rolle gespielt in der Heidenbekehrung. Ein mir befreundeter
Häuptling, eine vornehme Erscheinung mit adeliger Ge¬
sinnung, dem Jesus fast übermächtig geworden ist, der aber
jetzt noch in den Banden der Vielweiberei gesangen liegt,
erzählte mir seltsame Dinge: „Als Jüngling übernachtete
ich einmal, von einer schweren Krankheit genesen, bei meiner
kleinen Braut in der Hütte. Um Mitternacht wurde plötz-
lich das Gemach taghell erleuchtet. Ein kleiner weißer Knabe
(ich hatte damals noch keinen Europäer gesehen) kam herein