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um den Zorn des Eheherrn zu stillen. Dieser letzten Ziege
wird ein Ohr abgeschnitten, geröstet und vom Ehemanne und
Ehebrecher gegessen, nachdem man es mit dem Blut des
Gegners bestrichen hat. Obgleich zweifellos mehr außer¬
eheliche als eheliche Kinder geboren werden, trifft man doch
außereheliche Kinder selten an. Die Skrupellosigkeit der
Schwarzen, um äußeren Gewinnes willen ein Menschen¬
leben zu vernichten, ist eben groß. Solch ein alter Heide
sorgt schon dafür, daß der Verdienst seiner Frau ihm unge¬
schmälert zufließe, und es ist ihm sehr leicht, das kleine Wesen,
das sich nicht wehren kann, um die Ecke zu bringen. Interesse
an dem Kind hat er nicht, es gehört ja nicht zu seinem Stamm
und wird darum nicht ihm, sondern dem Großvater mütter¬
licherseits das Ahnenopser darbringen. Ein Mann in Mbaga
hat von einer seiner Frauen 29 Rinder eingenommen. Die
Frau hat 14 mal geboren, besitzt trotzdem aber kein einziges
Kind und ist jetzt eine Ruine, körperlich und sittlich ver-
kommen.
Der alte Magiri, Großvater des jetzigen Häuptlings von
Mbaga, erkannte schon damals die Gefahr dieser Unsitte für
die Bevölkerungsziffer. Er verbot deshalb den Männern,
für den außerehelichen Verkehr ihrer Frauen sich etwas zahlen
zu lassen.
Man spricht in Kolonialkreisen gegenwärtig viel vvn
Reform und Kodifizierung des Eingeborenenrechts. Die
Gegner dieser Bestrebung fordern, man solle die Eingeborenen
richten nach ihrem Recht, so, wie sie selbst es wünschen, um
die Gefahr eines Aufruhrs möglichst zu vermeiden. And in
der Tat, ein Gewaltakt gegen manche tiefeingewurzelten
Volkssitten, wie Frauenkauf und Vielweiberei, würde große
Beunruhigung im Volke hervorrufen. Aber die krassesten Aus-
wüchse der heidnischen Volkssitten ließen sich schon beschneiden.
2. Jugendzeit.
Erziehung. „Biege den Schild, solange er frisch ist, denn
läßt du ihn, bis er hart wird, so kannst du ihn nimmer biegen!"