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Mittelwelt. Dieser Gefahr entging das Kind, nicht aber der
anderen, daß es sich verwunderte. Die Ansicht, daß ein
Schrei der Verwunderung den Tod nach sich zieht, trifft
man oft. Sieht einer die mi-uka brennen, d.h. Irrlichter,
brennende Geister, so darf er den Mund nicht öffnen. Sonst
fährt der Geist durch den Mund in den Leib und der Mensch
muß sterben. Hat der Mond einen großen Hos und kündigt
damit eine Seuche an, oder fällt eine Sternschnuppe, so
schweigt man still, macht auch nicht den andern aufmerksam,
sondern man spützt sogleich in die Luft und sagt: „Wärest
du nahe gewesen, so hätte ich dich gegriffen, aber du bist ja
fern und hast keine Gewalt über mich." Dadurch trösten sie
sich selbst und beschwören das Phantom.
Es ist wunderbar, daß die Schwarzen den Begriff der
Auferstehung haben und öfters über Auserstehung sich unter¬
halten, obgleich sie an keine Auserstehung der Toten glauben.
Schon dem Säugling erzählt die schwarze Mutter jenes
Märchen, das wahrscheinlich Gemeinbesitz aller Bantuvölker
ist: „Der Allschöpfer sandte das Chamäleon zu den Menschen:
,Geh hinunter und sage, wenn die Menschen sterben, so
sollen sie sterben wie der Mond, der wiederkommt/ Das
Chamäleon nahm den Landweg und ging ganz langsam.
Danach gereuete es Gott und er schickte den Frosch: ,Geh
hinunter und sage, wenn die Menschen sterben, so sollen sie
sterben wie ein Tops, der in Scherben geht/ Der Frosch
nahm den Wasserweg. Das Chamäleon kam an und rief:
,Höret, Leute, wenn die Menschen sterben, so"--,sollen
sie sterben wie ein Topf", rief der Frosch, der gerade an¬
kam. ,Ia", sagte das Chamäleon, ,ich weiß es aber anders/
,Wer zuerst kommt, ist der Weise", sagt der Frosch und dabei
blieb es denn auch." Sie sterben wie ein Topf, der in Scher¬
ben geht und niemand ist da, der die Scherben wieder zu-
sammensetzt. Auch die Geister sterben wieder und gehen
weiter nach unten. Nach sechs Generationen sind sie auf
ewig ins schwarze Reich der Schatten untergesunken, rettungs-
los, ohne Hoffnung. Der Weg der Heiden geht abwärts.