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4. vornehme Züge im Volksleben der wasu.
Es ist hochersreulich, daß trotz aller amnestischen Ver¬
dunkelung und Verkehrung des sittlichen Empfindens auch
viele schöne Züge von wahrer, echter Menschlichkeit, von
hochsinnigem Wesen und natürlichem Adel des Herzens bei
dem Volke sich finden.
Wie kommt das? Es mag sein, daß auch der Animismus
noch einige wenige sittliche Momente aufweist, die da und
dort das Böse hindern und dem Guten förderlich sind. Keine
Lüge kann bestehen ohne ein Körnchen Wahrheit. Mehr aber
als mit dem amnestischen Denken sind diese Ansätze edler
Menschlichkeit mit dem Sonnendienst in Verbindung zu
bringen, dem Rest eines, wie es scheint, ursprünglichen reinen
Gottesglaubens. And endlich: gerade da, wo jede religiöse
Vorschrift fehlt, wo Herz und Gewissen spricht ohne er-
erbtes und anerzogenes Vorurteil, entwickelt sich die Blume
Menschenadel zur schönsten Blüte.
Es mag sich lohnen, zuerst einen Vergleich zu ziehen
hinsichtlich solcher sympathischen Züge zwischen drei Bantu-
stammen, die ich eine Reihe von Fahren zu beobachten Ge¬
legenheit hatte: den Wakamba in Britisch-Ostasrika, den
Wadschagga am Kilimandjaro und den Wasu im Pare-
gebirge.
^Von grundlegender Bedeutung für den Missionspionier
in Afrika ist es, wenn das Volk, an dem er arbeiten soll,
schon von Haus aus eine Autorität kennt und anerkennt.
Unter allen Umständen ist die Arbeit an Schwarzen, die
Gehorsam gegen ihren Häuptling kennen und üben, leichter
als an denen, die keine Stammesobrigkeit haben. Ebenso
kann man sagen, daß man bei dem Wilden, der in den
düstersten, quälendsten Animismus verstrickt ist, noch mehr
erreichen kann, als bei dem „Resormheiden", dem nichts mehr
imponiert, der sich vor Geist und Teufel nicht fürchtet, der die
Sitten seiner Vorfahren verlacht, um dann freilich in Krank¬
heitsnot in wahnsinnige abergläubische Angst zu versallen.