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Welch ein Unterschieb ergibt sich schon aus der ver¬
schiedenen Stellung zur Häuptlingsmacht. Die Wakamba
haben keine Häuptlinge. Am besten charakterisiert man die
angestammte politische Verfassung der Wakamba mit dem
Wort aus der Richterzeit: Es war kein König in Israel und
jedermann tat, was ihm recht deuchte. Angebunden, frei, in
urwüchsigem Selbstbewußtsein und Abermut steht der Kampa-
mann da; nur gelegentlich gehorcht er einem Großen des
Landes als einem Ersten unter Gleichen. Die Macht dieses
Großen ist mehr persönlich als erblich und niemals dauernd.
Wenn einmal eine Parole ausgeht, etwa wie jene: „Wer
nicht auszieht Saul und Samuel nach, des Rindern soll man
also tun", dann gehorcht auch der Kambamann.
Die Wadschagga haben ein angestammtes, erbliches
Königtum, ein Königtum von der Geister Gnaden. Durch
furchtbare Grausamkeit haben die Dschaggahäuptlinge ihren
Untertanen Achtung vor ihrer Macht eingeflößt. Wenn ein
Häuptling zum Spaß einem Kinde den Kops umdrehte, so
daß das Gesicht nach hinten sah, wenn er bei seinen Übungen
im Speerwersen einen seiner Untertanen als Zielscheibe be-
stimmte, nur um eine wahrhaft königliche Tat zu vollbringen,
so verstehen wir nicht, daß die Wadschagga ihren Häuptling
lieben konnten. Und doch liebten sie ihn, wenn auch mit
Zittern; sie beteten ihn an und nannten ihn ihren Gott.
Auch die Wasu haben angestammte Könige. Daß deren
Macht, heute wenigstens, sehr gering ist, liegt nicht daran,
daß die Untertanen unbotmäßig wären. Nein, der gutmütige,
schüchterne, fast scheue Paremann ließe sich schon regieren.
Die Häuptlinge haben jedoch nicht das Zeug zu kräftiger
Machtentfaltung. Das schüchterne, bedächtige, langsame Volk
hat einen Tyrannen nicht hervorzubringen vermocht. Früher
allerdings gab es ein hochberühmtes Häuptlingsgeschlecht, das
der Wamramba, das mehr geliebt als gefürchtet wurde. Das
machte, wie weiter unten gezeigt werden soll: Sie waren
Priesterkönige im besten Sinne des Wortes und Friedens-
könige.