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dieses Futterreichtums stellt sich aber das Hindernis entgegen, daß
die Tränkstellen für das Vieh spärlich sind, weit voneinander
entfernt liegen, öfters nur wenig Wasser aufweisen und gegen
Ende der trockenen Jahreszeit wohl auch ganz versiegen.
Wirkliche Quellen, die frei aus dem Erdboden oder dem Gestein
Hervorbrechen und eine längere Strecke weit fließen, sind selten.
Die Gewässer der Regenzeit durchtränken jedoch das Schwemmland,
den Sand und das mürbe, durchlässige Gestein in den Flußbetten
und Talzügen so reichlich, daß sich das Wasser dort, meist ziem¬
lich nahe unter der Oberfläche, lange Zeit hindurch hält. Viel¬
fach reicht der Wasservorrat bis zum Beginn der nächsten Regen¬
zeit. Je weiter die trockene Jahreszeit fortschreitet, desto tiefer
sinkt der Wasserstand. Die Herero hatten überall dort, wo sich
das Wasser erfahrungsgemäß am längsten hielt, Löcher ge¬
graben, aus denen sie ihr Vieh mittels Schöpfeimern tränkten.
An manchen Stellen tritt das Wasser, durch unterirdische Fels¬
bänke oder dergleichen Hindernisse hervorgedrängt, soweit zutage,
daß das Vieh ohne Schöpfvorrichtungen getränkt werden kann.
Durch die vielfachen Märsche und Patrouillen der Schutz¬
truppe während des Hereroaufstandes ist eine große Anzahl von
Wasserstellen, namentlich im Osten des Hererolandes, die den
Weißen früher nicht bekannt waren, aufgefunden worden. Aber
trotzdem ist die Zahl der bekannten und das ganze Jahr über
sicher ausdauernden Wasserstellen im Hererolande immer noch
bei weitem nicht ausreichend, um von ihnen aus das große
Weidegebiet bewirtschaften zu können. Zur vollen wirtschaftlichen
Ausnutzung dieses Gebietes bedarf es der Wassererschließung
durch Brunnenbohrungen oder Dammanlagen in großem Ma߬
stabe. Zur rationellen Bewirtschaftung einer Farm von 10000
Hektar hat der Farmer mindestens 3—4 Tränkstellen nötig.
Bei Kleinviehzucht erhöht sich diese Zahl, da der Raum um
die Wasserstellen bald abgeweidet ist und das Kleinvieh zwischen
Weide und Wasser dauernd nicht so große Entfernungen zurück¬
zulegen vermag, wie das Rindvieh. Die Anzeichen sprechen dafür,
daß sich durch Bohrungen und kleinere Dammanlagen in den
meisten Fällen genügend Wasser wird beschaffen lassen. Der
Wasser-
verhältnisse.
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