Page
Zur Geschichte und Landeskunde
von Deutsch-Ostafrika.
Vermutlich bereits in vorchristlicher Zeit hat Ostafrika eine Rolle
im Handel der westasiatischen mit den südafrikanischen Gebieten
gespielt. Welcher Art dieser Handel und seine Wege waren, ist
uns allerdings unbekannt geblieben; erst vom siebenten nachchristlichen
Jahrhundert an beginnt sich das Dunkel der ostafrikanischen Geschichte zu
lichten. Araber aus Südarabien wandern infolge religiöser Streitigkeiten
in größeren Mengen nach Ostafrika aus, um sich hier als Kaufleute nieder¬
zulassen. Ihnen folgen gegen das Ende des 10. Jahrhunderts persische
Einwanderer, die gleichfalls aus religiösen Motiven gezwungen waren,
ihr Vaterland zu verlassen. Unter dem Einflüsse dieser Einwanderer scheint
mit Benutzung der Monsunwinde ein lebhafterer Handelsverkehr zwischen
dem südwestlichen Asien und der ostafrikanischen Küste eingesetzt zu
haben. Plätze wie Mogdischu, Mombassa und Kilwa wurden zu blühenden
Handelsstädten, mit denen sogar von China her Handelsverbindungen an¬
geknüpft wurden. Eine Änderung in den bis dahin verhältnismäßig fried¬
lichen Zuständen trat im Jahre 1498 ein, alsVasco da Gama Ostafrika auf
seiner Fahrt nach Ostindien berührte. Zwei Jahrhunderte ungefähr hat die
Herrschaft der Portugiesen an der ostafrikanischen Küste gedauert, ohne
daß sie aber irgendwelche Schritte zur Entwicklung des Landes unter¬
nommen hätten. Sie beschränkten sich im wesentlichen auf die Erhebung
der Tributzahlungen seitens der eingeborenen Küstenherrscher, und als
1638 die portugiesische Besatzung von Mombassa durch einen Araber
namens Jussuf bin Hassan ermordet wurde, war das praktisch das Ende
der Portugiesenzeit. Inzwischen war in Südarabien unter Führung der
Ibaditenimame eine neue Macht entstanden. Bereits mehrfach hatten die
ostafrikanischen Herrscher deren Hilfe gegen die Portugiesen angerufen.
Selbst aber mit inneren Streitigkeiten beschäftigt, hatten sie ihren Lands¬
leuten in Afrika bisher nicht zu Hilfe kommen können. Das änderte sich
wesentlich im 18. Jahrhundert. Eine Reihe von Plätzen auf den ostafrika¬
nischen Inseln ebensowohl wie an der Küste wurden jetzt von den Oman¬
arabern besetzt und durch Satrapen der Omanherrscher in Verwaltung
genommen. In der Hauptsache bestand diese Verwaltung allerdings nur
9