Page
indischer Händler an der Küste vor. Allzuweit ins Innere werden sie aber
kaum gedrungen sein.
Nicht ganz so friedlicher Natur war die arabische und persische Invasion,
die ungefähr zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert in größerem Maße
eingesetzt haben mag. Als Händler für Sklaven, Elfenbein usw. haben
die meistens aus Oman stammenden Araber die Bevölkerung nicht nur
religiös, sondern darüber hinaus allgemein kulturell in nachhaltiger Weise
beeinflußt. Die Küstenbevölkerung der Wasuaheli hat durchgehend
einen arabischen Bluteinschlag.
Die farbige eingeborene Bevölkerung Deutsch-Ostafrikas mag auf acht
Millionen geschätzt werden, darunter ca. 20000 Araber und Inder. Hierzu
treten rund 5400 Europäer.*
Die Hauptmasse der Neger lebt vom Ackerbau und der Viehzucht,
während die Araber und Inder, letztere ausschließlich, dem Kleinhandel
und Gewerbe ergeben sind.
Der Religion nach gehört ein großer Teil der Einwohner Ostafrikas
zum Mohammedanismus. Freilich haben die Neger vom Islam fast nur
Äußerlichkeiten angenommen, ohne einen ihrer alten Aberglauben auf¬
zugeben. Eine politische Gefahr kann deshalb in dem Islam keineswegs
erblickt werden.
Im Gegensatz zu den Arabern, die Sunniten sind, sind die Inder durch¬
gehend Schiiten, und zwar gliedern sie sich in der Hauptsache in die
Zwölfer, die Thenascheri, und die Siebener, die Ismaili, welch letztere
als ihr geistiges Oberhaupt den jeweiligen meistens in Indien residierenden
Aga Khan ansehen.
Die fälschlich immer als Heiden angesprochenen Banyanen, die in der
Kolonie meistens Handwerker und Kleinkaufleute sind, bekennen sich
teils zu Buddha, teils zum Neo-Brahmaismus. Als Anhänger der Seelen¬
wanderung vermeiden sie strengstens den Genuß fleischlicher Nahrung und
töten kein Tier.
Die im Schutzgebiet lebenden christlichen Goanesen, Nachkommen
von portugiesisch-indischen Mischlingen, spielen als Händler, Wäscher usw.
eine nicht unbedeutende Rolle.
* Die letzte Statistik zählt für Anfang 1913 5336 Europäer, unter denen sich 1075 Frauen und
725 Kinder befanden. Gezählt wurden u. a, 882 Pflanzer, Farmer usw. und 523 Kaufleute, Händler
und Gastwirte.
24