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Die Verwaltung und das öffentliche
Leben.
Die Verwaltung in ihrer heutigen Form stützt sich im wesentlichen
auf dieselben Grundsätze, die bereits bald nach Beendigung des
Reichskommissariats maßgebend waren. Im allgemeinen herrschte
der Grundsatz, nur solche Gebiete in intensivere Verwaltung zu nehmen,
die vollkommen pazifiziert waren. Die Verwaltung der übrigen Gebiete
wurde im Nebenamte durch die Besatzungskompagnie der Schutztruppe
wahrgenommen. Seit 1906 ist fast das gesamte Deutsch-Ostafrika unter
zivile Verwaltung gebracht worden, und nur zwei Militärbezirke bestehen
noch, die Bezirke Iringa und Mahenge. Im übrigen ist das Land in
18 Bezirksämter und drei Residenturen zerlegt. Die Residenturen be¬
schränken sich auf das Zwischenseengebiet, wo eine anders geartete, und
unter der alten Häuptlingsverfassung organisierte Bevölkerung es geraten
erscheinen ließ, die Zustände im wesentlichen beim alten zu lassen und
nur ganz allmählich eine geregelte Verwaltungstätigkeit einzuführen. Der¬
artige Residenturen bestehen zurzeit in Bukoba, in Kigali für Ruanda
und in Gitega für Urundi.
An der Spitze der Zivilbezirke stehen Bezirksämter, denen mehrfach
wiederum Bezirksnebenstellen, die gleichfalls von Europäern verwaltet
werden, unterstellt sind. Den Bezirksämtern beigegeben sind farbige
Polizeitruppen, die von europäischen Polizeiwachtmeistern kommandiert
und nach Art der Schutztruppe bewaffnet und ausgebildet sind. Die
Aufgaben der Bezirksämter sind naturgemäß lokal verschieden. Für
Plätze wie Ssongea, die es ausschließlich nur mit einer farbigen Be¬
völkerung zu tun haben, erwachsen natürlich andere Aufgaben als
etwa dem Bezirksamt Aruscha mit der zahlreichen Europäerbevölkerung.
Die alten Häuptlingsorganisationen haben der Zeit natürlich mehr und
mehr weichen müssen, wenn auch die Verwaltung bestrebt ist, nach
Möglichkeit Farbige zu niederen Verwaltungsdiensten heranzuziehen. An
der Küste z. B., wo die Verwaltung bereits festeren Fuß gefaßt hat, sind
die einzelnen Bezirke in Unterbezirke zerlegt, an deren Spitze ein Akide,
meistens ein Araber oder Halbaraber, steht, der von der Regierung be¬
soldet wird. Dem Akiden unterstehen in gewissem Maße die Jumben,
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