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Die Schutztruppe.
Zum Schutz unserer ostafrikanischen Kolonie verfügt das Reich über
eine Schutztruppe, die ebenso wie in Kämerun aus farbigen Soldaten
besteht, hier Askari genannt. Die heutige Schutztruppe ist aus
der sogenannten Wißmanntruppe hervorgegangen.
Als 1889 Wißmann von dem Fürsten Bismarck den Auftrag zur
Niederwerfung des Araberaufstandes erhielt, befanden sich nur noch zwei
Plätze im Besitze der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft, Daressalam
und Bagamoyo. Alles übrige hatte unter dem Drucke des Aufstandes
geräumt werden müssen. Die erste Aufgabe Wißmanns bestand darin,
sich mit den ihm bewilligten bescheidenen Mitteln eine Truppe zu
schaffen. Er ging von vornherein von dem Gedanken aus, daß unter
afrikanischen Verhältnissen hierfür nur Farbige in Betracht kommen
könnten. Die Erfahrung hat bewiesen, wie recht er mit dieser Auf¬
fassung hatte. Weiße Mannschaften erwiesen sich wohl für die Ver¬
teidigung befestigter Plätze brauchbar, aber nicht zur eigentlichen
Kriegsführung in tropischem Busch. Daß diese Farbigen der Truppe
zunächst Landfremde sein mußten, war bei der Natur des Aufstandes
einleuchtend. Der vielerfahrene Reichskommissar fand eine glänzende
Lösung, indem er auf Sudanesen zurückgriff. Diese hatten in der
ägyptischen Armee gedient und sich dort besonders bei den Kämpfen
im Sudan selbst hervorragend bewährt. Nachdem damals englischer-
seits der ägyptische Sudan aufgegeben war, hatte man eine Anzahl
ägyptischer Regimenter aufgelöst, deren Angehörige sich nunmehr brotlos
und von allen Mitteln entblößt zwecklos umhertrieben. Aus diesen
Leuten wählte Wißmann den Kern seiner Truppe. Vorsichtig aber, wie
er immer war, ließ er noch eine Anzahl Zulus aus Südafrika anwerben,
um auf diese Weise gegen eventuelle religiös-fanatische Umtriebe der
Sudanesen gesichert zu sein. Die Ausrüstung der Mannschaf ten wählte Wi߬
mann einfach und zweckmäßig; als Waffe bestimmte er die Jägerbüchse
bzw. Karabiner M/71. Der hervorragenden Menschenkenntnis Wißmanns
gelang es, als europäische Mitarbeiter eine Anzahl ehemaliger Beamter
der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft sowie deutsche Offiziere zu
gewinnen, die in hervorragendem Maße das Vertrauen erfüllten, das
der Führer in ihre Behandlung der ihnen fremden Mannschaften setzte.
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