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landfremd sind, um im Falle eines Aufstandes ein Zusammengehen
mit ihren Stammesbrüdern zu vermeiden. An Disziplin und Zuverlässig¬
keit stehen auch die einheimischen Askari den alten Sudanesen nicht
nach. Strenge, aber gerechte und gleichmäßige Behandlung hat auch
aus ihnen ein gutes Soldatenmaterial gemacht.
Die Truppe besteht aus Gemeinen und Chargen, letztere — entsprechend
den heimischen Dienstgraden — aus Ombascha (Gefreiter), Schausch (Unter¬
offizier), Betschausch (Sergeant bzw. Vizefeldwebel) und dem Sol (Feld¬
webel). Die Leute müssen sich zunächst auf 5 Jahre verpflichten und
kapitulieren dann von Jahr zu Jahr weiter. Das Institut der schwarzen
Offiziere (Effendi) ist nur noch durch zwei Vertreter repräsentiert. Der
größte Teil der Truppe ist zurzeit noch mit der Jägerbüchse 71 bewaffnet,
doch wird die ganze Schutztruppe im Laufe der nächsten Jahre mit dem
modernen Karabiner 98 ausgestattet. Außerdem führen die Askari
noch das kurze Seitengewehr 98. Bei jeder Kompagnie befinden sich
3 Maschinengewehre, die ausschließlich von Europäern bedient werden.
Für die Ausbildung der schwarzen Soldaten gelten mit gewissen Ab¬
weichungen und Einschränkungen die heimischen Reglements. Die
Kommandos werden in deutscher Sprache gegeben. Besonderer Wert
wird in der Truppe auf straffe Disziplin sowie eine gute Schieß- und
Gefechtsausbildung gelegt.
Neben ihrer rein militärischen Tätigkeit hat sich die Schutztruppe
auch auf anderen Gebieten nützlich gemacht und bei der Erfüllung
von wichtigen Kultur auf gaben in hervorragendem Maße mitgewirkt.
So lag der gesamte Verwaltungsdienst bis in die Neuzeit hinein in
großem Umfange in den Händen der Schutztruppe. Viele Stationen sind
nahezu gänzlich durch die Arbeit der Truppe entstanden. Zahlreiche andere
Bauten im Innern, wie Magazine, Brunnen, Lazarette usw. entstanden
unter den Händen geschickter Truppenangehöriger. Über die Tätigkeit
der Schutztruppe bei der Herstellung von Verbindungslinien ist bereits
gelegentlich der Schilderung des Postwesens berichtet worden.
Nicht zuletzt haben die Angehörigen der Truppe sich auch um die
kartographische Landesaufnahme verdient gemacht. Die Karten von
Deutsch-Ostafrika verdanken zum guten Teil ihre Entstehung der Mühe¬
waltung den europäischen Schutztruppenangehörigen, die auch unter den
schwierigsten Umständen ihre Marschlinien und das Seitengelände mit
Kompaß und Uhr kartographisch festgelegt haben.
So darf die Truppe in diesem Jahr auf 25 Jahre ihres Bestehens
zurückblicken. Was sie geleistet hat, das ist unverrückbar in die Ge¬
schichte des Schutzgebietes eingeschrieben. 18 Offiziere und 17 Unter¬
offiziere sind neben 700 farbigen Soldaten im Felde geblieben,
63 Offiziere und Unteroffiziere wurden verwundet, und 142 deutsche
Schutztruppenangehörige sind in der Kolonie den Krankheiten des
Tropendienstes erlegen.
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