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Bismarckplatz in Tanga
1. Tanga und sein Hinterland.
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Nahezu ein Drittel der gesamten europäischen Bevölkerung Deutsch-
Ostafrikas wohnt in den Bezirken Tanga, Wilhelmstal, Pangani, Moschi
und Aruscha. Mit dieser Zahl ist bereits die Bedeutung dieses Wirtschafts¬
gebietes charakterisiert. Hier entstanden bereits 1887 die ersten
Pflanzungen und hier lag für lange Zeit, als in den übrigen Gebieten
Deutsch-Ostafrikas überhaupt noch an keine andere europäische wirt¬
schaftliche Tätigkeit als den Handel gedacht wurde, der kulturelle
Schwerpunkt. Es war anfangs ausschließlich das Gebirgsland von
Usambara und sein Vorland, das die europäischen Pflanzer anzog. War
es anfangs der Tabak gewesen, auf dessen Kultur man die großen
Hoffnungen gesetzt hatte, so zwangen die Mißerfolge bald zum Über¬
gang zu anderen landwirtschaftlichen Unternehmungen. In erster Linie
war es der Kaffee, der große Hoffnungen erweckte, Hoffnungen, die
allerdings bald stark reduziert werden mußten, als Schädlinge die zahl¬
reich entstandenen Wirtschaften zum Übergang zu anderen Kulturen
zwangen. Hier war namentlich die Einführung der Sisalagave durch
Dr. Hindorf im Beginn der neunziger Jahre von ausschlaggebender Be¬
deutung. Ihm gelang es, 72 Pflänzlinge von Yukatan, dem Stammland fe
der Agave, nach Deutsch-Ostafrika zu bringen, die in der Folge die
Stammeltern der zahlreichen Sisalagaven-Pflanzungen wurden, die jetzt
nahezu 25000 ha im Schutzgebiete bedecken. Ungefähr gleichzeitig
mit dem Anbau der Sisalagave setzte der Anbau von Gummi ein.
Hier im Hinterland von Tanga wurden nahezu in bezug auf alle ost¬
afrikanischen Kulturen die Erfahrungen gesammelt, die geklärt und ge-
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