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haltung eine überwiegende Rolle im wirtschaftlichen Leben dieser Ge¬
biete. Gehalten wird das langhörnige Watussirind. — Mit Ausnahme
der seenahen Striche der Bezirke Bukoba und Muanza hat das gesamte
Seengebiet lange unter den mangelnden Verkehrsverbindungen zu
leiden gehabt, und auch die genannten Bezirke verdanken ihren Auf¬
stieg aus der Unbedeutendheit nur den Wirkungen der englischen
Ugandabahn. Im übrigen können große Werte aus Urundi und Ruanda,
wie z. B. Samli, nicht zur Ausfuhr gebracht werden, weil sie eben den
langen Trägertransport nicht ertragen. — Die in Vorbereitung befind¬
liche Bahn Tabora — Kageraknie und die Schiffbarmachung des Kagera
werden sicherlich berufen sein, auch die Zwischenseengebiete ihrem
Dornröschenschlaf zu entreißen. — Haupthandelsplätze des Seen¬
gebiets sind Muanza und Bukoba, die zusammen einen Außenhandel
von elf Millionen Mark (1912) repräsentieren. Die europäische Betätigung,
soweit sie wirtschaftlicher Natur ist, hat sich vorläufig noch auf die Bezirke
Muanza und Bukoba beschränkt, wo neben einer Reihe bergmännischer
Unternehmungen auch einige Pflanzungen entstanden sind, die in Muansa
Sisal- und Baumwoll-, in Bukoba Kaffeebau treiben. Die europäische
Betätigung auf viehwirtschaftlichem Gebiet ist vorläufig noch beschränkt.
Ob in der Zukunft das Seengebiet in erhÖhterem Maße ein Be¬
tätigungsfeld für europäische Unternehmen abgeben wird, wird einmal
von den Verkehrsverhältnissen, zum andern auch von der Frage abhängig
sein, ob in dem dichtbevölkerten Urundi und Ruanda sich überhaupt
noch Platz für Europäer machen lassen wird.
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